| Regie | Doze Niu |
| Kinostart | 09.12.2010 |
Liebestrunken, von Farben berauscht, dem Untergang geweiht: Nino Klingler sah einen filmischen Fiebertraum des Coming of Age. "So viel Geschmacklosigkeiten, so viele Farben, Geheul, Gelächter: mit einem strengen Blick wird man hier nicht weit kommen. Bei MONGA - GANGS OF TAIPEH (
) geht es nur um Intensität, um das Ausschöpfen aller Möglichkeiten des Kinos, Gefühle festzuhalten und auszuwalzen, zu dehnen und sich dann in sie einzuwickeln. MONGA - GANGS OF TAIPEH (
) ist ein später, fast paradigmatischer Abkömmling der Postmoderne, ein schillerndes Gefüge endlos sich über- und ineinander fügender Oberflächen, Verweise und kleiner Raubzüge durch Stil- und Zeitgeschichten."
Rüdiger Suchsland resümmiert: "MONGA - GANGS OF TAIPEH (
) ist hitziges Intensitätskino, bis zum Ende verdampft der Schweiß. Nicht perfekt, aber vorwärts. Klar: Es kommt zu Raubzügen durch die Kinogeschichte, auch der Film selbst ist ein kleiner schmutziger, frecher Gangster. Und sogar ein Magazin über asiatisches Gay-Kino kommt irgendwie auf seine Kosten."
Oliver Heilwagen resümmiert: "Das grandiose Gangster-Epos enthält, was den Reiz des Genres ausmacht: Männerbündelei und Macho-Posen, Gewalt und Rotlicht-Flitter, opulente Action und Massenszenen. Doch es geht weit darüber hinaus: Der Patriarchalismus in der Unterwelt wird ebenso sentimental beschworen wie unbarmherzig seziert. Als die autoritäre Hackordnung zerbricht, zerfällt das Leben in Monga. Auch ein Gleichnis für die Globalisierung: Damals wurde Taiwan zur Demokratie – und zugleich von Rotchina auf internationalem Parkett rabiat beiseite gefegt. Großes Kino, und ein würdiger Kandidat für den Auslands-Oscar."
Lukas Förster sah einen "Glückstreffer: die Musik ist auch im restlichen Film auf ähnlichem Niveau und alles in allem natürlich affirmativ gemeint. Seinen beschränkten Charme verdankt der Film seiner unbedingten Hingabe an die Klischees der ostasiatischen Pulp Fiction. Aber wirklich gutes Pulp-Kino entwickelt in seiner Form ein Verhältnis zu den Klischees – nicht unbedingt ein kritisches oder subjektives, aber doch irgendeines, irgendeine Form semantischen Widerstands. Im Fall von MONGA - GANGS OF TAIPEH (
) sind die Beschränkungen der Klischees ganz klar die Beschränkungen des Films."
Ciprian David sah "ein Kino der großen, in jede Gasse des Viertels eindringenden Gefühle und Gesten, der unsterblichen Freundschaften und pathetischen Momente, ein Film für Jugend, Masse und Kinokasse. Und doch gelingt es ihm - wie den Filmen, auf welchen er aufbaut - sein Leitmotiv technisch und atmosphärisch mit unglaublicher Präzision zu immortalisieren: Diese fünf Jungs werden erst zu spät erfahren, was eine Gang ausmacht, was sie dort suchen. Und vor allem werden sie nie altern, sie bleiben für immer so wie sie sind: jung, ziellos und wild."
Minette Valnoir ist enttäuscht. "Die "Gangs of Taipeh" stilisiert MONGA - GANGS OF TAIPEH (
) anstelle das organisierte Verbrechen zu demaskieren. Der Ehrenkodex der alten Banden erscheint als moralisch vertretbarer Weg gegenüber der durch neue Waffen symbolisierten gewalttätigen Moderne. Die Tendenz gipfelt in dem pompösen Finale. Ist der überlange Coming-of-Age-Krimi in blutigen Blumenmustern verklungen, sind gleichzeitig die Hoffnungen auf ein anspruchsvolles Drama verwelkt."
Laut Michael Meyns "endet der Konflikt im Blut, in der Realität befürchten nicht wenige Taiwanesen Ähnliches für ihre Insel. Dieser aktuelle Bezug dürfte einiges zum Erfolg von MONGA - GANGS OF TAIPEH (
) in seiner Heimat beigetragen haben, spielt für das deutsche Publikum aber sicherlich eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist da die mitreißende Dynamik der Geschichte, die fast komödiantisch beginnt, voller jugendlichem Aufbruch und Elan und im Laufe der Handlung zunehmend düster und schonungsloser wird."
Überblick zum Film auf moviepilot.de
Helmut Merker stellt fest: "Zuerst dreht sich die Kamera allein um die Kids, dann wird durch hektische Ortswechsel ein Kapitel taiwanischer Geschichte nach dem Ende der Militärdiktatur angerissen. In einem Hexenkessel der Gewalt treffen die Ureinwohner auf die neue Schicht skrupelloser Geschäftsleute, Tradition gegen Technik, Schwert gegen Revolver. Mosquito und seine Freunde bleiben dabei auf der Strecke; zuerst verliert der Film seine Hauptfiguren aus dem Blick, zuletzt gewinnen sie im opernhaften Finale einen großen Abgang. Blutstropfen formen sich zu Kirschblütenmustern."
Nadine Lange lobt die differenzierte Figurenzeichnung. Sie "ist eine große Stärke von MONGA - GANGS OF TAIPEH (
). So viel Gefühl wie hier wird Gangstern im Genrefilm normalerweise selten erlaubt. Regisseur Doze, Niu Chen-Zer zeichnet in seinem zweiten Spielfilm überdies ein sehr lebendiges Bild einer Gesellschaft im Umbruch. Nach dem Ende des Kriegsrechts auf Taiwan drängen Festland-Chinesen in das Geschäft der lokalen Gangsterbosse. Sie bringen Feuerwaffen in die Unterwelt, in der bisher mit Schwertern und Fäusten gekämpft wurde. Auch Mosquito und seine Brüder können sich dem nicht entziehen – und plötzlich haben sie Blut an den Händen."