| Regie | Matthew Vaughn |
| Kinostart | 22.04.2010 |
Für Felix Frieler fehlt KICK-ASS (
) der nötige Tiefgang: "Dennoch ist der Film über weite Strecken recht unterhaltsam, was weniger am banalen Plot, als an den präzisen Dialogen und durchweg soliden Schauspielerleistungen liegt. Leider unternimmt Vaughn gar nicht erst den Versuch, die verschiedenen Teile seines Films in ein Gesamtkonzept zu integrieren. Schade eigentlich, denn die Idee eines Superhelden ohne Superkräfte ist so romantisch wie genial."
KICK-ASS (
) ist für Daniel Kothenschulte ein Zoten-Film für Zwölfjährige: "Doch wie viele andere Filme zuvor, die mit dem Reiz des "Unkorrekten" spielten, wirkt KICK-ASS (
) wie eine etwas zu aufdringliche Einladung zu einem Wochenend-Besäufnis. Da ist man lieber die Spaßbremse."
Katja Lüthge bemängelt, dass sich KICK-ASS (
) nicht zwischen Parodie und Hommage entscheiden kann: "Irritierend ist in der Folge aber doch die Freude an den gewalttätigen Exekutionsorgien, die auch mit überkompensierten Ohnmachtsgefühlen angesichts übermächtiger Feinde und anderer pubertätsbedingter Unzulänglichkeiten nicht recht zu erklären ist. Zunächst als SPIDER-MAN -Parodie angelegt [...] persifliert KICK-ASS (
) danach den technophilen "Batman", bevor er unvermittelt zu blutiger Brutalität wechselt und am Ende gar, im plötzlichem Ernst, die überschaubare Moral der eben noch verlachten Vorlagen zu übertreffen scheint."
Hier wird nicht moralisiert, stattdessen werden Codes der Moral angedeutet und durch Codes der ästhetisierten Comicgewalt sofort hinweggefegt – auch hier: treffend gattungstypisch, schreibt Alexander Scholz. "Matthew Vaughn ist sich dieses Umstandes augenscheinlich bewußt und hängt Bösewicht D'Amico deswegen gleich zwei "Gun"-Bilder von Andy Warhol ins Büro – Pop-Art-Reminiszenz und darin gleichzeitig mokanter Kommentar zur angeblichen Trivialität der Comicstoffe. Dieses Stigma wird in KICK-ASS (
) nicht nur zurückgewiesen, sondern in seiner Kurzsichtigkeit wesentlich schamloser parodiert als jede Comickonvention."
Außer gezielten Tabu-Brüchen hat Kick-Ass für Markus Keuschnigg nichts zu bieten: "Wenngleich KICK-ASS (
) durchgehend Spaß macht, sind einfach zu viele Gags zu absehbar, scheint sich hinter dem marketingstrategisch schlau platzierten Kult- und Tabubrecher-Etikett nicht mehr sonderlich viel zu rühren. Anarchisch ist bei KICK-ASS (
) nur die Erzählung, und selbst die kommt nicht ohne klassische Elemente aus, weswegen der „extreme“ Film seine Extreme einbüßt und nicht selten an Superheldenklamauk von der Stange erinnert."
Daniel Sander ist besonders vom Ende endtäuscht: Die spöttische Distanz der Vorlage zu den Hauptfiguren hält der Film nicht durch - er erklärt die Kleine nach und nach zur ehrenwerten Heldin, die zwar blutlüstern ist, aber doch aus tiefer Überzeugung für das Gute kämpft. Girl Power heute. Und mit dem Drang, den Gewaltlevel stets ein bisschen zu steigern, wird das Finale zum knalligen aber stumpfen Blutrausch, zur verklärten Heldinnensaga. KICK-ASS (
) ist ein durchgehend unterhaltsamer, energiegeladener Film. Mit viel Liebe gemacht. Aber ohne Herz.
