| Regie | Greg Mottola |
| Kinostart | 14.04.2011 |
Insgesamt ist PAUL (
) laut Jo Bieber "eine gelungene Hommage an die unglaublich kreative Science-Fiction-Welt der vergangenen 4 Dekaden. Der bekloppte Fanboy-Charme, der den unzähligen Bezügen entspringt, ist die Stärke des Films, dadurch stört die Klischeehaftigkeit vieler Darstellungen nicht wirklich. Die Geschichte ist kohärent und schnell genug erzählt, um Lücken zu kompensieren und den lahmen Plot etwas auszugleichen. Wirklich furchtbar ist eigentlich nur der Soundtrack. Anstatt sich, passend zur Zitatfülle des Films, auf alte Science-Fiction Scores zu beziehen, wird der Film standardisiert und konsequent mit kitschiger Musik untermalt, vom Anfang bis zum Moral Ending."
Das Erfolgsduo Simon Pegg und Nick Frost jagt in seinem neuesten Film PAUL (
) zwei Comic-Freaks samt Alien durch die USA und entzündet laut Tim Geyer dabei doch kein Nerd-Feuerwerk. Es gelingt dem Film "nicht, Form und Inhalt zu verbinden. Der Film will Road-, Buddy-, Chase- und Nerdmovie zugleich sein und kann sich nicht entscheiden. Auch deshalb wirkt er am Ende unvollständig. Für den dritten Teil ihrer "Blood and Ice Cream"-Trilogie wollen sich Simon Pegg und Nick Frost wieder mit Edgar Wright zusammentun. Bleibt zu hoffen, dass sie dann zu dem Mut zurückfinden, der ihren bisherigen Filmen ihre kreative Leichtigkeit verliehen hatte."
Nicht völlig überzeugt ist Kathrin Häger und vergleicht den Film mit SHAUN OF THE DEAD. "Im Vergleich zu den torkelnden Untoten kommen in Paul (
) „Running Gags“ wie die Reaktionen auf die liebevolle Männerfreundschaft von Clive und Willy, die sich auch mal ein Doppelbett teilen und ständig unter dem Generalverdacht der Homosexualität stehen, nur schwer ins Laufen. Vielleicht ist das lustig für einen Fan-Kosmos, dessen Kultobjekte in der Regel betont heterosexuell daherkommen, seit „Star Trek“ aber von bestimmten Fan-Gruppen mit einem homoerotisch aufgeladenen Augenzwinkern gegen den Strich gebürstet werden. Für alle anderen aber war Peggs und Frosts narrativ ebenso geklaute, aber visuell und humoristisch einfallsreichere Zombie-Studie lustiger."
Gar nicht überzeugt ist Arne Hübner. "Shaun of the Dead war witzig. Die Steigerung kam in Form von Hot Fuzz – saukomisch plus ein starkes Drehbuch. Und was ist mit Paul (
)? Simon Pegg und Nick Frost (minus Edgar Wright –das merkt man sehr deutlich!) stellen sich einen am Computer zum Leben erweckten Außerirdischen an die Seite und versuchen das Alien-Genre zu persiflieren. Das klappt aber mal so gar nicht."
Auch Rajko Burchardt vergleicht PAUL (
) mit den Vorgängern. "Als launiges Nerd-Ereignis mag PAUL (
) gut funktionieren, als Film ist er eine eher lahme Angelegenheit. Die Witze bewegen sich selten über pubertärem Gaga-Niveau, meist geht es um Titten, Pimmel und Polöcher. Brüche mit den klischeehaften Gags des Nerd-Kinos werden bestenfalls vage angedeutet, lediglich einige treffsichere Schwulenwitzchen können als sanfte Parodie auf die verklemmte Sexualmoral vergleichbarer Buddy-Komödien gelesen werden. Das aber gelang den beiden Hauptdarstellern unter der Regie von Edgar Wright in Shaun of the Dead und Hot Fuzz um einiges pointierter, ganz zu schweigen von den klugen Zerlegungsideen in den Filmen Greg Mottolas."
Lukas Foerster fühlt sich an vergangene Zeiten erinnert. "In seinen besten Momenten - nämlich immer dann, wenn sich der Film ganz auf seine Titelfigur und dessen Interventionen in die in Routine festgefahrene Freundschaft seiner beiden Begleiter konzentriert - ist PAUL (
) zwar völlig unambitioniertes, aber immerhin entspanntes Nerd-Kino. Viel öfter jedoch erinnert der Film darin, wie er mangelnde Inspiration in der offenen Form des Roadmovies zu kaschieren sucht, an die inkonsequenten Buddy-Kiffer-Filme der Achtziger und Neunziger im Gefolge von Cheech & Chong's Up in Smoke."
