| Regie | Darren Aronofsky |
| Kinostart | 20.01.2011 |
BLACK SWAN (
) zu einem Meisterwerk hoher Filmkunst zu verklären wird ihm laut Till Kadritzke "ebensowenig gerecht wie das auftrumpfende Insistieren auf seinen unstrittigen Schwächen. War Darren Aronofskys mehr als gesundes Selbstbewusstsein in THE FOUNTAIN (2006) noch zur Selbstüberschätzung eskaliert, ist es mit BLACK SWAN (
) in die richtige Bahn gelenkt worden. Hat der Regisseur damals noch vergeblich die Perfektion gesucht, ist ihm jetzt ein zwar überambitionierter, aber leidenschaftlicher Film gelungen, der zum Hin- und Wegschauen verleiten, für abschätziges Stöhnen wie für offene Münder sorgen wird. Für einen Platz in der Filmgeschichte ist das vielleicht zu wenig, eine Würdigung als ein so absurdes wie aufregendes Stück Kino hat BLACK SWAN (
) aber allemal verdient. Ein wunderbar altmodischer, zugleich erfrischend kompromissloser Film, der mitten in die Eingeweide trifft."
BLACK SWAN (
) ist für Christian Alt ein absolut aufregender Film – und das im ursprünglichen Wortsinn. "Die radikale Offenlegung des Inneren der Protagonistin macht ihn zum interessantesten des gerade erst begonnenen Kinojahres, auch wenn der Körperhorror nicht jedermanns Sache ist. Gerade Natalie Portman liefert in Black Swan eine ihrer besten Leistungen ihrer Karriere ab – sie trägt den gesamten Film und dürfte dafür auch bei der anstehenden Award-Season gebührend gefeiert werden."
Körper in ekstatischer Bewegung haben es Darren Aronofsky angetan, schreibt Thomas Groh. "Was sich vorderhand als nuancierter psychologischer Thriller verkleidet, entpuppt sich im Laufe des Films als dunkler Schwan der Schauer-Kulturgeschichte mit großer Lust an lauten Fanfaren: Kein U-Bahn-Fenster lässt Darren Aronofsky ungenutzt verstreichen, um nicht noch ein Doppelgängermotiv im Bild unterzubringen, selbst der Regisseur der Aufführung heißt "Zwilling" mit Namen, auch die böse Hexenmutter fehlt nicht: Mit dickem Pinselstrichen erzählt BLACK SWAN (
) ein Gruselmärchen, das nur umso effektiver wird, je unbekümmerter es Subtilitäten weit hinter sich lässt."
Dieser Ballettfilm führt über Blut, Schweiß und Tränen zum Höhepunkt der Tanzfilmwelle, meint Daniel Kothenschulte. "Es ist wahr - all diese bewährten Psycho-Versatzstücke kamen nur notdürftig abgestaubt aus dem Hitchcock’schen Fundus. Aber wie Natalie Portman alle Facetten unterdrückter Lust hervorzaubert, dabei binnen weniger Taktschläge zwischen Schönheit und Schrecken changiert, das ist faszinierend bis zum letzten Augenblick. Nicht nur der Klassiker "Schwanensee" ist auferstanden. A star is re-born."
Oliver Heilwagen ist begeistert. BLACK SWAN (
) "lebt von seiner perfekten Besetzung: Den Hauptdarstellern sind ihre Rollen wie aufs Trikot geschneidert. Natalie Portman glänzt als verdruckste und von Ehrgeiz zerfressene Tanzmaus, die kein Glück außer dem Premieren-Beifall kennt. Vincent Cassel fasziniert als skrupelloser Ballett-Direktor, der für einen gelungenen Pas de deux auch unter die Gürtellinie geht. Mila Kunis hat als Lily das nötige Quantum Sex Appeal, ohne den Tanz eine fade Turnübung wäre."
Laut Daniela Sannwald erfüllt BLACK SWAN (
) "viele Bedingungen des Tanzfilms: Figuren, Handlungsmotive und Dramaturgie entsprechen den Standards ... [Aber] bleibt Nina in den Tanzszenen eine Dame ohne Unterleib – was wiederum dem Vorwurf des Ballettmeisters entspricht, sie habe keinen Sex und keinen Sex-Appeal. Zum Ausgleich hat sich Darren Aronofsky andere Attraktionen ausgedacht: gealbträumte und tatsächliche Bedrohungen, Erotik zwischen Frauen, Splatterszenen, Spiegelkabinette, spektakuläre körperliche Symptome. Das ist effektvoll, teils auch überraschend, aber kein Ersatz für den fehlenden Tanz."
