| Regie | Kelly Reichardt |
| Kinostart | 10.11.2011 |
Michael Kienzl möchte MEEK´S CUTOFF (
) von Kelly Reichert als Rache für die stereotype Darstellung von Indianern im Western interpretieren. "Schon der Sprachunterschied zwischen den Siedlern und ihrer Geisel, deren Monologe ganz bewusst nicht untertitelt werden, machen jede Form von Kommunikation unmöglich. Wenn sich die Machtverhältnisse dann zunehmend verschieben, sind Zuschauer und Siedler dem Indianer gleichermaßen ausgeliefert. Wohin die Reise führt, weiß letztlich nur er."
"Ein feministischer Western durch und durch", stellt Thomas Groh fest. "Reichardt erzählt dieses Drama hypnotisch spröde und minutiös - jedes Bild bekommt seine Zeit, die Spannung wird sorgsam aufgebaut, bis sie sich in einer drastischen Geste der Ermächtigung einerseits, in einem antiklimaktischen Ausklang andererseits auflöst. Wenn es ihn bis dahin nicht gegeben hat, dann gibt es ihn jetzt: Ein feministischer Western, durch und durch."
MEEK´S CUTOFF (
) bietet laut Denis Sasse "einen erfrischend fremden Blick auf eine Zeit, in der die amerikanische Zivilisation noch am Anfang stand. Mit Michelle Williams – demnächst als Marylin Monroe auf der Leinwand zu sehen – kann ein Filmemacher nicht so viel falsch machen. In jede Rolle legt sie all ihr schauspielerisches Können. Kaum merklich als Darstellerin auszumachen, lebt sie die Rollen die sie verkörpert. So auch in MEET´S CUTOFF, wo sie Bruce Greenwood als Stephen Meek zum Nebendarsteller degradiert."
Björn Lahrmann stellt Vergleiche an. "Bruce Greenwood spielt den großspurigen Trapper, den es um 1850 tatsächlich gegeben hat, als indiekompatible Schwundstufe zu Jeff Bridges' Cartoon-Westerner aus TRUE GRIT (
): markig-melancholisch. Ziemlich ähnliche Landstriche werden hier wie dort durchquert, karge Hügelketten mit dem okkasionellen Fluss dazwischen, wer weiß, ob sich die Coens und Kelly Reichardt beim Dreh nicht gar über den Weg geritten sind. Die Filme freilich sind grundverschieden, statt schwarzer Lakonie wird wohlkalibrierter Ernst gepflegt, statt dem in Hollywood grassierenden Blaustich dominieren Sand- und Aschfarben."
Asokan Nirmalarajah sah Klischees. "Wie der ungelenke Handlungsstrang um den seltsamen Indianer, der sich den planlosen Migranten anschließt und bald ihre Führung übernimmt, ist der klassische Geschlechterkonflikt doch recht klischeebehaftet, ungeachtet der sehr behutsamen Inszenierung und der soliden Darstellerleistungen. Die Genrekonventionen des Western werden so weniger dekonstruiert als bestärkt: Obwohl man zur Identifikation mit den marginalisierten Frauen angeregt wird, die bei den Zusammenkünften der Männer stets abseits stehen müssen, ist die souveräne Heldin der Geschichte trotz Michelle Williams ebensowenig interessant wie der hyperviril auftretende Fremdenführer."
Michael Föls war sehr angetan. "Meek´s Cutoff (
) ist ein ganz spezieller Western, der sich völlig von den meisten Genrevertretern unterscheidet. Kelly Reichardt lässt die Filmgeschichte hinter sich und lotet stattdessen die amerikanische Geschichte aus. Ihre realistischer und dramatisch reduzierter Ansatz sorgt für eine ganz eigenwillige Atmosphäre."
Jan Schulz-Ojala schreibt: "In dem wohl ungewöhnlichsten Showdown der Westerngeschichte spielt dann aber nicht der Cowboy, nicht der Indio, sondern die Frau eines Siedlers (Michelle Williams) die entscheidende Rolle. MEEK´S CUTOFF (
) ist ein feiner postfeministischer Western – und ebenfalls plötzlich nur eine Fußnote des Festivals."
Susanne Ostwald ist durchaus angetan. "Entscheidend ist der Einfluss der Frauen auf ihre Männer, denn sie sind es, die ein überlebenswichtiges, bestürzend opportunistisches Verhalten zeigen. "Ich helfe ihm, damit er sich daran erinnert, dass ich ihm einmal einen Gefallen getan habe", sagt eine der Frauen, als sie dem Indianer den Schuh flickt. Sparsam inszeniert, reduziert der brillante Film sein Thema auf eine existenzielle moralische Frage und gewinnt dadurch an erzählerischer und ethischer Kraft. Ein valabler Kandidat für eine Auszeichnung."
Isabella Reicher ist beeindruckt. "MEEK´S CUTOFF (
), den Planwagen, rote Männerunterwäsche oder (ein) Indianer eindeutig als Western ausweisen, erkundet nun auf beeindruckend konzentrierte Weise die historischen Vorbedingungen für diese Bewegungen. Das Ensemble, dem unter anderem Michelle Williams, Shirley Henderson, Paul Dano und Will Patton angehören, agiert in ruhigster Ernsthaftigkeit und Zurückhaltung und stellt einen materialistischen Entwurf des Pionieralltags her, der bald auf den Kernkonflikt der Landnahme durch weiße Siedler zusteuert."
Felicia Kleiner vergleicht den Western. "Wie John Fords Western lebt auch Kelly Reichardts Film von der sich verschärfenden Spannung innerhalb der Gruppe (an forderster Front: Michelle Williams, mit der die Regisseurin bereits in WENDY AND LUCY gearbeitet hat), andererseits von der Spannung zwischen den Menschen und der Landschaft. Diese wird von Kameramann Chris Blauvelt in wundervollen Bildern eingefangen wird, die immer wieder ins Geisterhafte driften. Ein weiteres Beispiel dafür, dass der Western zu einem der interessantesten Genre-Felder amerikanischer "auteurs" geworden ist."
MEEK´S CUTOFF - Offizielle Website (englisch)
MEEK´S CUTOFF - filmmag.de
MEEK´S CUTOFF - moviepilot.de