| Regie | Tony Goldwyn |
| Kinostart | 17.03.2011 |
Sascha Keilholz ist enttäuscht. "Vielleicht wäre die inszenatorische Fantasielosigkeit nicht derart ins Gewicht gefallen, hätte Tony Goldwyn seine eigentlich erste Wahl für die männliche Hauptrolle, Philip Seymour Hoffman, bekommen. Doch im fertigen Film schlakst sich Charmebolzen Sam Rockwell durch die Handlung. Was zwei Jahrzehnte Knast mit seiner Figur machen, vermag er nicht darzustellen. Älter geworden jedenfalls ist er, das legen von der Maskenbildnerin lieblos arrangierte Falten nahe."
Christoph Huber beleuchtet die Hintergründe des Films.
"Angesichts der Tatsachen und der mitreißenden Darstellung vor allem von Hilary Swank, kann sich Michael Meyns "der Emotionalität dieses Films kaum entziehen. Auch wenn Regisseur Tony Goldwan seine Herkunft vom Fernsehen nicht kaschieren kann, die Inszenierung eher hölzern und banal ist: BETTY ANNE WATERS (
) ist klassisches amerikanisches Underdog-Kino, in dem das unbeirrbare Individuum nach langem Kampf gegen das statische System siegt."
Alexandra Seitz bilanziert: "Es ist eine Geschichte, wie Hollywood sie lieben muss. Sich den zugehörigen Film vorzustellen, fällt nicht schwer: Augenrollen, Händeringen, Tränenfluss, dazu Armeen von Geigen, eimerweise Pathos und großzügige Portionen von Zuckerguss und Schmalz. Erhebend gemeint, aber nicht zum Anschauen. Bedenkt man also, was aus diesem Stoff Schreckliches hätte werden können, dann ist BETTY ANNE WATERS (
), der unter der Regie von Tony Goldwyn nach einem Drehbuch von Pamela Gray entstand, geradezu nüchtern und bescheiden zu nennen."
Was den Film rettet, sind laut Catharina Steiner "die durchwegs guten Darstellerleistungen. Hilary Swank überzeugt in ihrer Paraderolle als Underdog aus der Wohnwagensiedlung, und der stets unterschätzte Sam Rockwell zeigt die ganze Bandbreite seines Könnens. Melissa Leo, die gerade einen Nebenrollen-Oscar für THE FIGHTER (
) eingefahren hat, brilliert in einer viel zu kleinen Rolle als manipulative Kleinstadt-Polizistin, deren eigennützige Motive einen Mensch zwei Jahrzehnte seines Lebens gekostet haben. Ihre Geschichte wäre vermutlich auch die interessantere gewesen."
"Nach Million Dollar Baby beweist Hilary Swank einmal mehr, dass sie eindrucksvolle, charakterstarke Frauenrollen übernehmen kann. Auch wenn manche Wendung des Films vorhersehbar ist und einiges straffer hätte inszeniert werden können, ist BETTY ANNE WATERS (
) ein konventioneller, aber durchaus auch packender Justizthriller geworden, der einmal mehr die Stärke und Entscheidungskraft eines Rechtssystems in Frage stellt."
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