| Regie | Massy Tadjedin |
| Kinostart | 30.12.2010 |
Frédéric Jaeger ist über die Schauspieler enttäuscht. "Davon abgesehen kann Keira Knightley dem Vergleich mit Natalie Portman nicht standhalten, von Sam Worthington als Softie sei lieber erst gar nicht die Rede. Die zweite Garde, Eva Mendes und Guillaume Canet, sind wohl die charismatischeren Darsteller, doch sie kriegen nur wenig differenzierte Rollen zu spielen. Sie sollen verführen, auch uns, über die eigenen Werte- und Liebesvorstellungen nachzudenken. Doch was und wie viel davon abhängt, bleibt im lebens- und wirklichkeitsfernen, weil zu jeder Zeit universell-exemplarischen LAST NIGHT (
) offen. Bei einem Brettspiel gibt es schließlich keine Einsätze, das kann man zu jeder Zeit einfach wieder zuklappen."
In LAST NIGHT (
) ist alles schön, aber auch gut. Massy Tadjedinn trödelt nicht in den hübschen Bildern herum, sie beweist Sinn für Dramaturgie, wie Andreas Scheiner. "Die Handlungsstränge sind geschickt gegeneinander montiert, die Spannung steigert sich fast wie im Krimi. Wohlgemerkt: LAST NIGHT (
) ist kein ZEITEN DER AUFRUHR, keine Beziehungsauslotung mit sozialkritischem Überbau. Massy Tadjedinn stellt den Lifestyle ihres Musterehepaars nie zur Disposition; sie hat aus der einfachen Ausgangslage ein stimmiges romantisches Drama entwickelt, an das man sich auch am Morgen danach gerne erinnert."
José García ist enttäuscht. "Die erzählerische Spannung, die anfangs aus der Parallelmontage resultiert, nutzt sich indes zunehmend in dem Maße ab, in dem die Handlung immer vorhersehbarer wird. Dadurch, dass die Protagonisten schlussendlich den konventionellen Weg des geringen Widerstandes beschreiten, verspielt der Film die Chance, sich tiefgründig mit den Gefahren für die Ehe in der heutigen Zeit auseinanderzusetzen."
Frederik König findet Ähnlichkeiten zu anderen Filmemachern. "Massy Tadjedin nutzt wie Jean-Luc Godard das Cinemascope-Format und setzt immer wieder radikale Jump Cuts ein, um den zeitlichen Zwischenraum und das Alltägliche zwar zu zeigen, aber im Zeitraffer zu verkürzen. So zeigt sie, daß Filmgeschichten aus der Konzentration auf das Wesentliche resultieren und unser eigener Alltag manchmal nur so langweilig ist, weil wir keinen Schnittmeister haben, der die Zeit "dazwischen" herausschneidet."
Harald Mühlbeyer schaut auf den Schnitt. "Cutterin Susan E. Morse ist Woody Allen-Veteranin, und sie setzt ihre ganze Kunst ein, um aus den beiden parallelen Handlungen in einer Nacht an verschiedenen Orten etwas Flottes, Interessantes herauszuholen. Nicht nur schneidet sie geschickt von New York nach Philadelphia, von der Nacht zwischen Joanna und Alex zu der zwischen Michael und Laura; auch innerhalb der beiden Stränge gibt es immer wieder ein paar Montageeffekte wie Jump Cuts oder Flash Forwards, die das Geradlinige, Dahinfließende aufbrechen. Was aber auch nicht viel daran ändert, dass der Inhalt im Seichten bleibt."
"LAST NIGHT (
) ist ein wunderbar feinfühliges Drama, eine sensible Beziehungsgeschichte, zum Ende hin fast ein psychisches Kammerspiel, welches all die unausgesprochenen Gefühle und das Chaos der Emotionen anspricht, die zwischen zwei Menschen zustande kommen können. Das ausgefeilte Drehbuch kann durch stets neue kluge Entwicklungen überraschen und den Zuschauer immer mehr in das Spiel um Verführung und Verzicht hineinziehen. Insbesondere das offene Ende der Liebesgeschichte lässt zahlreiche Spekulationen zu, regt zum Nachdenken an und lässt dem jungen Paar alle Möglichkeiten offen."
Luitgard Koch schaut auf eine der Hauptdarstellerinnen. "Der Megastar des internationalen Kinos Keira Knightley bezaubert nach wie vor mit einer Spur Ironie gepaart mit sensibler Verletzlichkeit. Die unangefochtene Königin des Kostümfilms zeigt einmal mehr, dass sie nicht nur in opulenten historischen Roben glänzen kann. Das schauspielerische Talent der aparten Britin offenbart sich selbst in modernen Beziehungsgeschichten wie dieser mit der Dimension eines psychologischen Kammerspiels. Freilich wirkt die grazile 25jährige in manchen Szenen schon arg zerbrechlich. Nach dem Motto "Real Woman have curves" würden ein paar Kilo mehr ihrer anmutigen, femininen Ausstrahlung nur gut tun."
Überblick zum Film auf moviepilot.de