Simone Meier sah einen äusserst melancholischen Abgesang auf die alte Welt des klassischen Balletts, die nie eine amerikanische war. "Die sowieso schon perfektionistische Natalie Portman – sie beherrscht Hebräisch, Deutsch, Französisch, Japanisch und Arabisch, hat einen Harvard-Abschluss in Psychologie – hat für BLACK SWAN (
) den Begriff des "Method Acting", des "ich bin, was ich spiele", sehr ernst genommen. Sie verlor zehn Kilo und trainierte ein Jahr lang täglich, bis sie technisch und optisch auf dem nicht gerade virtuosen, aber sehr soliden und absolut ansehnlichen Stand einer professionellen Tänzerin war."
Sascha Ormanns ist zwischenzeitlich verwirrt im Kinosessel erstarrt, "ob der angsteinflößenden Untersichten, der extremen Close Ups, der pittoresk choreographierten und fotographierten Ballettänze, oder der erstaunlichen und beeindruckenden Spiegelbilder. Diese experimentierfreudige Visualisierung wird von der Tonebene noch verstärkt, dem virtuosen Komponisten Clint Mansell gelingt es wieder blendend, den Film noch intensiver und bedrückender wirken zu lassen: etwa wenn Tschaikowskis neu arrangierter "Schwanensee" sowie das typische Wabern und Krachen von der Tonspur dröhnen."
"BLACK SWAN (
) zelebriert den Paranoia-Thriller in Tradition von Roman Polanski – allerdings ohne wirkliche Aufklärung – wärmt das Thema des menschlichen Wahnsinns irgendwo zwischen ALLES ÜBER EVA, SHINING, FIGHT CLUB und DIE FLIEGE mit einigen Horrorelementen nochmal auf und will dabei auch noch richtig sexy sein, ist in entsprechenden Momenten aber oft mehr lachhaft als erotisch. Der Film ist etwas Vertrautes und doch sehr Eigenes; seine Schwäche liegt wohl in seiner Zügellosigkeit. Lieber konsequent schlicht bleiben und dafür eine richtige Geschichte erzählen, wie eben die des gefallenen Wrestlers."
Harald Mühlbeyer lobt den Regisseur. "Seine emotionalisierende, spannende, verstörende und packende Handlung erzählt er in mehreren Ebenen, kleine Irritationsmomente wachsen sich zu phantastisch anmutendem Psychohorror aus, die Darsteller bringen Höchstleistungen, jedes Detail ist stimmig, alltäglich und zugleich hochsymbolisch, die handwerkliche Arbeit im Ballett wird fast dokumentarisch eingefangen und zugleich metaphysisch transzendiert, Wahrhaftigkeit und Glaubhaftigkeit gehen einher mit dem Auflösen von Körperlichkeit, Realität, psychischer und mentaler Leistung. Schritt für Schritt begleitet Darren Aronofsky Nina auf dem Weg zur Vervollkommnung ihres künstlerischen Ichs; und er geleitet den Zuschauer Schritt für Schritt hinein in ihre Psyche."
"BLACK SWAN (
) ist das nächste Meisterwerk des großartigen Darren Aronofsky. Der Film blickt tief in die menschliche Psyche und besticht durch hypnotiserende Ästhetik und starke Darsteller. Natalie Portman ist schlicht ein Ereignis und liefert die ultimative Darstellerleistung des Kinojahres. Natürlich bleibt Darren Aronofsky seinem Stil treu und setzt eher auf große Gesten, als auf leise Zwischentöne. Für alle die mit dem Oeuvre des Regisseur etwas anfangen können wird Black Swan aber garantiert zu einem großen Ereignis. Man kann es auch knapp formulieren: BLACK SWAN (
) ist einer der besten Filme des Jahres."
Darren Aronofsky hat mit BLACK SWAN (
) einen starken, intensiven Psychothriller gedreht, der wie schon THE WRESTLER (
) eine wenig überraschende Geschichte vor einem unverbrauchten Hintergrund erzählt, lobt Sebastian Moitzheim. "Viel wichtiger noch: Er hat erneut eine der spannendsten, rundesten Figuren, die das Kino in diesem Jahr zu bieten hat, geschaffen, die an sich schon interessant genug ist, die Überraschungsarmut vergessen zu machen. Wie seine Hauptfigur ist BLACK SWAN (
) teilweise etwas anstrengend und oft befremdlich, aber immer faszinierend und eigenständig und allein deshalb ein Highlight des Kinojahres."