Gut unterhalten fühlte sich Marco Rauch. "PAUL (
) schließt damit nahtlos an die Reihe der vorigen Frost und Pegg Zusammenarbeiten wie Shaun of the Dead und Hot Fuzz an. Dabei gelingt es ihnen stets aufs Neue, nie das gleiche zu machen oder sich zu wiederholen. Das gilt nicht nur für ihr Schaffen, sondern auch für Paul an sich. Kein Gag wird bis ins unendliche durchgekaut, sondern (meistens) geschickt aufgebaut und die Pointe eingelöst. Nur in ganz seltenen Fällen misslingen sie und der Lacher bleibt aus."
Philipp Bühler erkennt in Paul mehr als nur den rülpsenden Außerirdischen. "In einem ganzen Haufen unreifer Kindmänner ist Paul als einziger keine Witzfigur, sondern ein geradezu klassischer Kinoheld, wie es sie kaum mehr gibt. Aber für solche Projektionen und Wunschbilder sind Außerirdische ja da."
Das ausufernde Roadmovie PAUL (
) ist eine witzige Hommage an die Nerd-Kultur und ihr geliebtes Science-Fiction-Genre, findet Birgit Roschy. "Die Gag-Palette reicht von grobmotorischen Späßen über albernen Slapstick bis hin zu großartigen Pointen. Die beiden unterschiedlichen Humor-Geschwindigkeiten wirken mitunter befremdlich, halten aber einen konstanten Kicherpegel. Die originellen menschlichen Charaktere indes, die ganz geradlinig und unironisch auftreten, weisen über die bloße Parodie und Zitatenhuberei hinaus. PAUL (
) ist eine verspielte E.T.-Komödie für Fortgeschrittene, die sich nicht nur an Sci-Fi-Afficionados adressiert."
Heiko Martens sah mit PAUL (
) "eine Parodie im besten Sinne: Das Genre wird aufgemöbelt, wo es das verdient. Ansonsten wird sich ehrfürchtig verbeugt, wie es sich gehört. Dabei schadet die Amerikanisierung der Inszenierung kaum. Eine so grandiose Exposition wie in Hot Fuzz wird eh kaum zu wiederholen sein. Wo die filmische Kreativität eher beim Bewährten bleibt, rettet das Skript, das dieses Mal von Simon Pegg und Nick Frost verfaßt wurde, über den Durchschnitt."
"Trotz der Kritikpunkte ist PAUL (
) eine immer wieder lustige, unterhaltsame Komödie, die so gut es geht zwischen Mainstream-Hau-drauf-Humor und Sci-Fi-Hommage von, über und für Nerds balanciert. Viel zu meckern gibt es, wenn man den Film an SHAUN OF THE DEAD und HOT FUZZ - ZWEI ABGEWICHSTE PROFIS (
) misst. Doch das soll man ja eben nicht, denn das gehört gar nicht zusammen, auch wenn es so aussieht. Mit PAUL (
) zeigen Simon Pegg und Nick Frost, was sie im Alleingang drauf haben, gleichen zeitweilige Vorhersehbarkeit mit ein, zwei Überraschungen aus und lassen bei ihrem hin und wieder schwächelnden Konstrukt letzten Endes die Sympathie siegen. Eine Begegnung der spaßigen Art."
Durch die "liebevollen Verweise bezeugen Frost und Pegg dem Genre ihren Respekt und dekonstruieren aber gleichzeitig die gängigen Motive. Für Grame und Clive sieht Paul zum Beispiel viel zu offensichtlich wie ein Alien aus, was natürlich darauf zurückzuführen ist, das Paul eben als Vorbild für alle Abbildungen von Aliens diente. Durch die zahlreichen kuriosen Einfälle schweifen Simon Pegg und Nick Frost letzlich doch etwas zu oft von der wesentlichen Geschichte ab. Insgesamt ist PAUL (
) nämlich ordentlich überladen."
PAUL funktioniert, trotz aller Schwächen, findet Sebastian Moitzheim. "Nicht nur wegen der wie immer großen Menge an Referenzen (die diesmal aufgrund des Mainstream-Appeals meist weniger obskur ausfallen), sondern vor allem wegen der interessanten, witzigen und doch - meist - glaubhaften Nebencharaktere. So wenig bedrohlich Hader und Lo Truglio wirken, so unterhaltsam sind sie. Sie harmonieren ähnlich gut wie Simon Pegg und Nick Frost und sind mit ihrem Bedürfnis, nicht im Schatten von Jason Batemans Figur zu stehen erzählerisch fast spannender als die Hauptfiguren. Highlight ist allerdings Kristen Wiig."
"So wird aus PAUL (
) als Road-Science-Fiction-Komödie dann zuallererst ein Buddymovie zu zweit/dritt/viert, in dem selbst die Romanze der bisher weitgehend ungeküssten Graeme und Ruth die Harmonie der Gruppe nicht wirklich stören kann; und zugleich ist es eine Alien-Geschichte in der Alien-Geschichte: Graeme und Clive sind nämlich in den USA spürbar fremd, die da wie eine Ansammlung der übelsten Vorurteile über Amerikaner_innen vorüberzieht: gewaltbereite Waffennarren, religiöse Fanatiker, homophobe Kleinstädter_innen."
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