| Regie | Dani Levy |
| Kinostart | 26.08.2010 |
Jan Schulz-Ojala konnte nur wenig lachen. "Was auf dem Papier nach einer gewissen Rasanz schreit, entwickelt auf der Leinwand allerdings bald unabweisbare Klebrigkeit. Fremdschämen ist schon früh angesagt – obwohl die beteiligten Stars aus heimischen Landen auch in kleinen Rollen eifrig bei der Sache sind ... So geht der Film dahin, bis zu einem kleinen Überraschungstwist aus der dramaturgischen Mottenkiste, aber immerhin: Überraschung! Und seine Moral? Verrückte Welt, diese Filmleute, aber wem sagen wir das."
Die Larmoyanz von DAS LEBEN IST ZU LANG (
) ist laut Daniel Kothenschulte "von einer anderen Sorte, da sie die Schuld für die Schaffenskrise bei den anderen sucht: Bei dem protzigen Produzenten wie aus den Fünfziger Jahren, komplett mit osteuropäischer Diva im Arm, gespielt von Veronika Ferres. Oder, wie originell, beim vergnügungssüchtigen Privatfernsehen. Wenn Dani Levy wenigstens die staatliche Filmförderung attackierte und ihren wachsenden Kulturverlust. Doch die vermeintliche Satire ist ein zahnloser Tiger."
Caroline M. Buck ist enttäuscht. "Unverstellter Idealismus im Kampf gegen die Windmühlenflügel einer geldgierigen, porentief korrupten Filmwirtschaft, der kleine Mann gegen die große Maschine und künstlerische Integrität versus schnödes Profitdenken, dazu als Sahnehäubchen der real existierende Kulturkampf der Welt nach dem 11. September im Kontrast zu den Schaumschlägereien der Filmindustrie, die Millionen nicht für die Verteidigung von Freiheit, Sicherheit und Menschenrechten ausgibt, sondern für anderthalb Stunden Popcorn-Unterhaltung – es ist alles und nichts, was Dani Levy da anpackt."
"Hätte es Dani Levy bei dieser Woody Allen-Hommage bewenden lassen, wäre ihm eine kurzweilige Komödie gelungen. Die Wendung, die DAS LEBEN IST ZU LANG (
) nach Alfis Selbstmordversuch nimmt, in der es um die durchlässige Grenze zwischen dem realen Leben und dem Leben als Kunstfigur oder auch zwischen Schein und Sein geht, gerät jedoch vollends aus den Fugen. Die angebliche Parodie auf den Fernsehbetrieb (auch dies ein roter Faden in den früheren Woody Allen-Filmen) wird zur Plattitüde, die angeblich philosophischen Fragen gehen im selbstbezüglichen Slapstick unter. Dem Zuschauer drängt sich der Eindruck auf, nicht das Leben, sondern Dani Levys Film sei viel zu lang."
Nette Pointen werden hier übermäßig breit getreten, findet Walli Müller. "In DAS LEBEN IST ZU LANG (
) sprengt der Held schließlich den Film. Alfi beschwert sich bei seinem "Gott", Regisseur Dani Levy, über das miese Drehbuch. Eigentlich eine nette Pointe, die dann aber übermäßig breit getreten wird. Der Film verliert dadurch an Fahrt und Gagdichte und findet auch nicht zu einer befriedigenden Schluss-Pointe. Trotzdem: Markus Hering (die Entdeckung aus WHISKY MIT WODKA (
)) hat als hoffnungsloser Loser in der Lebenskrise die Sympathien auf seiner Seite. Und Dani Levys ins Groteske gehender jüdischer Humor ist eine echte Bereicherung fürs deutsche Kino!"
DAS LEBEN IST ZU LANG (
) geht gehötig schief, findet Bettina Schuler. "Dem armen Regisseur, der wie ein Bettler zu den Produzent geht und sich, obwohl es ihm sein Kunstanspruch verbietet, für billige TV-Produktionen hergibt. Eine vorhersehbare, langweilige Geschichte, die auch dadurch nicht spannender wird, daß Dani Levy am Ende sein alter Ego in eine filmische Parallelwelt à la Rainer Werner Fassbinders WELT AM DRAHT eintauchen läßt. Und so ist man dann ebenso froh wie der Alfi selbst, wenn der Spuk endlich zu Ende ist."
Alexandra Wach kann dem Ganzen nicht viel abgewinnen. "Selbst die Satire auf die eigene Branche gelingt nicht, entgleist sie doch in universale Fragen nach dem Sinn des Lebens, die einer Kapitulation vor der eigenen Courage gleichkommen. Letztlich will es sich das "bissige" Porträt des deutschen Filmgeschäfts mit niemandem verscherzen; lieber begnügt Dani Levy sich damit, Banalitäten als subversive Erkenntnisse zu verkaufen, etwa die "Entlarvung" des Seifenopernbetriebs als profitgesteuertes Haifischbecken."
Margret Köhler sah eine toll gespielte, ebenso leichte wie bissige Komödie. "Was als leichte Komödie beginnt, wandelt sich in eine Melange aus peinvoller Paranoia und buntem Panoptikum über einen Menschen zwischen irrationalen Idealen und rationalem Versuch zum Pragmatismus. Hauptdarsteller Markus Hering entpuppt sich als komödiantisches und tragisches Talent, das ein deutsches Staraufgebot um sich herum schart. Alle spielen sie auch die kleinsten Rollen perfekt, mit Lust und Verve."
Anke Westphal entdeckt den Willen zur Satire. "Wohl niemand geht hier zu Lande so spielerisch, selbstironisch und dabei doch achtungsvoll sowie reflektierend wie Dani Levy mit den eigenen Rollen im Leben um: als Mann und Gatte, Geliebter und Vater, Jude und Künstler. Dass man dabei an Woody Allen denkt, hat seinen Grund. Schließlich versuchen Dani Levy und Woody Allen, wenn auch auf unterschiedlichem Level, an dasselbe filmische Erbe anzuknüpfen: Auch Ernst Lubitsch war Jude, und darüber hinaus war er einer der größten Komödienregisseure der Kinogeschichte."
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