| Regie | John Wells |
| Kinostart | 07.07.2011 |
Till Kadritzke sah einen waschechten Krisenfilm. "Das hervorragend ausgewählte Darsteller-Ensemble ist das Herz des Films. In Ben Afflecks subtiler Mimik zeigt sich die neue Verwundbarkeit am deutlichsten, Chris Cooper lässt die labile Psyche seiner Figur von Anfang an erahnen, und in Tommy Lee Jones' faltigem Gesicht beim Blick aus dem Fenster hat tatsächlich eine ganze Wirtschaftskrise Platz. John Wells lässt diesem Cast genügend Freiheiten und beschränkt sich auf eine konventionelle, aber gelungene und äußerst sichere Inszenierung."
Gänzlich frei von Plausibilität ist John Wells' Kinodebüt nicht, meint Svenja Kalibabky. "Während manch einer durch seine plötzliche Arbeitslosigkeit in ein tiefes Loch fällt, merken andere hingegen recht schnell, dass Autos und Ferienhäuser nicht die Essenz des Lebens sind und lernen, sich wieder aufzurappeln. In dieser Hinsicht leistet COMPANY MEN (
) seinen Beitrag, Angehörigen der zweiten Fraktion Mut zuzusprechen."
Oliver Heilwagen stellt fest: "Die Gründe – Konkurrenzdruck und Fixierung auf kurzfristige Profite – streift der Film nur am Rande. Ihn interessiert vor allem, wie Betroffene auf ihren Jobverlust reagieren. Das Spektrum von Pragmatismus über ohnmächtigen Protest bis zur Selbstzerstörung führt das Drehbuch plausibel, doch recht schematisch vor."
Trotz des angesichts der aufgezeigten Problematik viel zu versöhnlichen, Hollywoodmäßigen Endes legt COMPANY MEN (
) laut José García "den Finger auf die Wunde eines Wirtschaftssystems, das sich nicht mehr auf die Herstellung von irgendwelchen Wirtschaftsgütern, sondern auf den Aktionärswert ("Shareholder Value") eines Unternehmens konzentriert. Wells zeigt in einigen Szenen nachdrücklich, wie die Schere zwischen der auf ihren Privilegien pochenden Führungsetagen und den einfachen Mitarbeitern, die zudem ständig irgendwelchen Rationalisierungsmaßnahmen ausgesetzt sind, immer größer wird."
Der Film bezieht seine Stärke vor allem aus der Inszenierung von John Wells, resümiert Peter Claus. "Ruhig, verhalten, nie kitschig – das sind die entscheidenden Pluspunkte. Und: Er gibt nicht vor, Lösungen en masse parat zu haben. Zudem behauptet er, der auch nicht gerade zu den Kleinverdienern gehört, nicht, dass er Ahnung vom Leben des Proletariats, so es das überhaupt noch gibt, habe. John Wells bleibt in seiner Welt des sehr gehobenen Mittelstands. Klug. So sind die Psychogramme stimmig und die Sozialporträts exakt."
"Während John Wells noch sehr gut die Verzweiflung der gerade noch so stattlichen Erfolgs-Männer einfängt, zeigt er weder Weg noch Widerstand gegen die Finanz-Gewinnler, Heuschrecken und millionenschweren Schlipsträger auf. Er vergisst in seiner dramatischen Konzentration auf die Hauptfiguren selbst, dass es auch noch andere Dinge im Leben gibt - Familie, Freunde, Hobby. Das sehr naive Happy End will auf den Ruinen der guten, alten Zeiten wieder echte Werte schaffen."
"Alte Kamellen werden aufgetischt – Wer es packen will, der packt es. Egal ob Rezession, fiesen Konzernbossen oder riesigen Schuldenbergen. COMPANY MEN (
) gaukelt uns das jedenfalls vor. John Wells plattes Moralstückchen und das Schicksal seines Star-Ensembles berühren den Zuschauer jedoch keine Sekunde. Denn dieses verlogene Filmchen mit Hipster-Soundtrack (Future Islands, The National) wurde komplett am Zuschauer vorbei inszeniert."
Nett anzusehen, interessant, aber nie so richtig packend, bilanziert S. Staake. "COMPANY MEN (
) ist gut gespielt und hat ein wichtiges Thema, aber leider hat John Wells keinen interessanten Weg gefunden, ebendieses richtig gut umzusetzen. So bleibt es bei einem ehrbaren Film mit ehrbarem Anliegen und ehrbarem Ergebnis knapp über dem Durchschnitt. Kein Grund also, die Entlassung von John Wells zu fordern, mit einer Beförderung wird es so aber auch erstmal nichts."
Dieter Oßwald lobt den Regisseur. "Einen Bonus hat sich der Regie-Neuling allemal verdient, vor allem dank dem hochkarätigen Ensemble, das gleich vier Oscar-Gewinner vereint. Kevin Costner war lange nicht mehr so lässig wie hier als bodenständiger Bauunternehmer. Poker-Face Tommy Lee Jones gibt sich so cool wie bei den Coens. Und Ben Affleck und Chris Cooper spinnen sowieso aus jedem Story-Stroh hochkarätiges Kino-Gold."
Gebhard Hölzl kritisiert die stereotypen Filmfiguren: "der sympathische Sonnyboy, dem stets alles in den Schoß gefallen ist, der streberische Schwächling, der seine Fahne immer in den Wind hängt, der aufrichtige Boss, der als simpler Arbeiter angefangen hat, und der fiese Konzernchef (Craig T. Nelson), der für ein paar zusätzliche Millionen die eigene Großmutter verkaufen würde und sogar in Krisenzeiten am Bau seines Luxuswolkenkratzers festhält – von weit genug oben verschwimmen all die entlassenen Mitarbeiter zur gesichtslosen Masse."
Gaby Sikorski schaut auf die Darsteller. "Tommy Lee Jones spielt den innerlich und äußerlich stark verknautschten Gene McClary als abgeklärten Zyniker, der durch den Verlust seiner Arbeit erkennt, dass er um sein Leben betrogen wurde. Ben Affleck überzeugt ebenfalls mit einer reifen Schauspielerleistung: Sein Bobby zerbricht beinahe an der Entlassung. Wut, Scham und Angst spiegeln sich in ihm, ebenso bei Chris Cooper, dessen Phil Woodward an sich selbst und an der Welt zweifelt. Wie ein bunter Schmetterling wirkt Kevin Costner zwischen den Männern in den dunklen Anzügen: Er ist der freundliche, rustikale Bauunternehmer, der allen zeigt, dass auch ohne dicke Gehaltsschecks ein gutes Leben möglich ist."
"Ein schmerzliches Kinodrama über Downsizing und Demütigung, das am Ende allerdings ein allzu schlichtes Heilsversprechen präsentiert." - Der Spiegel
"So viel Wirklichkeitssinn ist selten im Hollywoodkino." - Der Tagesspiegel
"Arbeitslosigkeit bleibt ein Stigma, das der Einzelne und nicht das außer Rand und Band geratene kapitalistische System zu verantworten hat." - Die Taz
"All diese Schauspieler hätten einen erfinderischen Regisseur verdient, aber sie haben einen, der nichts wagt." - Berliner Zeitung
"Regisseur John Wells beobachtet das Verhalten seiner Figuren sehr genau." - film-dienst.de
COMPANY MEN - moviepilot.de