| Regie | Carlos Saldanha |
| Kinostart | 07.04.2011 |
Das Animationsfilm RIO (
) ist laut, bunt, direkt – und ein bisschen leer, findet Nino Klingler. Als Kinderfilm funktioniert er "mit seiner groben Art sicherlich nicht schlecht. Denn was hier vielleicht zotig klingen mag, ist im Film natürlich mit einer knuddeligen Hülle versehen. Mimik und Bewegungsanimationen sind herrlich, allen voran Blus virtuose Bodenakrobatik. Eleganter kann ein Vogel nicht nicht-fliegen. Der Soundtrack zwischen Samba, Rap und Bossa Nova pumpt ordentlich, und bei den Bildern haben die normalerweise auf verschiedene Schnee- und Eistöne beschränkten Animatoren tief in den Farbtopf gegriffen: Gerade die penibel rekonstruierten Federkleider der Vögel sind fantastisch anzusehen, und insgesamt ist RIO (
) optisch auf eine angenehme Weise grell. Aber unter der knalligen Hülle ergraut das alte Rezept."
Rebecca Nicklaus entdeckt das Pädagogische. "Zusammen mit Linda und Blu lernt das Publikum, dass es sich lohnt, seiner Lebensangst entgegenzuwirken und das Wagnis einer Entdeckungstour auf sich zu nehmen, weil dadurch Reichtum entsteht. Blus Unvermögen zu fliegen, steht im Grunde symbolisch für sein inneres Unvermögen, sich fallen zu lassen, der Welt und deren Angeboten zu vertrauen. In RIO (
) geht es um die Notwendigkeit von einem Bund zwischen Kopf und Herz, hier verkörpert von Blu und Jewel. Beide lernen, dass Blau und Blau nicht nur Blau ergibt, sondern ein buntes Feuerwerk. Trotz der Moral in der Geschichte, ist dieser Film eher etwas fürs Herz und weniger für den Kopf. Der Spaß für die gesamte Familie ist dabei garantiert."
Philipp Bühler fühlte sich gut unterhalten und lobt den 3D-Effekt. "Originalitätspreise wird RIO (
) nicht gewinnen. Aber dieser Aufruf zur Lebensfreude macht den 3D-Animationsfilm in einer immer länger werdenden Reihe ästhetisch und personell austauschbarer Qualitätsmassenware doch sehr sympathisch. Seine Hauptattraktion ist zwar die Stadt am Zuckerhut, die hier mit fotogenauer Detailfreude und natürlich aus der Vogelperspektive all ihre Schönheiten offenbaren darf. Dafür wurde 3D erfunden."
Hier wäre mehr drin gewesen meint Michael Föls."Im ersten Drittel ist Rio (
) ein auf ganzer Linie gelungener Animationsfilm mit Pixartouch, der Humor und Emotionen wunderbar vereint. Die beiden anderen Drittel haben diese Qualitäten nicht mehr, sorgen aber für solide Unterhaltung. Zwar bremsen manche Musiknummern den Film eher als dass sie ihm nützen würden und auch manche Gags zünden nicht richtig, aber dennoch sorgen das hohe Tempo, die gelungenen Schauwerte und der Witz des Films für einen unterhaltsamen Kinoabend. "
Christian Buß sah ein prall inszeniertes Paarungs- und Überlebensdrama. Der Regisseur inszeniert RIO (
) "im strammen Samba-Getrommel von Carlinhos Brown und Sergio Mendes als 3-D-Wunderland, in dem hinter jedem bunten Vogelschopf eine tödliche Gefahr lauert. Dass dieses durchrhythmisierte Lebens- und Überlebensspektakel in der deutschen Synchronisation zum Teil ausgerechnet von Roberto Blanco gesprochen und gesungen wird - geschenkt. ... Im darwinistischen Tumult von Rios Tierwelt, im amourösen Annäherungsprozess zwischen Käfighocker Blu und Wildfang Jewel erstrahlt die Welt in ihrer ganzen Pracht und Niedertracht: Lieb mich oder friss mich!"
So schnell geht es mitten durch die Beine der Tänzer hindurch und über die Köpfe voller Federschmuck hinweg, dass Kathrin Häger "fast die Luft wegbleibt. Bei so viel visuellem Einfallsreichtum fällt dann kaum auf, wie RIO (
) die zunächst thematisierte Armut eines verwaisten Nachwuchs-Vogeldiebs aus den Favelas, der sein Gewissen und sein gutes Herz wieder entdeckt, einfach fallen lässt. Letztendlich bleibt RIO (
), obwohl oder gerade weil an keine reale Kamera gebunden, an der glitzernden Oberfläche seiner Bilder kleben. Als Augenschmaus mit Zwerchfellangriff, der mit seinen Songs und Tänzen auch die Füße mitwippen lässt, funktioniert der Film dennoch als Ganzkörpererfahrung im Kinosessel – und das ist schließlich das, was jeder bei der Nennung Rios erwartet."
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