| Regie | Jan Tenhaven |
| Kinostart | 08.07.2010 |
Till Kadritzke ist durchaus angetan. "Dass der Film trotz einiger Längen im Mittelteil über weite Strecken fasziniert, liegt vor allem daran, dass Jan Tenhaven seinen Senioren größtenteils das Feld überlässt. Vor allem diese Menschen sind es, die den herzlichen und lebensbejahenden Charakter des Films ausmachen. Rein statistisch gesehen schon mit einem Bein im Grab, gehen sie mit ihrem Alter so selbstbewusst um wie mit ihrem Körper. So leidet und lacht man mit ihnen, verliert ein wenig die Furcht vor dem Altern und bekommt fast Lust, nach dem Kinobesuch direkt mal wieder ein wenig Sport zu treiben."
Paul Linke lobt den Regisseur von HERBSTGOLD (
). Jan Tenhaven "hat mit seinem Film eine lebensbejahende Annäherung an das Ganzaltwerden geschaffen, die ohne Mitleid und falsche Fürsorge auskommt. Die alle als Sportler wahrnimmt. HERBSTGOLD (
) löst sich auf einfühlsame Weise von der zuweilen zynischen Debatte um ein würdevolles Seniorenleben - jenseits von Pflegeheimen, Erbschaftssteuer und Sterbehilfe. Bin ich zu alt? Zu alt, um im Alter noch an meine körperlichen Grenzen zu gehen? Ist das Leben manchmal zu kurz dafür?"
Mit seinem altersbegleitenden Vorzeige-Optimismus fügt sich HERBSTGOLD (
) freundlich in die florierende Landschaft des Senioren-Feel-Good-Kinos, schreibt Silvia Hallensleben. "Brennenden Ehrgeiz und eine persönliche Zielmarke haben alle diese Einzelkämpfer. Doch der Kampf um Höhe, Weite und Tempo ist trotz Trainings ein Hase-und-Igel-Lauf mit verschwindender Zeit und Körperkraft. HERBSTGOLD (
) präsentiert anrührende und skurrile Momente dieses vergeblichen Aufwands, zeigt aber auch, wie perfekt sich die im Dokumentarfilm mittlerweile übliche personalisierte Spannungsdramaturgie den Idealen der individualisierten Konkurrenzgesellschaft anpasst."
Gunnar Decker ist begeistert. "Jan Tenhaven hat einen wunderbaren Film darüber gedreht, wie Menschen, die niemandem mehr etwas beweisen müssen, sich selbst etwas beweisen wollen. Warum tun sie das? So etwas können nur die fragen, die nichts von der Unbedingtheit des Sports wissen. Warum tut er das nur, fragten sich Kollegen besorgt, als ein Feuilletonredakteur dieser Zeitung eines Morgens seine ältesten Turnschuhe anzog und sich auf den Weg nach Hiddensee machte. Nicht gehend, sondern laufend. Man kann eben nicht allen alle Fragen beantworten. Jeder weiß zwar, wie das Leben ausgeht, aber hier und jetzt leben bedeutet auch: Wie das ausgeht, weiß ich noch nicht – das wird sich erst noch zeigen müssen."
Tamar Noort lobt den Filmemacher. "Der Film rückt seinen Protagonisten buchstäblich nah auf die Pelle. Jiris Frau cremt seinen altersbefleckten Rücken ein und schüttelt zwar den Kopf, aber daß sie nach 50 Jahren ihren Mann nicht mehr umstimmen wird, weiß sie genau. In diesen intimen Momenten zeigt der Film einen Alterungsprozeß, der voller Würde ist – er zeigt Menschen, die nicht mit aller Macht jung, sondern um jeden Preis lebendig sein wollen, bis sie die Erde verlassen."
Anna Bernard schreibt über die Protagonisten.
Überblick zum Film auf moviepilot.de
"Detailaufnahmen im Slow-Motion-Modus fokussieren die Spannung auf den Moment, der über Triumph oder Niederlage entscheidet. Stimmungsvolle Kompositionen verleihen jeder Szene dabei die passende Atmosphäre. Unvergessen die Szene, in der ein 100-jähriger Österreicher die Diskusscheibe 12 Meter weit schleudert und anschließend im Rollator am Siegertreppchen steht. Eine gelungene und in sich stimmige Dokumentation darüber, dass Sport keine Frage des Alters ist – sondern einer optimistischen Lebenseinstellung."
Das Thema klingt laut Christine Dériaz "nicht nur spannend, das ergibt auch einen sehr guten, interessanten, aber vor allem sehr lustigen Film, bei dem aber keineswegs über die Sportopas und -omas gelacht wird. Die fünf Sportler aus fünf Ländern werden nicht nur beim Training, sondern auch im Alltag begleitet, dabei sprechen sie offen sowohl über Verletzungsgefahren beim Trainieren wie auch über Sex im Alter, und zwar keineswegs in Form von "das war einmal". Es gibt stille, feine Momente in diesem Film und starke, emotionale bis zum Finale, den Weltmeisterschaften in Finnland, wo sich die Anstrengungen des Trainings in Metall, tunlichst in goldenes verwandeln sollen."