| Regie | Duncan Jones |
| Kinostart | 02.06.2011 |
Viele philosophische Knabbereien entdeckt Nino Klingler in SOURCE CODE (
). Der Film will aber "unterhalten. Und so wird vieles, was gedanklich fasziniert, auf etwas unterkomplexe Weise verhandelt. Prinzipiell gehorcht alle Handlung recht abgegriffenen Standards: Boy meets girl und last minute rescue. Im Guten wie im Schlechten verfällt SOURCE CODE (
) damit seiner inhärenten Logik des Wiederholungszwangs: Zitat starker Vorläufer und Kopie altbekannter Schwächen. Source Code ist clever, traut sich aber nicht, die (Un-)Tiefen seines Szenarios wirklich auszuschöpfen."
Rebecca Nicklaus entdeckt den Quelltext von SOURCE CODE (
). Der Film "bleibt trotz solider Leistung hinter dem um einiges intensiveren MOON (
) zurück, der mehr Figurentiefe aufweist und länger im Zuschauer nachhallt. Aber es gibt ein Paralleluniversum, das Ja sagt zu SOURCE CODE (
), da der Film eine rasante Fahrt durch Zeit und Realitäten verspricht und dadurch wie jeder Film dieser Art (Christopher Nolans INCEPTION (
) zum Beispiel) den Zuschauer herausfordert, sich der eigenen und der Logik des Films gewahr zu werden und in eine Debatte dazu einzusteigen."
Duncan Jones gelingt laut Sarah Stutte "das Kunststück, die Originale nicht nur richtig zu zitieren, er fügt deren Inhalte auch zu einem gelungenen Ganzen zusammen. Ein Plot Twist jagt hier den nächsten, und auch wenn in Sachen Logik hier und da ein paar Abstriche zu machen sind (woher zum Beispiel wissen die Projektverantwortlichen, dass sich der Attentäter zum Zeitpunkt von Colters Zeitsprung noch im Zug befindet?), bleibt die Handlung spannend – bis zum überraschend anderen, rätselhaften Schluss."
Regisseur Duncan Jones spielt virtuos und spannungsreich mit Zeitreisen. Sein Film ist allerdings ein wenig zu lang geraten und greift einmal zu oft in die Zeitschleifentrickkiste, lobt Markus Keuschnigg.
"Der Makel von SOURCE CODE (
) liegt in seiner völligen Linearität. Die Komplexität und auftretenden Zeitparadoxa, die man von Zeitreisegeschichten eigentlich erwarten würde, fehlen hier völlig. Seine Einfachheit verstärkt zwar die Spannungskurve und intensiviert die eigentliche Handlung, aber im letzten Drittel klafft dadurch ein Loch, das selbst Duncan Jones nicht mehr zu füllen vermochte."
"Die verhältnismäßig überschaubaren Schauplätze hat SOURCE CODE (
) mit Duncan Jones' Spielfilmdebüt MOON (
) gemeinsam. Aber auch die Dramaturgie setzt ebenfalls darauf, Informationen an den Zuschauer in kleinen Schritten zu liefern, was Duncan Jones' Regie mit dem genreüblichen hohen Rhythmus zu vereinbaren weiß. Die Spannung resultiert nicht aus einer Materialschlacht oder aus besonderen Spezialeffekten, sondern aus den ganz vielen Details, die nach und nach enthüllt werden. In der Art, Nervenkitzel hervorzurufen, lehnt sich Duncan Jones offenbar an den Meister des "Suspense" an. Wie Alfred Hitchcock setzt auch er wohldosierten Humor ein, der über die Konstruiertheit des Drehbuchs hinweghilft."
Cornelis Hähnel ist durchaus angetan, hat sich aber nicht ganz überzeugen lassen. "Vor allem auf der dramaturgischen Ebene kann SOURCE CODE (
) überzeugen. In homöopathischen Dosen verabreicht Jones seinem Publikum die Informationen; die Repetition in minimaler, aber sich stets addierender Varianz ist das Grundprinzip des Films. Eben aufgrund der genauen Inszenierung schafft dies nicht das Gefühl der Redundanz, sondern erzeugt Spannung. Das Ergebnis mag massentauglich sein, aber gut gemacht ist es trotzdem. Und ja, MOON (
) war besser."
"SOURCE CODE (
) schafft es zunächst sein Szenario interessant darzulegen und seine Mysterien gut zu verbergen - aber bereits am Anfang wird klar: Es wird verdammt schwer, dass das alles irgendwann logisch kohärent miteinander verknüpft wird. Tatsächlich gelingt dies SOURCE CODE (
) nämlich nie. An allen Ecken klaffen Logiklöcher, die Ausgangslage des Films macht in sich nicht wirklich viel Sinn und hinzu kommt, dass man es noch nicht einmal wirklich schafft für Spannung zu sorgen."
Lukas Foerster zog einen Vergleich mit dem Thriller Déjà Vu. "Beide Filme entwerfen komplexe Modelle der Simulation und der technisch vermittelten Ersatzhandlung, das Hier und Jetzt der Bedrohung - aber auch des politischen Handelns - tritt in den Hintergrund. Diese paranoische Weltflucht treibt Source Code (
) noch ein ganzes Stück weiter als Déjà vu, wo man sich in einer porös gewordenen Realität immerhin noch auf den Körper Denzel Washingtons als ontologischen Anker verlassen konnte."
Neben der überaus warmherzigen und mitreißenden Erzählung offenbart SOURCE CODE (
) für Stefan Höltgen "Selbstreflexivität. Sein Titel verspricht es ja beinahe schon, dass er den Paradigmen der Erzähltechnik auf den Grund geht – bis zurück zu deren Quellcode, der bekanntlich die Basis jeder Software ist und der Maschine, auf der die Software "läuft", am nächsten steht. Der Source Code ist die primäre, immaterielle semantische Einheit, aus der sich die Erzählung entwickelt; sie ist der erste Schritt, um aus dem technischen Dispositiv Film das diskursive Konstrukt Film zu machen. Durch sie wird die Maschine zum Erzähler."
"Das Zeitreise-Element ist eher willkürlich eingesetzt. Begriffe wie "parabolic calculus" oder "time reassignment" sollen die komplexe Wissenschaft dahinter andeuten. Gleichzeitig erklärt Rutledge, dass die Erlebnisse von Colter im Zug lediglich in einer alternativen Realität existieren, die durch den Eingriff aus der Gegenwart nicht verändert werden kann. Das wirft vor allem für das seltsame Ende einige rätselhafte Fragen auf. Fazit: SOURCE CODE (
) ist ein kurzweiliger Thriller, der formal tadellos inszeniert ist und niederschwellig die Denkmuskeln beansprucht."
Überblick zum Film auf moviepilot.de