| Regie | Ferzan Ozpetek |
| Kinostart | 15.07.2010 |
Tommasos Familie genießt Ansehen in Lecce. Die Cantones sind Eigentümer einer Pasta-Fabrik, in der sein großer Bruder Antonio schon lange arbeitet. Nun ist er an der Reihe. Er hat sein Studium in Rom beendet und soll in den Familienbetrieb einsteigen. Und genau das will er vermeiden.
Till Kadritzke hat etwas mehr erwartet. "MÄNNER AL DENTE (
) hat einige vielversprechende Zutaten – einen interessanten Einstiegskonflikt, durchaus vielschichtig angelegte Figuren –, die Dosierung ist Ferzan Ozpetek aber weniger gelungen: Der Konflikt wird mehr wiederholt als entwickelt, die Figuren verschwinden hinter der schematischen Handlung und der irritierend unernsten Inszenierung. Fast jede Szene schreit heraus, dass sie doch nicht mehr will als unbeschwert und beschwingt daherzukommen. So liegt diese Carbonara trotz oder gerade wegen ihrer fröhlich-leichten Zubereitung am Ende etwas schwer im Magen."
Dies ist viel mehr als nur Italienklamauk, meint Barbara Weitzel. Es gibt etwas viel Metaphorik in diesem "leichtfüßigen Film, aber in einem Punkt trifft es seinen Charakter definitiv: Biss haben in MÄNNER AL DENTE (
) vor allem die Frauen. Die weise Großmutter, das herrlich schmallippige Dienstmädchen, die trinkende Tante - sie alle sind sozusagen die raffinierten Gewürze in diesem Nudelgericht. Die Wirkung, die MÄNNER AL DENTE (
) hinterlässt, ist die einer leichten Pasta: Satt und glücklich geht man hinaus, aber in Erinnerung behalten wird man den Film nicht lange."
Anja Brandt sah "eine leichte Sommerkomödie. Sie hat in Italien schon am ersten Wochenende über zwei Millionen Euro eingespielt. Dieser Erfolg des knapp zweistündigen Films erklärt sich wahrscheinlich dadurch, dass er mehr ist als nur leicht und komisch. So schmuggelt Ferzan Ozpetek immer wieder tragische Momente in die Handlung. Schwulsein im katholischen Macholand Italien: Das Thema Selbstverwirklichung ergibt sich dabei von selbst."
Als bittersüß bezeichnet Susan Vahabzadeh die Komödie. Der Regisseur "macht etwas, was das neue italienische Kino sich meistens versagt - er genießt Italien, er gewinnt der Landschaft und den alten Häusern, verwinkelten Gassen und prächtigen Piazzas und den spießigen Großbürgern ihre reizvollsten Seiten ab. Vor allem aber lässt er dabei alles schön in der Schwebe - was schwul ist und wie man sich da verhält und welche Vorstellung vom Leben nun die richtige ist."
Die angedeutete Doppelbödigkeit verliert sich allerdings in der überbordenden Schönheit, schreibt Marieke Steinhoff. "Die Risse in der perfekt wirkenden Oberfläche werden lediglich auf narrativer Ebene thematisiert, bildsprachlich bleibt Männer al dente glatt und ohne Überraschungen; die Kamera umkreist elegant tänzelnd die schönen Schauspieler, das Licht ist stets warm und weich, der Schnitt fließend. Die Figuren in MÄNNER AL DENTE (
) mögen zwar alle das Drücken im Schuh bemerken, humpeln tun sie deswegen noch lange nicht – wenn schon untergehen, dann wenigstens erhobenen Hauptes und gutgeschminkt. Das ist unterhaltsam anzusehen, verliert sich aber nach Verlassen des Kinos wie der laue Sommerwind Apuliens in den Kleidern der Frauen."
Als vergnüglich leichten Filmcocktail bezeichnet Margret Köhler MÄNNER AL DENTE (
). "Im sanften Licht Süditaliens werden scharfe Kanten entschärft, der alltägliche Wahn gefeiert und nach gefühlvollen Ausbrüchen Probleme charmant gelöst. Nicht wie im richtigen Leben, sondern als Comédie humaine - wunderbar unterhaltsam und mit der nötigen Dosis Verrücktheit. Dass ein paar Gags mal etwas altbacken und die auf die Spitze getriebenen Neurosen übertrieben wirken oder manchmal ein Schwulenklischee zuviel herangezogen wird, schmälert nicht das Vergnügen an diesem italienischen Filmcocktail, leicht wie ein Prosecco Frizzante."
Kathrin Häger ist durchaus angetan. "Toleranz und die Einsicht, nicht alles gestehen zu müssen, wenn es dem Glück der Liebsten schaden würde, das sind die Prämissen, für die Ferzan Ozpeteks lässig aus dem Ärmel geschüttelte Familienkomödie plädiert, die selbst für die verbohrtesten Figuren noch genug Wärme und Verständnis besitzt. Das ist nicht nur vergnüglich anzusehen, sondern beinhaltet auch so viel Wahrheit in der Einfachheit wie leckere Spaghetti Bolognese."
Marcus Wessel schreibt: "Ferzan Ozpeteks süditalienische Familienchronik ist letztlich ein überzeugendes und ergreifendes Manifest für Horaz’ arg strapaziertes "Nutze den Tag". Sein Film plädiert für Toleranz und Akzeptanz ohne gleichzeitig in falsche Betroffenheit oder moralinsaure Ansprachen zu verfallen. Manche wie Vater Cantone benötigen mehr Zeit als andere, um zu erkennen, dass es kein richtiges Leben im falschen geben kann. Weder für Tommaso, noch für Antonio und auch nicht für alle anderen, die sich aus Angst vor den Konsequenzen bislang nicht zu ihrer wahren Liebe bekannt haben."
Überblick zum Film auf moviepilot.de
"Knackige Männer mit eindeutiger Mimik und Gestik sind einfach erfrischend lustig, auch wenn ihre Charaktere genau dem Klischee entsprechen. Da sich das Drama ansonsten aber an ein gut geschriebenes Drehbuch hält und auch viel Ernsthaftigkeit transportiert, lässt das die Geschichte nicht zur Farce werden. Vielmehr fügt sich die Komik gut ein in einen Mix von Themen, der über die Schwierigkeit, aus den normierten Mustern auszubrechen und den Begriff Normalität neu zu definieren, bis hin zu der Fragilität von Eltern-Kind-Beziehungen führt. Insgesamt ein unterhaltsames Werk, eine frische Sommerkomödie, die hinter der heiteren Fassade auch viel Ernst transportiert."
Christian Westheide sah eine wirklich lässige, humorvolle und dabei nie flache Komödie. "Am Ende gibt es eine wirklich schöne Lösung für all die Verwicklungen und unterdrückten Gefühle und es gelingt Ferzan Ozpetek alle Figuren glaubhaft die Wendungen mitmachen zu lassen."
Datenblatt des Films.