Susanne Ostwald stellt fest: "Tatsächlich kann man die Filme als komplementäre Studie über Trash auf der einen und Hochkultur auf der anderen Seite sehen, und doch ist BLACK SWAN (
) weit mehr als ein Film über das harte Ballett-Business. Seit Roman Polanskis EKEL (1965) hat man wohl keine so dichte und beklemmende Studie einer von Ängsten in die Psychose getriebenen jungen Frau gesehen."
Rüdiger Suchsland hat den "Eindruck, Natalie Portman sei die Einzige, die in der Lage ist, sich in ihren Rollen als ein Gegenentwurf zu Angelina Jolie zu inszenieren. Wo Angelina Jolie die Unverwundbarkeit feiert, (das Wiederaufstehen, die Unsterblichkeit des Stars) feiert Natalie Portman die Verwundbarkeit, den Tod, die Sterblichkeit des Stars. Natalie Portman als Kind war trotz allem besser als als Frau. Je älter sie wird, umso mehr sieht Natalie Portman aus, wie ein Ex-Star von der East Coast, der bald einen Wall-Street-Banker heiraten wird."
Für Florian Keller wirkt BLACK SWAN (
) "in mancher Hinsicht wie die unheimliche Zwillingsschwester von THE WRESTLER (
). Die Ironie dabei: Der Ballettfilm ist in jeder Beziehung das brutalere Drama. ... entwirft hier das Psychogramm einer Frau, deren Selbstdisziplin zur Besessenheit wird. In ihrem Narzissmus und ihrer Angst vor der Lust gleitet sie allmählich in einen Albtraum ab, der ganz und gar hausgemacht ist. Vergleiche mit EKEL sind durchaus berechtigt: BLACK SWAN (
), das ist der Ballett-Thriller, den Roman Polanski nie gedreht hat. Der ganze Film ist gebaut wie ein Spiegelkabinett, in dem sich Nina umso mehr verliert, je stärker sie sich mit ihrer Doppelrolle im «Schwanensee» identifiziert."
Christoph Huber hat sich nicht ganz überzeugen lassen. "Ob BLACK SWAN (
), wie vorab kolportiert, wieder ein Oscar-Kandidat ist, darf bezweifelt werden. Denn trotz des respektablen Hochkulturanstrichs ist der Film im Herzen ein trashiger Sex-Schocker: Konkurrentin Mila Kunis bringt zwar etwas Leben ins Spiel, als sie der Heldin bald in jeder Hinsicht zu nahe kommt, aber Darren Aronovskys Interesse gilt vor allem seinen künstlichen Effekten, die dem manichäischen Bedeutungsgefuchtel Nachdruck verleihen sollen."
Cristina Nord sah Schwarzweißmalerie im Wortsinn. "Schön ist dieser Hang zum Groben, wo BLACK SWAN (
) zu unerwarteten Lösungen findet - etwa wenn Darren Aronofsky eine sexuelle Fantasie seiner Heldin zunächst recht realistisch filmt, dann aber, in dem Maße, wie Ninas Erregung steigt, ihre Haut zur pickeligen Haut eines gerupften Vogels mutieren lässt. Irgendwann freilich weiß man nicht mehr so recht, wie lange man die stets jammernde Heldin denn noch aushalten soll. Je weiter BLACK SWAN (
) voranschreitet, desto mehr gleicht die Hauptfigur einem gehetzten Hühnchen und desto größer wird der Wunsch, ihr mit den Worten des Choreografen Thomas (Vincent Cassel) zuzurufen: "Lass doch mal locker, leb doch mal ein bisschen.""
Daniel Kothenschulte entdeckt nicht nur Gutes, aber "all diese bewährten Psycho-Versatzstücke kamen nur notdürftig abgestaubt aus dem Fundus. Aber wie Natalie Portman alle Facetten unterdrückter Lust hervorzaubert, dabei binnen weniger Taktschläge zwischen Schönheit und Schrecken changiert, das ist faszinierend bis zum letzten Augenblick. Nicht nur der Klassiker "Schwanensee" ist auferstanden. A star is re-born."
Thomas Abeltshauser sah einen wahren Paukenschlag zum Auftakt. "Irgendwann kann weder sie noch der Zuschauer kaum mehr zwischen Realität und Phantasmen unterscheiden, was Darren Aronofsky mit großem Gespür für Effekte, zuckender Handkamera und einem bedrohlich dröhnenden Soundtrack inszeniert und damit bis zur letzten Minute eine nervöse Spannung hält."
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BLACK SWAN - mojoba.de