| Regie | Christopher Morris |
| Kinostart | 21.04.2011 |
"FOUR LIONS (
) ist dank der letzten paar Minuten doch nicht ganz so leicht zu verdauen, wie es bis dorthin den Anschein macht. Ob das ein weiterer Kritikpunkt oder aber ein weiteres Qualitätsmerkmal für den Film ist, muss man selbst entscheiden. Es bleibt in jedem Fall eine überaus frische, aberwitzige, alberne, trotzdem kluge und natürlich krähenschwarze Komödie."
FOUR LIONS (
) ist laut Christian Alt "vor allen Dingen eins: unglaublich komisch. Immer wieder steigert Morris den terroristischen Alltag in bitterböse Absurdität – und kritisiert dabei auch den innenpolitischen Umgang mit Terrorismus im Allgemeinen. Gezeigt wird eine Polizeimacht, die den Anforderungen, die die Selbstmordattentäter an sie stellen nicht gewachsen sind. Ein Umstand, der angesichts der überbordenden Idiotie der Attentäter schwer zu fassen ist. Die umfangreiche Videoüberwachung britischer Straßen und Plätze kann die Anschläge auch nicht abwenden."
Der Regisseur denunziert laut Birte Lüdeking "nicht den muslimischen Glauben, er führt religiöse, rassistische und sexuelle Klischees und Vorurteile jeglicher Art vor. Er verteufelt seine Charaktere nicht, sondern stellt sie, bis auf Barry und besonders in Gestalt von Omar, als zunehmend ambivalente Figuren mit wachsenden Gewissenskonflikten dar, die nicht zuletzt wegen ihrer Schwächen und Widersprüche komisch und schlussendlich tragisch wirken. Auch ein Verharmlosen der Thematik kann man Chris Morris’ überwiegend mit Handkamera gedrehtem Kinodebüt nicht vorwerfen, da es das Hauptproblem von Selbstmordattentaten, das Töten Unschuldiger, mehrfach betont."
Ekkehard Knörer sah das Menschliche in den Attentätern. "Ohne dass etwas an ihrem Denken und Tun zu verteidigen wäre, entwickelt man insgesamt dennoch etwas wie Mitgefühl mit der Bedröppeltheit der anderen vier. Man lacht über sie, ohne das Schreckliche ihrer Planungen und dann auch Taten dabei zu vergessen. Man möchte sie zugleich aber doch in Schutz nehmen vor ihrer totalen Verblendung."
Christoph Huber ist begeistert. "Morris reiht sich da ganz in die Monty-Python-Traditionslinie von schlau-blödem Satire-Slapstick made in Britain. Garantiert politisch unkorrekt und rabenschwarz – und bei aller demonstrativen Dummheit der dilettantischen Jihadisten-Protagonisten eigentlich erstaunlich differenziert."
Michael Kohler sah eine pechschwarze Komödie. "Wenn der Durchschnitts-Brite bei Benny Hill ein rasierter, saufnasiger und ungebildeter Affe ist, dürfen die in Großbritannien aufgewachsenen Dschihadisten eigentlich keinen Deut besser sein. Dank dieser selbstironischen Note geht der Witz nicht nur auf Kosten der Mörder, sondern macht auch vor dem Heimatland der vorgeführten Idiotie nicht Halt."
Thomas Groh sah womöglich die beste Satire des Jahres. "Die Widersprüche zwischen der Selbsteinschätzung der vier verhinderten Selbstmordattentäter und der Realität ihres zwischen stumpfer Dümmlichkeit, fehlgeleiteter Paranoia und schlichter Inkonsistenz changierenden Verhaltens walzt Regisseur Christopher Morris, ein Zögling der seit Jahren auf höchstem Niveau unterhaltenden Brit-TV-Comedy, mit genüsslicher Freude am ätzenden Humor in episodischer Erzählweise aus."
Asokan Nirmalarajah entdeckt das Eigene im Fremden in FOUR LIONS (
). "Die Abenteuer des fröhlichen, sich ständig kabbelnden Männervereins gestalten sich so als eine regelrechte Nummernrevue voll abstruser Situationskomik, cleveren Malapropismen und pechschwarzem Humor. Entgegen der Befürchtungen einiger britischer Produktions- und amerikanischer Verleihfirmen, und nicht zuletzt eines CSU-Bundestagsabgeordneten, der davor warnte, den Film in Deutschland zu zeigen, bewegt Four Lions (
) mit seinem bizarren Blick in die Terroristenpsyche aber nicht nur das Zwerchfell, sondern auf dem dramatischen Endspurt in den Tod auch das Herz – zu den melancholischen Klängen von Aphex Twin."
"Satire darf das", meint Susanne Ostwald. "Four Lions (
) ist, sofern man bereit ist, sich darauf einzulassen, schreiend komisch. Der Film hat andererseits keineswegs etwas Verharmlosendes an sich. Morris überdreht sein Thema ins Groteske, bis hart an die Schmerzgrenze oder – je nach Befindlichkeit – auch darüber hinweg."
Laut Nik Afanasjew nimmt Regisseur Christopher Morris seine Protagonisten als Menschen ernst – vor ihren politisch-religiösen Motiven aber hat er keinen Respekt. "Er dreht einen Film über islamistische Attentäter, ohne einen Film über den Islam zu machen. Zudem handelt FOUR LIONS (
) von tollpatschigen Helden, ohne sie ins Lächerliche zu ziehen oder ihnen eine tiefere Ebene abzusprechen. Vor allem jedoch nimmt der Filmemacher rechtzeitig die Kurve vom Klamauk zur Charakterstudie. Was für ein Gegensatz zum trashigen POSTAL (
) des deutschen Uwe Boll, der mit gleicher Thematik eher Mitleid weckte, statt einen Eklat oder zumindest einen ordentlichen Lachanfall auszulösen."
Islamistischer Terror kann auch lustig sein - zumindest in der Satire FOUR LIONS (
), die im April in die deutschen Kinos kommen soll. Wenn, ja wenn sich die CSU nicht noch durchsetzt: Die Christsozialen wollen den Streifen angesichts der aktuellen Terrorgefahr nicht zeigen.
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