Thorsten Funke sieht vor allem Mängel in der Konzeption der Story: "Ayla (
) vergisst vor lauter Gewissheit über sein wichtiges Thema die Ambivalenz, ohne die jede Erzählung in Stasis verharrt. Es fehlt ein genauerer soziologischer Blick auf das Milieu, und es fehlt ein Charakter wie der Vater in (dem sicherlich auch nicht völlig gelungenen) Die Fremde, dem man trotz der Monstrosität seiner Entscheidung für den Ehrenmord recht nah zu kommen vermag. Der schöne Fotograf Ayhan ist viel zu sehr strahlender Held, als dass man ihm die Tat auch nur eine Sekunde zutrauen würde. Interessanter ist die Figur von Aylas Schwester, die Kopftuch trägt, die Tradition hochhält – und mit Engagement und Geschäftssinn aus der Schneiderei des Vaters einen florierenden Laden gemacht hat."
Christina Bylow konnte sich nicht mit den Figuren identifizieren: "Wie auf einer Bühne treffen mal diese, mal jene Akteure des Ensembles aufeinander, sagen auf, was dem Fortgang der Handlung dient, ohne dass es zu einer glaubhaften Zuspitzung kommt. Die Liebesgeschichte ist ohne Fleisch und Blut erzählt, sie bleibt floskelhaft. Diese Liebenden sind hochglanztauglich, und wenn sie miteinander reden, tun sie es wie Leute in Werbespots".
Für Arezou Khoschnam vermag Ayla (
) nicht, sich von der Masse abzuheben: "Turhan setzt leider genau da an, wo schon andere vor ihm angefangen haben. So entwickelt sich der Film zu einer Schwarz-Weiß-Malerei in Gut und Böse, die nicht nach tieferen Beweggründen sucht. Ohne einen Blick dahinter formulieren die unmotivierten Bilder in TV-Ästhetik stark mit Klischees aufgeladene Interessenkonflikte."
Für Felix Meschede ist Ayla (
) eher ein TV- als ein Kinofilm: "Auch ästhetisch passt der Film eher zur Mattscheibe. Nur selten entwickelt die Kamera von Florian Schilling ihre eigene Sprache. Das Motiv der unendlichen Bahnschienen, die sich kreuzen und wieder verlieren und so den Lebensweg der beiden Charaktere auf die Straße zeichnen, erschöpft sich in endloser Wiederholung."
Für Bernd Buder ist die Rolle des Mannes ebenso entscheidend wie das Frauenbild: "Denn Ayhan fühlt genauso die gesellschaftlichen Konventionen auf sich lasten wie sein weibliches Gegenüber, schafft es aber im Gegensatz zu Ayla (
) nicht, sich diesem Druck zu entziehen. So wird am Ende überdeutlich, dass der Selbstbefreiung der Frauen die Selbstbefreiung der Männer folgen muss. In melodramatischen Volten dramatisiert Turhan die Katharsis des türkischen Mannes, wobei er allerdings der Lehrmeisterhaftigkeit gefährlich nahe kommt, dabei aber rührselig genug bleibt, um seine Protagonisten als Identifikationsfiguren aufzustellen. Der Showdown ist pure Emotion, dick aufgetragen, aber nah am Publikum."
Margret Köhler sah eine gute Balance zwischen Liebesgeschichte und Sozialstudie. "Zwischen Lovestory und Blick auf die Parallelgesellschaft findet Debütregisseur Turhan eine akzeptable Balance. Die Kraft seines Films liegt in der Hauptdarstellerin Pegah Ferydoni, bekannt geworden mit der TV-Serie "Türkisch für Anfänger". Sie verkörpert den Zwiespalt glaubwürdig und ohne Übertreibung, auch wenn Unheil sich schon vielsagend ankündigt durch die knallrote Farbe von ihrer riesigen Handtasche oder den blutigen Schnitt beim Epilieren. Auch die Versöhnung mit dem Vater am Krankenbett nimmt man ihr ab."
Michael Meyns hat mehr erwartet. "Eine wirkliche Analyse dieser Strukturen, die sich unbeeinflusst vom Rest der Gesellschaft in vielen Städten breit gemacht haben, findet nicht statt. Es ist einfach wie es ist, warum manchen Deutsch-Türken die Assimilation gelingt, ohne sich dabei radikal von ihren Wurzeln zu lösen, andere dagegen in den archaischen Traditionen verhaftet bleiben, Su Turhans Film versucht gar nicht erst, eine Antwort anzudeuten. Und das ist dann doch ein bisschen wenig für einen Film, der viel verspricht, aber nur manches einlöst."
Geschrieben, geschildert und inszeniert ist das gut, schreibt Thomas Engel. "Manches ist dramaturgisch ein wenig durchschaubar arrangiert, doch insgesamt ist überdurchschnittliches, immer wieder bedenkenswertes und leider auch aktuelles Kino herausgekommen. Große darstellerische Anstrengungen unternahmen die meist türkischen Akteure (außerdem Saskia Vester als Münchner Kindergärtnerin). Ins Auge stechen vor allem Pegah Ferydoni als Ayla und Mehdi Moinzadeh als Ayhan. Sie machen ihre Sache vortrefflich."
Überblick zum Film auf moviepilot.de
Carsten Siehl schaut unter dem Aspekt der pädagogischen Wert. "Neben Fragen der Identitätsfindung und Persönlichkeitsentwicklung lässt sich auch die Verhandlung multikultureller und sozialkritischer Aspekte in einem fiktiven Kontext diskutieren. Empfehlenswert wäre in diesem Zusammenhang ein direkter Vergleich mit den oben genannten Filmen GEGEN DIE WAND und DIE FREMDE. Anhand dessen lassen sich z.B. die unterschiedlichen Positionen der entsprechenden Filmemacher erörtern (und wie sich diese schließlich in der Erzähl- und Darstellungsweise widerspiegeln)."
Laut Kirsten Liese porträtiert der Regisseur "eine moderne, selbstbewusste Deutschtürkin, die gegen die strengen Traditionen ihrer Familie ankämpft und den geplanten "Ehrenmord" an einer Freundin verhindert. Su Turhans Geschichte kommt dabei nicht halb so vulgär und pornografisch daher wie Fatih Akins Filme, und Sexualität spielt hier weniger eine Rolle als der solidarische Zusammenhalt unter den Frauen. Schwer verständlich, dass die Jury ihn bei der Preisvergabe ganz übergangen hat."
Luzie Seeliger konnte nicht befriedigt werden. "Leider ist das Ende des Films zu dick aufgetragen und nicht realitätsnah. Die Konflikte lösen sich allesamt in Wohlgefallen auf: Hatice kann mit ihrer Tochter zu Freunden fliehen, Ayla versöhnt sich mit ihrem Vater und für Aylas und Ayhans Liebe gibt es auch noch Hoffnung. Trotzdem ist AYLA (
) ein sehenswerter Film, der auf spannende Art Wege zeigt, mit seiner Herkunft umzugehen."