| Regie | Im Sang-soo |
| Kinostart | 21.04.2011 |
Nils Fortmann ist irgendwie enttäuscht. "Ein Thriller im Sinne Alfred Hitchcocks oder Claude Chabrols, wie der Verleiher DAS HAUSMÄDCHEN (
) bewirbt, ist der Film keineswegs. Wer einen solchen Psychothriller sehen möchte, wird hier enttäuscht werden. Nur wer den Selbstzweck der ästhetischen Mittel akzeptiert und sich so an den wunderschönen Bildern berauschen lassen kann, kommt auf seine Kosten."
Thorsten Funke vergleicht mit dem Original. "Die atmosphärische Dichte des Originals von 1960 erreicht DAS HAUSMÄDCHEN (
) an keiner Stelle, zu sehr ist der Film bemüht, das für die damalige Zeit Schockierende, Kontroverse in die Gegenwart zu übersetzen. In der ersten Hälfte konzentriert er sich deshalb auf recht deutliche Sexszenen und versucht sich am Genre des Erotik-Thrillers. In der zweiten Hälfte geht es dann um die Gemeinheiten, die die in ihrem Oberschicht-Dünkel zusammenhaltende Familie sich für die vom Hausherrn schwangere Eun-yi ausdenkt."
Besonders die Bilder haben es Harald Steinwender angetan. "Mit der eleganten Kameraarbeit, der assoziativen Montage, den sorgfältig kadrierten CinemaScope-Bildern und der exzellenten Ausstattung des Hauses mit kubistischen Gemälden, rauschhaft-ornamentalem Jugendstil-Design und nach innen gewundenen Treppen ist Das Hausmädchen (
) über weite Strecken vor allem ein visuelles Erlebnis; ein erlesener Bilderreigen, dessen effektive Wechsel von Tonalität und Stimmung umso verstörender wirken."
Peter Claus zieht Vergleiche zum Original. "Hanyo, das Original, gilt als Klassiker des asiatischen Films. Spannend: 1960 wurde die Geschichte aus der Sicht des Hausherrn erzählt, jetzt, ein halbes Jahrhundert später, wird die Perspektive der jungen Frau eingenommen. Der soziale Wandel auch in der südkoreanischen Gesellschaft wird dadurch deutlich."
Auch Nikolaus Perneczky stellt Vergleiche zum Original an. "Und wo die Vorlage sich getraut, eine abgeschlossene Welt zu setzen, die ohne Rekurs auf das Inventar filmischer Realismen etwas über die wirkliche aussagt, verliert die Neubearbeitung vereinzelt den Mut und öffnet ihren stilisierten Erzählraum auf das wirkliche, einigermaßen stereotyp in handkameradurchrüttelten DV-Bildern eingefangene Korea "da draußen"."
Detlef Kuhlbrodt überlegt, welchem Genre der Film wohl angehört. "Wie könnte man diesen virtuos komponierten, mit dem Sog eines Horrorfilms erzählten Film beschreiben? Als eine Mischung aus Sozialdrama und Psychothriller? Als koreanisches Gesellschaftsdrama der extremen Art? Jedenfalls nimmt eine so streng wie elegant erzählte Geschichte ihren Lauf, nach und nach offenbaren die Mitglieder der reichen Familie eine fratzenhafte Bösartigkeit."
Durch ein "Vergrößerungsglas für eine Gesellschaftsschicht, deren oberstes Gebot die Besitzstandswahrung ist" sah Anke Leweke den Film. "Die auf Hochglanz getrimmte Optik verleiht Im Sang-soos Remake einen hyperrealistischen Touch, der das Groteske des Stoffes deutlich hervortreten lässt. Da kann noch so erlesener Rotwein getrunken werden, es handelt sich nicht um eine gelebte, sondern um eine im globalen Supermarkt der hübschen Herrschaftszeichen eingekaufte Kultur."
"Ein von der Haupthandlung deutlich losgelöster Prolog sowie ein entsprechender, surreal anmutender Epilog sollen den Film einrahmen und sein Thema – die Unterschiede der sozialen Schichten – unterstreichen, stiften aber mehr Verwirrung als alles andere. Zusammenfassend lässt sich sagen: Die äußere Form von DAS HAUSMÄDCHEN (
) wird dem Inhalt nicht gerecht. Die schönen Bilder vermögen zu blenden, machen aber eben noch keinen spannenden, originellen Thriller. DAS HAUSMÄDCHEN (
) kommt im eleganten, manchmal sexy Gewand daher und bleibt bis zum kranken Schluss im Grunde ohne Höhepunkte."
Benjamin Hahn sieht zwar einige Schwächen, aber: "Dass DAS HAUSMÄDCHEN (
) dennoch ein sehr gelungener Film geworden ist, liegt nicht nur an der starken Inszenierung, sondern vor allem an den Bildern von Lee Hyung Deok, die gekonnt mit der Architektur der Kulisse spielen und ein Gefühl konstanter Bedrohung und Irritation schaffen. Doch nicht nur die elegante Kameraführung sorgt dafür, dass DAS HAUSMÄDCHEN (
) unterm Strich eine klare Empfehlung bekommt; es ist auch die schauspielerische Gesamtleistung, die gut genug ist, um manch ungelenk geschriebene Wendung geschmeidig wirken zu lassen."
DAS HAUSMÄDCHEN (
) "verkommt aber nicht nur zu einem Erotikfilm, der nah ran geht. Nachdem fürs Auge genug geboten wird, entwickelt sich ein Werk, das als verfilmter Groschenroman hätte enden können, in der zweiten Hälfte aber zum veritablen Psychodrama mit tragischem Ausgang für einen Grossteil aller Beteiligten."
"Das Remake hält sich kaum mit Subtilitäten auf. Da steht ganz klar die korrumpierte, verdorbene Machtwelt der Reichen gegen die Unschuld des Mädchens. Dass der Film dennoch seine Spannung halten kann, liegt vor allem daran, dass einerseit auch die unschuldige Seite recht klarsichtig in die Geschichte rutscht, das Mädchen weiss genau, was sie tut, wenn auch ohne Arglist und Berechnung. Und die Gegenseite verblüfft mit dem Ausmass der Bösartigkeit und der Kälte."
Überblick zum Film auf moviepilot.de