| Regie | Jens Neubert |
| Kinostart | 23.12.2010 |
DER FREISCHÜTZ (2010) (
) von Jens Neubert bringt zwar die romantische Oper Carl Maria von Webers ins Kino, will aber mehr sein als verfilmte Oper, meint Peter Hagmann. "Überwältigung scheint sich der Film auf die Fahnen geschrieben zu haben, und das gelingt ihm auch: Fast ein wenig benommen findet man am Ende in die Realität zurück. Trotz alledem ist DER FREISCHÜTZ (2010) (
) natürlich ein Opernfilm – der als solcher Licht wie Schatten zeigt. Unter der Leitung von Daniel Harding gestaltet das London Symphony Orchestra seinen Beitrag ganz und gar als Soundtrack: füllig im Ton, schwer in der Diktion, getragen im Langsamen, zugespitzt im Schnellen – als wären wir in den siebziger Jahren, was keineswegs verboten, aber doch Geschmackssache ist."
"In der klassischen Inszenierung vor opulenter Kulisse und mit aufwändiger Ausstattung bleibt das Faustische der Vorlage erhalten. Jens Neuberts DER FREISCHÜTZ (2010) (
) zeichnet sich durch die ambivalente Ausrichtung zwischen dem Teufel und einem Hoffen auf Gott aus, die als Quintessenz der geistigen Welt der deutschen Romantik gelten darf, insbesondere in der berühmten Wolfsschlucht-Szene. Hier zeigt Kaspar, als er allein ist, sein wahres Gesicht: Er hat seine Seele Samiel (dem Teufel) verschrieben im Tausch für die alles treffenden Freikugeln. Wenn er Samiel bis Mitternacht ein anderes Menschenopfer präsentiert, so ist er gerettet."
"Der Opernfan und der Filmliebhaber werden bei der "Hunter’s Bride" gleichermaßen auf ihre Kosten kommen: der eine sieht DER FREISCHÜTZ (2010) (
) mit neuen Augen, der andere bekommt etwas zu hören, was ihm im Kino in dieser Qualität meist versagt wird."
Ein neues Genre, nämlich die Filmoper, hat Jens Neubert indes nicht kreiert, findet Jörg Gerle: "Auf 35mm, an Originalschauplätzen und mit ausgeklügeltem Originalton inszenierte bereits Joseph Losey seinen DON GIOVANNI – und das im Jahr 1979! DER FREISCHÜTZ (2010) (
) ist eine spannende, wenn auch eher konventionelle Inszenierung des Stoffs. Wer als regelmäßiger Operngänger erwartet, überrascht zu werden – wie etwa von der Baden-Badener Robert Wilson-Inszenierung des "Freischütz" mit seinen avantgardistischen Kostümen von Victor & Rolf –, der wird enttäuscht werden. Den Film-"Freischütz" hätte man so sicher auch zu Uraufführungszeiten 1821 gemocht – was nicht das Schlimmste ist."
Claudia Lenssen stellt fest. DER FREISCHÜTZ (2010) (
) "ist vor allem ein Klangerlebnis der perfekten Synchronisation zwischen Spiel und Gesangsaufnahme, die jungen Sänger und Sängerinnen brillieren mit ihren Stimmen, einer gut verständlichen Diktion und Präsenz vor der Kamera. Man muss Opernmusik in Nahaufnahmen mit vielen weißen Zähnen zu genießen wissen, andernfalls ist das abstraktere Modell im Opernhaus attraktiver."
Dieter Oßwald ist durchaus angetan. "Nicht nur Freischütz-Fans dürften bei dieser ungewohnten Variante (die übrigens auf Förder-Freikugeln verzichtete und privat finanziert wurde) auf ihre Kosten kommen. Auch Einsteiger könnten von Pathos und Schönheit begeistert sein. Halali. Da Capo."
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