| Regie | Xavier Beauvois |
| Kinostart | 16.12.2010 |
Michael Kienzl "wundert es nicht, dass Schauspielführung und eine differenzierte Figurenzeichnung zu den Stärken des Films zählen. Besonderes Augenmerk legt VON MENSCHEN UND GÖTTERN (
) auf die weltlichen Emotionen seiner geistlichen Figuren. Die Mönche sind hier keine ätherischen Wesen, sondern lassen sich auch von niederen Emotionen leiten. Sie streiten sich wie kleine Kinder, fluchen, und vor allem werden sie nach der Ermordung zweier kroatischer Arbeiter von einer unehrenhaften Angst um die eigene Unversehrtheit geplagt."
Oliver Heilwagen ist begeistert. "Noch nie hat ein Spielfilm das Kloster als Daseinsform so anschaulich und nuanciert dargestellt. In der algerischen Diaspora zeigt die Glaubensgemeinschaft eine Intensität, die sie im säkularen Europa längst verloren hat. Dabei sind die Mönche weder frömmelnd noch weltfremd – wie der Film. Ihm geht es um ethische Verantwortung im Angesicht größter Bedrohung."
Als schönster und klügster Film des Jahres 2010 erzählt er vom Miteinander der Religionen und Kulturen, wie Anke Westphal schreibt. "VON MENSCHEN UND GÖTTERN (
) bündelt all das, was an Produktivem über Integration und postsäkulare Gesellschaften zu sagen wäre, auf wesentliche Weise. Auch deswegen, und nicht nur wegen der unaufgeregten Inszenierung sowie der überragenden Darsteller ist dies ein großartiger Film. Xavier Beauvois hat seinen überaus empfehlenswerten Film mit einer längst nicht veralteten Forderung zusammengefasst: "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit"."
"Regisseur Xavier Beauvois geht es nicht so sehr um die äußeren Ereignisse oder gar um eine Ergründung der Verantwortung für die Ermordung der Mönche als vielmehr um das Miteinander der Religionen und nicht zuletzt um die Beschreibung eines erfüllten Lebens im Kloster. Davon zeugen auch großartige Dialoge ... VON MENSCHEN UND GÖTTERN (
) verdeutlicht, dass die Liebe zu Gott und zu den Nächsten alles vermag, etwa auch standhaft zu bleiben, selbst auf Kosten des eigenen Lebens."
Dennis Stormer kritisiert den Regisseur stark. "Die Mönche sind inhaltslose Helden und Märtyrer, bebildert in spartanischen oder epischen "Western-Einstellungen" und glorifiziert in ihren selbstlosen Handlungen gegenüber den mitleidserweckenden, in Schlangen aufgereihten Dorfbewohnern durch medizinische Hilfe oder der Furchtlosigkeit gegenüber den blutrünstigen Rebellen. Diese Ehrerbietungen den Mönchen gegenüber erklären sich dadurch, dass der Regisseur ebendies vorhatte: die Mönche als Heilige im Stil eines Western oder einer griechischen Tragödie zu beschreiben."
Dominik Kamalzadeh lobt den Regisseur. "Mit großem Feingefühl erstellt er die Porträts von Mönchen, die durch die Terrorakte islamistischer Gruppen immer mehr selbst in Gefahr geraten. Sollen sie weiter der darbenden muslimischen Dorfgemeinschaft zur Seite stehen oder dem Druck nachgeben und ihre Bastion verlassen? VON MENSCHEN UND GÖTTERN (
) heroisiert seine Protagonisten nicht, sondern lässt sie diverse Stadien der Angst, der Unsicherheit und des Zweifels durchlaufen."
Anke Westphal ist begeistert und sah ihren Palme-Favoriten. "Der Film beschreibt auf eine stille, diskrete Art den Alltag im Kloster, die inneren Kämpfe der Einzelnen, ihre Anfechtungen und den Umgang miteinander. Er hat Vorbildcharakter. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Das christliche Gelübde von Armut, Verzicht und Liebe, heißt es hier, sei eine Chance für Beziehungen, die nicht auf Macht beruhen. Das kann man naiv nennen oder idealistisch. Aber es ist ein Versuch, wo andere gar nichts versuchen. Auch der Regisseur Xavier Beauvois ist ein Idealist. Man möchte ihm gratulieren: zu seiner beispielhaften Sensibilität in sogenannten Multikulti-Fragen und zu der Hochachtung, mit der er seine Figuren behandelt."
Cristina Nord sieht einige Probleme. Die Entscheidung des Regisseurs Xavier Beauvois, "sich auf die Seite der Mönche zu stellen, birgt Probleme. Die algerischen Soldaten und Provinzpolitiker haben etwas Korruptes und Brutales, den Fundamentalisten wird nur für Augenblicke etwas anderes als Schurkenhaftigkeit zugestanden. Wer mit postkolonialer Theorie vertraut ist, wird sich daran stoßen, wer dem Katholizismus mit Skepsis begegnet, an anderen Dingen. Das ändert nichts an den Stärken des Films."
Viel Konzentration und Sensibilität hat Jan Schulz-Ojala ausgemacht. Der Film enthält "viel mehr "Nathan der Weise"-Gedankenwelt als Werbung für das Christentum, die ihn für Konfessionsferne oder Andersgläubige sofort unerträglich machen würde. Er zeigt nur eine verschworene Gemeinschaft bei dem Versuch, inmitten einer entfesselt gewalttätigen Welt den Glauben an die Vernunft zu bewahren - und zu verkörpern. Ein Kunststück, denn die Hauptfiguren bleiben doch unübersehbar Christen. Ein Meisterstück."
Laut Christoph Huber ist der Film frei von wohlfeiler Versöhnungsrhetorik. "Die Entscheidung ist hart erkauft, nach sorgsamer Abwägung geistiger, menschlicher und politischer Faktoren. VON MENSCHEN UND GÖTTERN (
) ist ein großer spiritueller Film gerade in seiner inbrünstigen Demut. Was Bernard Taverniers Wettbewerbsbeitrag säkular ausgestaltete, wird hier religiös behandelt: das Kino als Glaubensfrage."
VON MENSCHEN UND GÖTTERN (
) "ist ein rechtschaffener Film über rechtschaffene Menschen, mit einem politisch hoch anständigen Aufruf am Ende, Islam und Islamismus nicht in den gleichen Topf zu werfen. Xavier Beauvois ist sichtlich bemüht, keine Feindbilder aufkommen zu lassen ... Aber letztlich fehlt dem Film jene Form des Zweifels, der Befangenheit, die er seinen Figuren fast mechanisch zugesteht. Insofern folgen die 120 Minuten dem Prinzip des Katechismus: Rhetorische Fragen stellen und die Antworten auch gleich mitliefern."
Großartig an VON MENSCHEN UND GÖTTERN (
) ist für Josef Lederle "nicht allein, dass er die Islamisten nicht als blutgierige Monstern zeichnet und das algerische Militär als potenzielle Mörder der Mönchen mit in Betracht zieht (die wirklichen Umstände wurden nie aufgeklärt; die proislamische Haltung der Zisterzienser aber war dem Militär ein Dorn im Auge); sondern sein Versuch, den Brückenschlag der Patres und Brüder mit dem Islam cinematographisch weiterzuführen. Nicht umsonst endet der Film mit einer Art Testament, in dem der Prior des Klosters die Haltung seiner Kommunität unter anderem auch damit begründet, dass der Islam und das Land sich wie Seele und Körper zueinander verhalten, woran als Christen teilzuhaben für sie gleichermaßen Geschenk wie Auftrag sei."
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