| Regie | Asli Özge |
| Kinostart | 22.07.2010 |
Nie triumphiert eine Sichtweise über die andere, lobt Nino Klingler. "Asli Özge ist stattdessen interessiert an deren gegenseitiger Abhängigkeit. Und so zeigt sie uns eine Gesellschaft, die sich unablässig selbst blockiert und sich so immer wieder als Baustelle und Raum unerreichbar scheinender Möglichkeiten neu erschafft. MEN ON THE BRIDGE (
) gleicht einem Jonglieren mit verschiedentlich geformten, verschiedenfarbigen, unterschiedlich großen Bällen, die auf wundersame Weise doch unablässig in der Luft kreisen."
MEN ON THE BRIDGE (
) ist weder bitter noch anklagend, aber es ist ein zutiefst melancholischer Film, stellt Dietmar Kammerer fest. "Regisseurin Asli Özge hat die Geschichten, Dialoge und Konflikte des Films gemeinsam mit ihren Protagonisten entwickelt, die nun ihr eigenes Leben auf die Leinwand bringen (bis auf Murat - die türkischen Behörden haben der Produktion untersagt, echte Polizisten zu zeigen, also hat sich Özge für den Bruder des Polizisten entschieden). Der Film erzählt unaufgeregt vom alltäglichen Drama, er kommt seinen Figuren ganz nahe und nimmt sich Zeit, in den belebten Straßen der Millionenstadt geduldig ihren Wegen zu folgen."
Gern folgt Daniela Sannwald "dem Chauffeur Umut und seiner Frau bei ihren Wohnungsbesichtigungen, dem Polizisten zu seinen Internet-Dates und dem Rosenverkäufer bei der Suche nach einer überdachten, festen Arbeitsstelle. Nebenbei erfährt man einiges über die Lebensbedingungen in der Millionenstadt, die zu den schönsten der Welt gehört, aber nur für diejenigen, denen der tägliche Existenzkampf nicht die Sicht nimmt. Und das ist eine Minderheit."
Männer kommen nicht gut weg in, resümmiert Caroline M. Buck. "Vielleicht hat das damit zu tun, dass der Film eine deutsch-türkisch-niederländische Koproduktion ist. Vielleicht auch damit, dass ihn eine Frau inszeniert hat, ganz nah an den Grenzen des Dokumentarischen. Oder vielleicht einfach damit, dass es in der Türkei heute so schwer ist, seinen Mann zu stehen, wie die hiesigen Männer es – vielen, vielen Seiten in Frauenzeitschriften zufolge – in den Achtzigern fanden, ihren Platz abzustecken zwischen tradierten Rollenvorbildern und den (weiblichen) Vorstellungen vom neuen Mann, den die Welt endlich brauchte."
Lukas Foerster lobt die Filmemacherin. "Die drei Figuren verhalten sich zu diesem Nationalismus auf unterschiedliche, aber letztlich allesamt affirmative Weise. Auch hier verzichtet MEN ON THE BRIDGE (
) darauf, das zu tun, was fast jeder andere Film tun würde: Er etabliert keine Außenperspektive - die das Dargestellte automatisch relativieren würde -, sondern bleibt seinem streng analytischen Programm auf bewundernswerte Weise treu. Ausgerechnet der Bezug auf die Nation, ihre Symbole und ihre Paranoia, ist das einzige, was Fikret, Murat und Umut verbinden könnte. "
Michael Meyns sah "ein bemerkenswert komplexes, dabei aber äußerst subtiles Bild der modernen Türkei, das Asli Özge entwirft. Ohne den moralischen Zeigefinger zu heben, ohne überdeutlich auf Missstände hinzuweisen oder gar plakative Lösungsvorschläge zu liefern, beschreibt sie drei Männer, deren Leben trotz aller Bemühungen still zu stehen scheint. Ob man das nun Dokumentation oder Spielfilm nennen will spielt letztlich keine Rolle, MEN ON THE BRIDGE (
) ist ganz einfach ein herausragender Film."
Überblick zum Film auf moviepilot.de
MEN ON THE BRIDGE (
) "ist eine eindringliche, harte Sozialstudie, die aus der Tatsache keinen Hehl macht, dass die meisten Menschen aus der sozialen Schicht, in die sie hineingeboren werden, zeitlebens nicht mehr hinausfinden; sie versuchen es und scheitern. Immer und immer wieder. Der Film verweigert sich falschen Hoffnungen, nämlich solchen, die nichts weiter als Hoffnungen des Films, Konventionen eines rosa-neorealistischen Arthausfilms wären. Hier gibt es nicht den einen, der stellvertretend für alle anderen aus dem System ausbrechen darf."