| Regie | Patricio Guzmán |
| Kinostart | 23.12.2010 |
Mit NOSTALGIE DES LICHTS (
) sah Rochus Wolff ein Essay über unsere Formen, mit Vergangenheit umzugehen. "Es geht in den Gesprächen des Films zu keinem Zeitpunkt um Wiedergutmachung oder Rache, sondern für die Frauen wie Victoria und Violeta – diese Suchenden in der Wüste sind alles Frauen – vor allem darum, die Vergangenheit abschließen und ihre Vermissten wortwörtlich begraben zu können. Unter Pinochet wurden Tausende Menschen umgebracht, und einige der Opfer wurden direkt in der Atacama ermordet, ihre Überreste dann aber zum Teil wieder zu unbekannten Orten fortgebracht. Patricio Guzmán lässt die Frauen von ihrer Suche erzählen, von den Momenten, in denen tatsächlich Knochen und Kleidungsstücke gefunden werden und die damit Erlösung und Verzweiflung zugleich bereithalten."
Daniel Kothenschulte stellt fest: "Nein, nostalgisch, sind die Suchenden in NOSTALGIE DES LICHTS (
) wirklich nicht. Besser übersetzt wäre das spanische Wort mit Sehnsucht. Sie gilt der Vergewisserung der Vergangenheit. Ob die nun Jahrmillionen zurückliegen mag und auf den Ursprung des Alls schließen lässt oder nur Erkenntnisse birgt über das Schicksal der Tausende, die unter Diktator Pinochet spurlos verschwanden und nie wiederkamen."
Reinhard Kleber gibt Hinweise für die Schule. "Anhand des Films lässt sich im Geschichtsunterricht verdeutlichen, wie lateinamerikanische Militärregimes in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihre Macht absicherten, indem sie Oppositionelle systematisch verfolgten und ermordeten. Daran anknüpfend liefert der Film hilfreiche Anstöße, um zu hinterfragen, warum die Verbrechen des chilenischen Militärregimes bis heute nur ansatzweise aufgearbeitet sind. Dies legt Vergleiche zum Umgang mit historischer Schuld in anderen lateinamerikanischen Staaten und der Gedenkkultur in Deutschland in Bezug auf die NS-Diktatur nahe."
Überhaupt ist, könnte Lukas Foerster "einwenden, die Metapher vermutlich nicht der produktivste Modus der filmischen Diktion. Es wird auch nicht ganz klar, ob die Analogie zu einem erkenntnistheoretischen oder doch eher auf esoterischen Mehrwert führen soll; passend zu einigen recht wolkigen Formulierungen schwebt manchmal arg adrett glitzernder Sternenstaub durch die Bilder. Doch das sind kleine Einwände angesichts eines Films, der viel wagt und ein dringliches Anliegen hat. Man sollte NOSTALGIE DES LICHTS (
) vielleicht in erster Linie im Zusammenhang des eindrucksvollen Gesamtwerks Guzmans sehen."
Wolfgang Martin Hamdorf resümmiert: "NOSTALGIE DES LICHTS (
), die Frage nach dem Verhältnis des Menschen zum Kosmos, zur Wiederkehr des Kleinen im Großen, des Mikrokosmos und des Makrokosmos, ist transzendent, ohne metaphysisch zu werden und verbindet über die Topografie der Wüste im Norden Chile die Frage nach unserem Verhältnis zur Vergangenheit und zur Gegenwart, der Unendlichkeit des Weltraums und die Aufarbeitung der jüngeren traumatischen Vergangenheit Chiles. NOSTALGIE DES LICHTS (
) ist ebenso poetisch wie politisch, lebt von seinen beeindruckenden Landschaftsaufnahmen, den faszinierenden Bildern des Weltalls und der Kraft seiner Protagonisten."
"Dass Patricio Guzmán bei dieser durchaus fröhlichen Szene auf Ton verzichtet und die Helden seines Films im Gespräch allein lässt, untermalt nur von einer kleinen, traurigen Melodie - das gehört zu den vielen genialischen Kniffen, die diesen Essay von ählichen und peinlichen Versuchen unterscheiden."
Frank Arnold schreibt: "NOSTALGIE DES LICHTS (
) holt den Zuschauer immer wieder zurück in die Gegenwart und auf den Boden der neueren chilenischen Geschichte. Denn die Atacama-Wüste birgt Spuren der Militärdiktatur, die Überreste von Konzentrationslagern ebenso wie Knochenreste der hier Ermordeten. So steht das Meditative der Landschaftsaufnahmen neben der Anklage der Frauen, die hier immer noch nach den Knochen ihrer Angehörigen suchen, um Abschied nehmen zu können. Ein bewegender Film, gerade in seiner getragenen Erzählweise."
Oliver Heilwagen sah einen "Essay-Film, der seinen Namen verdient: Patricio Guzmán verwebt geschickt Erzählstränge und Motive, fängt betörende Bilder von Wüste und Weltall ein, verknüpft sie zu beeindruckenden visuellen Metaphern und stellt mehr Fragen, als er Antworten parat hat. Trotz des spröden Sujets ist der Film äußerst anschaulich; keine Einstellung wirkt beliebig. So paradox es klingt: So sinnlich kann Vergangenheits-Bewältigung sein."
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