| Regie | Jan Krüger |
| Kinostart | 10.11.2011 |
Frédéric Jaeger ist durchaus angetan. "Die Spannung, die zwischen den Ansätzen von Figurenpsychologie und dem undurchdringlichen Schauspiel entsteht, sorgt für diese produktive Verunsicherung, auf deren Folie das Verhältnis der beiden erst interessant wird. Wäre sie ein paar Jahre jünger oder er etwas älter, könnte die Paarkonstellation und die Zwangsgemeinschaft in einer heterosexuellen Logik die Basis einer romantischen Komödie darstellen. Stattdessen fechten sie klassische Mutter-Sohn-Konflikte aus, mit dem signifikanten Unterschied, dass beide am Urteil des anderen kaum hängen und dadurch ihre eigene Position sehr viel freier und ohne den üblichen Ballast der bedeutungsschwangeren Blicke und schwelenden Erwartungen vertreten."
AUF DER SUCHE (
) gibt aus Prinzip keine Antwort, stellt Günter H. Jekubzik fest. "Der Film bleibt ganz bewusst fragend, suchend. Jan Krüger präsentierte seine erste große Produktion auf der letzten Berlinale. Die bekannte und exzellente Corinna Harfouch spielt darin die Mutter, die in Marseille ihren anscheinend verschwundenen Sohn Simon sucht. Jan Krüger gelang ein in seiner Form konsequenter Film, mit wenigen kriminalistischen, einigen dokumentarischen und vielen zwischenmenschlichen Elementen."
Über weite Strecken fällt es nicht schwer, dem Film wohlwollend zu folgen, nach seinem Reiz suchte Dominik Bühler "allerdings lange vergebens. Gegen Ende – außerhalb von Marseille – entwickelt sich aber doch ein plötzlicher Sog. Zunächst verdichtet sich alles in einer verwirrenden Verfolgungsjagd, dann kulminieren die Möglichkeiten, die Freiheit und das Grandiose des Ortes in einer einzigen fantastischen Einstellung. In der Weite der Landschaft, im Blick auf den offenen Ozean und auf der Serpentine liegen sie und blitzen kurz auf: die Erwartungen und Hoffnungen, Befürchtungen und Spekulationen der Menschen – all das was sie in Bewegung hält."
Ekkehard Knörer ist enttäuscht, denn der Film kommt "niemals in Gang, läuft kaum jemals rund. Das Unglück beginnt schon mit der Besetzung von Corinna Harfouch als Mutter. Viel zu schauspielerhaft präzise arbeitet sie, ist ein Fremdkörper im schön Diffusen, das Jan Krügers Filme im besseren Fall auszeichnet. Jedes Mal, wenn der Film loslassen könnte, zerren Dialoge ihn ins Überdeutliche zurück."
Maxi Obexer hat "den Eindruck, der Film reichere sich überall dort, wo er einfach nur ausspart, mit Klischees an. ... Das scheint ein Problem des Films zu sein, der unentschieden wirkt, als wüsste er selbst nicht, was ihn an dem Stoff interessiert. Es ist allein Corinna Harfouch, die als präzise denkende und spielende Schauspielerin in die Geschichte eindringt und als ernsthaft Fragende und Suchende dem schlappen Drehbuch Leben einzuhauchen vermag. Die anderen stehen nur da in der neuesten Mode."
Der Film plätschert vor sich hin, resümmiert Andreas Tai. "Man langweilt sich nicht, fühlt sich aber auch nicht unterhalten. Spannung wird nur sehr sparsam aufgebaut. AUF DER SUCHE (
) ist auch keine Charakterstudie. Die Figur der Valerie ist zu kontrolliert und Jens gibt zu wenig von sich preis, als dass man ihnen wirklich nahe kommt. Von der Rolle, die der Stadtraum Marseille bei der Suche spielt, hat man sich mehr versprochen. Viele Straßenszenen sind austauschbar und könnten sich genauso gut in einer anderen Stadt zugetragen haben. Anders als bei Angela Schanelecs MARSEILLE bleibt die Hafenstadt seltsam gesichtslos."