| Regie | Joann Sfar |
| Kinostart | 14.10.2010 |
Rochus Wolff entdeckt "die größte Schwäche des Films: dass er bei aller Darstellung von Gainsbourgs Zerrissenheit und seiner Einsamkeit, die man hier ahnen kann, der Figur doch keine wirkliche Tiefe abgewinnen kann. Stattdessen wird aus seinem Leben unversehens, in Absturz, Aufstieg, Einsamkeit, Comeback und ewiger Kindlichkeit, doch nur eine allzu archetypische Erzählung vom Künstler, ach was, Rockstar in der Popkultur unserer Zeit."
Vielleicht gehört ein Zug des Insiderhaften dazu, meint Ulrich Kriest, "wenn man sich einem ohnehin schon als Mythos inszenierten Leben mit dem Anspruch nähert, von einem "vie héroïque" erzählen zu wollen. Wer kein konventionelles, zum gelingenden Bildungsroman stilisiertes Biopic erwartet, keine kritische Dekonstruktion eines Mythos, und sich zudem etwas in die Materie eingearbeitet hat, der wird von der bisweilen etwas kunstgewerblich geratenen Hommage an einen genialischen Außenseiter gewiss nicht gelangweilt werden. Was bei eine derart schillernden Gegenstand wie Serge Gainsbourg aber ohnehin einem Wunder gleichkäme."
Bettina Spoerri hat etwas mehr erwartet. "Doch trotz Eric Elmosninos intensiver Darstellung der erwachsenen Titelfigur wird diese eigenwillige Interpretation der komplexen, bitteren Tragik des Stars zu wenig gerecht – zu monokausal begründet bleiben die Verkörperungen seiner seelischen Ängste, zu plakativ und deshalb selten wirklich berührend seine Verzweiflungsexzesse."
Mit den Liedern kommen laut Michael Meyns "auch die Frauen, wobei im Film zwar auch France Gall, Juliette Greco und andere kurz auftreten, der Fokus aber auf Gainsbourgs Beziehungen zu Brigitte Bardot und Jane Birkin liegt. Zwangsläufig greift Joann Sfar hier auf das typische Muster eines biographischen Films zurück, hakt wichtige Stationen im Leben Serge Gainsbourgs ab. Nicht jede Episode ist dabei gleichermaßen interessant, doch Joann Sfar inszeniert so unbekümmert und vor allem ohne Gainsbourg auf ein Podest zu erheben, dass die Faszination mit diesem heroischen Leben stets erhalten bleibt. Nicht zuletzt dank des exzellenten Hauptdarstellers Eric Elmosnino."
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Hans Jürg Zinsli sah künstlerischen Eigensinn gepaart mit inszenatorischer Eigenwilligkeit. "Dass im Film jede zeitliche Orientierungshilfe fehlt und zwischen zwei Szenen mal Sekunden, mal Jahre liegen, erschwert das Verständnis beträchtlich. Gainsbourgs Alterseskapaden fehlen fast völlig. Und just das grösste Wagnis des Films – die lebensgrossen Comicpappkameraden – verkehrt sich zum grössten Ärgernis ... Wenn Gainsbourgs Alter Ego "La Geule" mit riesigen Extremitäten fürs Abgründige im Künstler herhalten muss, sind wir im Bereich der Küchenpsychologie."
"Der Komponist Olivier Daviaud hat Songs von Serge Gainsbourg neu interpretiert und mit eigener und fremder Musik angereichert. Der Soundtrack begleitet den Film, umschmiegt ihn, drängt sich manchmal in den Mittelpunkt und bewegt sich entsprechend Gainsbourgs musikalischer und persönlicher Entwicklung von klassischem Chanson immer mehr in Richtung Glamour und Rockmusik."
Nicky Schaefer schaut auf das Alter Ego. "In ihm ist die diabolische, selbstzerstörerische Seite Gainsbourgs destilliert; ein Schatten, den Gainsbourg sein ganzes Leben lang begleitet hat. Nicht nur Doug Jones ist dabei natürlich eine Idealbesetzung, auch Eric Elmosnino als erwachsener Gainsbourg, Kacey Mottet Klein als kleiner Lucien, Anna Mouglalis als Juliette Gréco, Laetitia Casta als Brigitte Bardot und viele andere – jede Rolle ist absolut perfekt besetzt."