| Regie | Daniel Sanchez Arevalo |
| Kinostart | 01.07.2010 |
Als großartig boshafte Dramödie bzeichnet Carmen Böker GORDOS - DIE GEWICHTIGEN (
). Sie sah "eine gern auch mal trashig inszenierte Groteske, die allen rustikalen Einlagen zum Trotz dann doch wieder überraschend feinsinnig mit ihrem Thema umgeht. Ihre Blicke auf das Leben der Einzelnen mögen zwar indiskret sein - jedes Fettröllchen, jeder kneifende Unterhosenbund wird genauestens betrachtet -, aber gleichzeitig tasten sie sich so immer näher an den individuellen Kern des Problems heran. Ruppigkeit ist schließlich schon immer eine gute Tarnung gewesen."
Gewichtig nennt Silva Hallensleben die Komödie. "Eine tragikomische Groteske, die in ihrer Fixierung auf Sex und traditionelle Familienwerte faszinierende Einblicke ins spanische Kollektivseelenleben gewährt, doch Zuschauer jenseits der katholischen Hemisphäre eher ratlos zurücklässt."
Tamara Danicic stellt fest: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. "Mit diesem Mehrfachspagat riskiert Daniel Sanchez Arevalo allerdings auch etwas. Und das ist keineswegs selbstverständlich heutzutage, wo viele, auch junge, Filmemacher lieber auf der sicheren Seite bleiben, als ein erzählerisches und finanzielles Scheitern in Kauf zu nehmen. Allein dafür gebührt ihm daher - trotz aller Vorbehalte - Respekt. Fazit: Ein leider nicht ganz ausgegorener Episodenfilm, in dem es um mehr nur als den äußeren Schein geht."
Wolfgang Hamdorf entdeckt die Themen von GORDOS - DIE GEWICHTIGEN (
). Er "handelt von Exzessen und Mangelerscheinungen, von Phobien und Obsessionen, Ängsten und Schuldgefühlen, Begierden und Illusionen; es geht um Sex, Gesundheit und Familiengefühle, ums Leben und Leben lassen, um soziale Anerkennung und am Ende auch um die Erkenntnis, dass es auch dann anschließend weitergeht, wenn das Schlimmste, das man je befürchtet hat, tatsächlich eingetreten ist."
Auch wenn Rochus Wolff sagen kann, "dass die Schauspieler hier vollen Körpereinsatz zeigen, so wird das doch nie exploitativ, im Gegenteil. Durch die Bank (und besonders gilt das vielleicht für Leticia Herrero) schenken sie ihren Figuren jene Mischung aus Stolz und Verletzlichkeit, Unsicherheit und Übermut, die so oft unseren Umgang mit dem eigenen Körper kennzeichnet. Während Bild und Handlung sich zum Schluss ins ganz und gar Metaphysische heben, hat der Film zu diesem Zeitpunkt ausgelotet, wie das Irdische immer wieder Stolperfallen stellt, wenn man nicht bereit ist, seine Liebe auch unabhängig von Körperfragen zu denken und zu schenken."
"Füllige Körper degradiert Daniel Sanchez Arevalo zum grotesken Spektakel. Zwei Millionen Klicks auf YouTube, wenn Dicke beim Sex gefilmt werden. Den Voyeurismus, der in dem Anstarren heimlich gefilmter Menschen zum Ausdruck kommt, sanktioniert GORDOS - DIE GEWICHTIGEN (
): Dicke sind sogar stolz darauf, öffentlich lächerlich gemacht zu werden, weshalb Andres und seine Frau einvernehmlich die dritte Millionen YouTube-Klicks erwarten. Auf einen vergleichbaren Erfolg sollte die Komödie vergeblich hoffen. "Die Fetten" sind cineastisch eine dicke Blamage."
Für Luitgard Koch lebt GORDOS - DIE GEWICHTIGEN (
) "vor allem von der teilweise grotesken Komik und behutsamen Verflechtung unterschiedlicher Lebenssituationen. Dabei macht er sich in keiner Szene über die Gewichtsprobleme seiner Protagonisten lustig. Wie bereits bei seinem preisgekrönter Erstlingsfilm DUNKELBLAUFASTSCHWARZ (
) legt sich der 39jährige Madrilene auch in seinem neuen Werk nicht auf eine grundsätzliche Tonalität fest, sondern verbindet virtuos verschiedene Episoden in ihrer ganz unterschiedlichen, tragischen, dramatischen, sozialkritischen, komischen oder skurrilen Stimmungslage."
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