| Regie | Filippos Tsitos |
| Kinostart | 22.07.2010 |
Ob die Geschichte um den verlorenen Sohn nun der Wahrheit oder doch eher der Verwirrtheit der Mutter geschuldet ist, darum geht es Filippos Tsitos immer weniger. Ihm gelingt laut Till Kadritzke "etwas ganz anderes: mit einem kleinen, verschrobenen und dabei sehr liebenswerten Film auf ein noch immer totgeschwiegenes Problem aufmerksam zu machen. KLEINE WUNDER IN ATHEN (
) hat eine Debatte angestoßen über interkulturelle Schwierigkeiten im heutigen Griechenland und gesellschaftlich vermittelten Fremdenhass. Einfache Lösungen wie die Entscheidung des Stadtrates zum Bau des eingangs erwähnten Denkmals kann es für dieses Problem nicht geben. Denn einer nicht vorhandenen interkulturellen Solidarität kann nur schwerlich gedacht werden."
Daniel Kothenschulte stellt fest. "Ebenso wenig wie dies nur eine Satire auf die griechische Wirtschaft ist, kann man sie auf ihre Warnung vor der Fremdenfeindlichkeit reduzieren. Man muss schon einen sehr originellen Ansatz finden, um groß gegen etwas anzugehen, gegen das sowieso jeder aufgeklärte Kinozuschauer eingestellt ist wie etwa die Xenophobie. Worum es hier tatsächlich geht, ist jene merkwürdige Mischung aus Stolz und Behäbigkeit, die es überall zu beobachten gibt."
Laut André Weikard will der Film "selbst ein Mahnmal für die "interkulturelle Solidarität" sein, für die in ihm ein Denkmal errichtet wird. Er lullt mit seinem gleichmäßig vorgetragenen Toleranzmantra ein. Das bringt der Tragikomödie zwar eine Nominierung für den Filmpreis des Europäischen Parlaments (Lux) ein, nicht aber die Sympathie der Zuschauer. Selten erwischt dieses pädagogisch überambitionierte Moralkino mit seinen offenkundigen Verweisen eines von den Bildern, die zuspitzen und schmunzeln machen."
Arezou Khoschnam ist durchaus angetan. "Die schräge Komödie schneidet zwar ernste Themen wie interkulturelles Zusammenleben, gegenseitige Akzeptanz und nationale Identität an, präsentiert sich insgesamt aber in einer sommerleichten Verpackung. Also, reingehen, den Spaß genießen und über den eigenen Tellerrand schauen."
Das Gewicht des Films liegt laut Michael Dlugosch "auf der Beobachtung alternder Individuen, die sich durchs Leben schlagen, entweder indem sie wie Marenglen in der Fremde arbeiten oder wie die vier griechischen Freunde nichts tun und an Fremden ihre Frustration auslassen. Am Schluss des Films werden viele der Protagonisten einen Läuterungsprozess hinter sich haben. Es ist eine der vielen Stärken des Films von Filippos Tsitos, dass hier Fremdenfeindlichkeit und Chauvinismus so entlarvt werden wie Stavros' Nationalstolz im Film zerbricht, woraus griechische Kinogänger, aber nicht nur die, etwas lernen können."
Martin Schwarz sah "eine hinterfotzige kleine Komödie. Und das ist [dem Regisseur] durchaus geglückt, besticht der Film doch durch eine liebevolle Charakterisierung seine skurrilen Figuren und einem dem Verhalten seiner Protagonisten angemessenem gemächlichen Erzähltempo. Und die nicht gerade reflektierten Äußerungen der drei Athener zu den Migranten um sie herum? Ja, die hört man so oder ähnlich leider auch an jedem zweiten deutschen Stammtisch."
Hier kommt der Humor auf leisen Sohlen, schreibt Thomas Volkmann. Er "ist eher nachdenklicher Natur und alles Fremde zu allererst einmal suspekt. Erst die Situation, selbst in die Rolle eines Albaners gedrängt zu werden und die festgefahrenen Ansichten zu hinterfragen, lässt Stavros seine von Vorurteilen geprägte Welt von einer anderen Seite betrachten. Auch seine Freunde müssen nun Position beziehen, soll es nicht zur Tragödie kommen. Ein Ansatz, der nicht allein nur in Bezug auf Griechenland Anwendung finden sollte. In Locarno wurde diese charmant vorgetragene Sicht im vergangenen Jahr mit dem Preis der ökumenischen Jury ausgezeichnet."
Claus Wecker lobt den Regisseur. "Filippos Tsitos ist ein guter Beobachter. Statt auf lange Dialoge, setzt er auf Blicke und Gesten. Ihm gelingen unspektakulär-eindrucksvolle Szenen, wenn er zeigt, wie Stavros seine Mutter ins Bett bringt oder wie Stavros mit seiner Exfrau vor deren Haustür sitzt. Da sind die alt gewordenen 70er-Jahre-Figuren, die Rockmusik von Status Quo mögen, ganz nahe Verwandte der traurigen Gestalten von Filippos Tsitos’ großem finnischen Vorbild."
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Der Regisseur "inszeniert seine Komödie um Nationalismus und Rassismus mit einem lakonischen, bissigen Bildwitz und viel Situationskomik. Wenn man sich hin und wieder an Kaurismäki erinnert fühlt, dann nur im besten Sinne. Darüber hinaus sind Witz und Biss dieses Films sehr eigenständig. Die absurden Blüte von Patriotismus und Nationalstolz ausgerechnet bei denen, die eigentlich noch nie etwas getan haben, und sich wohl auch nie mehr in ihrem Leben für irgendendetwas einsetzen würden, wird von Filippos Tsitos in kleinen, bissigen Schleifen immer neu vorgeführt, ohne dass sich das grundsätzlich wiederholen würde."
"Mit seiner wohl durchdachten Inszenierung und gut überlegten Kameraführung ist der Film eine detaillierte Beobachtung einfacher Menschen in ihrem alltäglichen Leben in einem Viertel von Athen. In einem manchmal bittersüßen, manchmal ironischen Ton kritisiert der Film naiven Patriotismus und Xenophobie und plädiert statt dessen für das Aufgeben von Vorurteilen, gute Verständigung zwischen Kulturen und die Akzeptanz von Menschen, auch wenn sie anders sind."
"Die Mama kocht plötzlich in der Nacht ein komplettes Menü - doch kaum haben wir darüber gelacht, hat Stavros Marenglen bereits aus der Wohnung geworfen. So geht dass den ganzen Film lang: Lachen, stutzen, lachen, stutzen. Grosser Tiefgang mag sich zwar nicht einstellen, die abgezehrten Figuren erscheinen jedoch einigermassen interessant und die Story nachvollziehbar. Immerhin: Eine griechische Tragödie ist dies auf alle Fälle nicht geworden."