| Regie | Ralf Huettner |
| Kinostart | 22.04.2010 |
Robert Zimmermann moniert, "dass es den Nebenfiguren um Vincent an Tiefe mangelt, oder dass der Zuschauer nahezu nichts über Alexanders und Maries Vergangenheit erfährt. Doch lässt sich über die manchmal spürbare Tendenz zur parodistischen Verkürzung und den Griff zu manchem Klischee hinwegsehen, wenn man sich vergegenwärtigt, dass es sich bei aller Tragik ja um eine Komödie handelt. Und dass dies hierzulande auch ohne den üblichen Brachialklamauk geht, dass ist eine willkommene, wenn auch leider viel zu seltene Erfahrung."
Philipp Bühler hat vieles vorhergesehen. "Das Gefühl der Geborgenheit ist sinnloser Aufregung allemal vorzuziehen; das Vertraute verspricht keine Heilung, aber doch Linderung der Symptome. Allein den Schauspielern - und den genretypischen Ortswechseln - ist es zu verdanken, dass VINCENT WILL MEER (
) nicht als Sedativum wirkt. Sie sind gut aufgelegt und mit dem Herzen dabei, den Rest erledigt der Clown im Kopf. Wirklich lustiger macht er das Leben nicht, aber wer es lernt, kommt gut mit ihm aus."
José García bewundert eine gelungene deutsche Komödie: "In seiner leichtfüßigen Inszenierung hält Regisseur die Balance zwischen komischen und tragischen Momenten, etwa als Vincent bei einem Anfall von Kindern mit ihren Handys gefilmt wird. Ralf Huettner gelingt insbesondere die Gratwanderung, die Situationskomik zu nutzen, ohne die Figuren durch ihre Behinderung bloßzustellen."
Jan Oberländer hält den Film für klischeebeladen und unglaubwürdig: "Dass der Film versucht, zugleich ernsthaft und komödiantisch zu sein, tut ihm nicht gut. Fitz spielt den Tourette-Kranken beeindruckend, aber seine Figur wirkt wie am Reißbrett entworfen. 27 Jahre alt, Zuckungen seit der Kindheit – und noch nie in Behandlung? Ein verständnisloser Vater, der sich ausgerechnet von der attraktiven Ärztin seines Sohnes den eigenen Irrweg aufzeigen lassen muss? Auch Sauberkeitsfreak Alex (Johannes Allmayer) scheint nie zu leiden, sondern bleibt stets der liebenswerte Freak aus der Klapse."
Sarah Sander sah ein trauriges und lässiges Road Movie. "Eine Autofahrt in die Freundschaft, ein Roadtrip zu sich selbst, zu seinen Vorurteilen und seinen Sympathien. Und am Ende sind sich alle ein bißchen näher: Vincent und Alex, Alex und Marie, Vincents Vater und die behandelnde Ärztin, Vincent sich selbst, seinem Vater, Alex und natürlich auch Marie. Und auch der Zuschauer ist all ihnen ein bißchen näher – allein schon weil die Kamera ihn ständig in eins der beiden Autos versetzt hat, mit denen die drei Klinikausbrecher und ihre Verfolger auf dem Weg zu wasauchimmer sind."
Alexandra Wach hat sich durchaus von VINCENT WILL MEER (
) überzeugen lassen. "Auch wenn manches idyllische Landschaftsbild zwischen Allgäu und Alpen zu gewollt wirkt, sind es vor allem die jungen Darsteller, die ihren schwierigen, zwischen Selbstbezug und Mitgefühl pendelnden Charakteren mit einer beeindruckenden Skala an Nuancen gerecht werden, die dünne Haupthandlung vergessen lassen und das unsichtbare Innere ganz ohne Dialoge hinter der sichtbaren Erkrankung spiegeln."
Moritz Holfelder ist enttäuscht. Dem Film "fehlt es bei allen verständlichen Bemühungen um Witz und Leichtigkeit vor allem an Tempo und Rhythmus. So positiv es überhaupt ist, einmal einen Spielfilm über ein paar gehandikapte junge Menschen zu drehen, so beklagenswert ist es dann, wenn das Werk sich als recht bieder entpuppt. Allein Florian David Fitz und Karoline Herfurth als Vincent und Marie machen die launig konventionelle Komödie zum Erlebnis: Ihr Versuch, eine ziemlich durchgeknallte Beziehung zu leben, besitzt allein die verstörende Kraft."
Humorvoll begleitet Regisseur Ralf Huettner seine Protagonisten auf ihrem Weg, schreiben Georgina Caballero und Anna von Stillmark.
"Das ist eine filmische Leistung, die so nicht zu erwarten war, denn die Fallstricke sind gerade bei einem solchen Sujet erheblich. Und wie leicht wäre es gewesen, in die üblichen Floskeln medialer Betroffenheitskultur zu verfallen. Regisseur Ralf Huettner und sein Autor haben folglich eine Gratwanderung hinter sich. Auch jetzt stehen sie ab und an nahe am Absturz - in die filmische Korrektheit der Botschaft zum einen, zum anderen in das deutsche Komödienelend."
Thomas Engel hätte gern eine Komödie gehabt, "doch im Grunde handelt es sich um ein reines Psycho-Stück, für das man Interesse mitbringen muss. Immerhin werden in plausibler Weise alltägliche psychische Situationen von "Gesunden" und "Kranken" ausgebreitet, ist das Ganze mit einer gewissen Spannung versehen."
Dem Skript mangelt es laut Marcus Wessel "bei aller Wertschätzung für seinen trotzig-mutigen Titelhelden an einer eigenen Handschrift. Sowohl die Road-Movie-Konstellation mit dem eher symbolischen Ziel als auch die schicksalhafte Begegnung unterschiedlicher Charaktere diente bereits zahlreichen Produktionen wie Knocking on Heaven’s Door als Aufhänger für die eigene Geschichte. Die Tourette-Thematik, zumal sie nicht wirklich vertieft wird, kann dieses Originalitätsdefizit nur bedingt ausgleichen. Akzeptiert man erstmal den Déjà-vu-Effekt, so funktioniert VINCENT WILL MEER (
) aber zumindest in den Grenzen eines gut gespielten Feel-Good-Stücks."
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