| Regie | Joe Johnston |
| Kinostart | 18.08.2011 |
Die größte Besonderheit des rezeptartig zusammengesetzten Leinwandspektakels CAPTAIN AMERICA (
) ist für Michael Kienzl "das historische Setting: Das Kostüm des Helden stammt aus der Vintage-Abteilung, seine Umgebung ist eine digital rekonstruierte Version der Vergangenheit. Indem die Handlung in den 1940er Jahren angesiedelt ist – erst in der letzten Szene gibt es einen Sprung in die Jetzt-Zeit und einen Cliffhanger zu The Avengers (
) –, drückt sich der Film auch darum, die Bedeutung eines patriotischen Superhelden in der Gegenwart zu hinterfragen. Mit seiner Darstellung von bedingungsloser Vaterlandsliebe und breitbeiniger Kraftmeierei eignet sich CAPTAIN AMERICA heute durchaus als Nostalgieprodukt eines republikanischen Amerikas."
"Es ist schade, dass trotz attraktiver Besetzungsliste einige Figuren recht blass bleiben und der Film somit manchmal fast zum Videospiel auf Autopilot wird. ... Doch mit einer großen Portion Retro-Charme macht CAPTAIN AMERICA (
) seine kleinen Schwächen wieder wett. Einen alten Superhelden mit so einem Hintergrund und so einem Namen heutzutage ins Kino zu bringen, ist zweifellos heikel, die Marvel Studios haben dies aber beachtlich gut gelöst, sodass man prächtig unterhalten und mit Hunger auf THE AVENGERS (
) zurückbleibt."
Michael Föls ist enttäuscht. "CAPTAIN AMERICA (
) ist eine maue Comic-Verfilmung, die auch Fans des Genres gerne auslassen können. Zwar wird routinierte, kurzweilige Unterhaltung geboten, aber alles leider nur auf Sparflamme. Marvel bringt ihren "First Avenger" für den kommenden Comic-All-Star-Clash The Avengers (
) nur mit nötigstem Einsatz in Stellung. Es fehlt an einer guten Geschichte, an Emotionen, an packenden Szenen und einfach an allem was einen besonderen Film ausmacht."
Rochus Wolff stellt fest: "Das wirklich Interessante an CAPTAIN AMERICA (
) sind also die Szenen, in denen nicht gekämpft wird. Auch wenn man hier kein komplexes psychologisches Drama erwarten darf, bekommt man doch ein bisschen ehrlichere Motivation und Emotion geboten als in den meisten Superheldenfilmen (etwa dem in dieser Hinsicht geradezu verhungerten GREEN LANTERN (
), der allerdings wesentlich entschlossener die Schritte in Richtung Trashkino geht)."
Eindimensional nennt Christina Rietz den Film. "Schade, denn in der Wirklichkeit liegen die Dinge meist komplizierter, gerade wenn es um Amerikas Feinde geht."
Trotz dieses allgegenwärtigen Gefühls einer besseren Aufwärmübung kann F.-M. Helmke dem Film seinen ordentlichen Unterhaltungswert nicht absprechen. "Die Herren von Marvel wissen inzwischen ziemlich gut, wie man einen ansprechenden Comic-Film macht, haben mit Joe Johnston auch wieder einen fähigen Regisseur ausgewählt und liefern einen stimmigen und visuell durchweg starken Film ab. So stark, dass selbst die mal wieder nachträglich erfolgte 3D-Konvertierung aus dem Film doch noch ein definitives optisches Plus rausholt, dank konsequent inszenierter Tiefeneffekte."
"Langeweile kommt selten auf, und auch die Action stimmt grösstenteils. Der befürchtete CGI-Flop mit dem Mini-Evans ist im Endeffekt nicht mal so schlecht, jedoch sind die Effekte in den Actionszenen nicht immer auf dem Level, an welches man sich heute bei einen Film dieser Grösse gewohnt ist."
Gaby Tscharner hat sich nicht überzeugen lassen. "Mal abgesehen vom überzeugenden CGI-Effekt, der den Kopf von Chris Evans auf den schmächtigen Körper eines anderen Schauspielers setzt, sind die Spezialeffekte in diesem Film nicht erwähnenswert. Schmidts Alter-Ego "The Red Skull" zum Beispiel sieht aus wie der wütende Jim Carrey in DIE MASKE. Der grösste Schwachpunkt von CAPTAIN AMERICA (
) ist aber seine Story, die für die eingefleischten Comic-Fans und nicht für das breite Publikum geschrieben wurde."
Bernd Zywietz vergleicht CAPTAIN AMERICA (
) mit GREEN LANTERN (
) und schaut generell auf aktuelle Superhelden-Verfilmungen.
"Nazi-U-Boote vor New Yorks Küste, ein ruppiger Tommy Lee Jones, saftige Oneliner und eine souveräne Retro-Ausstattung ergeben kurzweiliges Unterhaltungskino. Die Krönung kommt in Form von Hugo Weaving, der als Wagner hörender Superbösewicht in dieser überdrehten Marvelcomic-Adaption dem Superhelden als Gegenspieler endlich einmal Paroli bieten kann – und den leider sehr blassen Chris Evans ganz locker an die Wand spielt."
"Da Nazis als Feindbild schon total abgenutzt sind – irgendwann wird selbst das langweilig – verzichtet man bei Captain America (
) fast vollständig auf das eigentliche Grundkonzept der Comics. Hitler kommt überhaupt nicht vor, Swastikas sieht man keine und vom normalen Kriegsgeschehen wird auch nichts gezeigt. Captain America (
) gegenüber stehen keine deutschen Armeen, sondern ausschließlich sein quasi ebenbürtiger Gegenspieler Red Skull und dessen vermummte Spezialsoldaten. Man war hier extrem darauf bedacht, Politik und Geschichte so gut es geht außen vor zu lassen, der zweite Weltkrieg ist zwar der Schauplatz des Films, spielt in der Story aber kaum eine Rolle."
Sebastian Moitzheim hatte großen Spaß. "Denn anstatt zu versuchen, die unfreiwillig komischen Aspekte der Figuren zu umgehen oder mehr Tiefe vorzutäuschen, als die Geschichte hergibt, umarmen alle Beteiligten genau diese. Der Patriotismus wird nicht heruntergespielt, sondern in einer großartigen, Musical-ähnlichen Montage auf die Spitze getrieben. Die Darsteller verzichten auf subtile Charakterisierungen und haben sichtlich Spaß daran, ihre Rollen als die Karikaturen, die sie sind, zu verkörpern."
CAPTAIN AMERICA - Offizielle Website (englisch)
CAPTAIN AMERICA - filmmag.de
CAPTAIN AMERICA - imdb.com
CAPTAIN AMERICA - moviepilot.de