Lory Roebuck ist total begeistert. "KICK-ASS (
) zeichnet sich in dieser Hinsicht durch einen perfekten Aufbau aus. Was wie eine Loserkomödie àla AMERICAN PIE beginnt, entwickelt sich gemächlich (aber bestimmt) zu einem pulsierenden, krachenden Leinwandspektakel, in dem keine Szene einer anderen gleicht und jede neue Actionsequenz die vorherige überbietet. Oder umgangssprachlich formuliert: Es geht voll ab in diesem Film. KICK-ASS (
) bietet einen adrenalinartigen Thrill, der sich nur im Kino erleben – und ausleben – lässt."
Jörg Buttgereit findet nur lobende Worte für den Film. "KICK-ASS (
) wirkt wie das Missing Link zwischen Pixars Animationsspaß DIE UNGLAUBLICHEN - THE INCREDIBLES und der bitterbösen Erwachsenencomicadaption WATCHMEN - DIE WÄCHTER (
) von Zack Snyder. Mühelos wechselt der Film von drolliger Teeniekomödie zu gewalttätigem Actionkino. Lediglich der erste Sex wird, wie in den prüden amerikanischen Superheldencomics üblich, nur angedeutet. Die genretypisch zu Karikaturen zugespitzten Protagonisten des Films entwickeln sich schnell zu echten Charakteren, in denen man sich nicht nur als eingefleischter Comicfan wiederfinden kann."
Mit KICK-ASS (
) "positioniert sich Regisseur Matthew Vaughn auch gegen gängige Darstellungen von Gewalt im Internet. Hier liegt allerdings die Demarkationslinie, an der sich die Meinungen der Jury ganz grundsätzlich teilten. Weder Highschool-Komödie noch klassische Superhelden-Geschichte, erhielt der Film für das unterhaltsame Überschreiten von Genre-Grenzen das Prädikat wertvoll."
Sascha Koebner schaut genau hin. "Wird der Zuschauer in seinen Genre-Erwartungen ob der realistischen Gewalt zu Beginn noch irritiert, darf er diese später im Sinne eines wilden, aber gänzlich künstlichen Hollywood-Spektakels wieder goutieren. Der Film, der einen selbstironischen, sogar kritischen Blick auf die schlichten Motive und Strukturen der "Graphic Novels" hätte werfen können, demontiert sich lustvoll selbst, indem er sich im weiteren Verlauf der Comic lesenden Zielgruppe anbiedert. So weit, dass der unscheinbare Held schließlich auch seiner Traumfrau habhaft wird."
Gebhard Hölzl entdeckt subversive Gesellschaftskritik. "So säbelt "Hit Girl" – nomen est omen – in bester "Kill Bill"-Manier ein Dutzend Männer um und hat dabei immer auch einen flotten Spruch auf den Lippen. Dann wird KICK-ASS (
) bierernst, die Gewalt ästhetisiert. Dann hat man es plötzlich wieder mit einem perfekt durchkonstruierten, durchkalkulierten und durchchoreographierten Hollywood-Spektakel zu tun, nicht mehr mit einer ironischen Variante von Leinwand-Pulp-Fiction, was als Ansatz zu Beginn durchaus möglich erscheint. Trotzdem kann man sich nicht einfach gelangweilt oder verärgert abwenden, zu geschickt wird hier mit Genreversatzstücken und -(Proto-)Typen jongliert."
"Matthew Vaughn gelingt eine stilsichere und teilweise überwältigende Inszenierung. Mit viel Schwung und Dynamik sorgt er durch die rhythmische Kombination von kraftvoller Musik und rasantem Schnitt dafür, dass die zwei Stunden rasant vorbeifliegen. Hervorragend ist auch die illustre Besetzung. Der leicht trottelig spielende Nicolas Cage und der gewohnt charismatische Mark Strong sind grossartig. Überragend ist aber vor allem Chloe Moretz, die schon in (500) Days of Summer als weise kleine Schwester auffallen konnte. In KICK-ASS (
) stiehlt sie beinahe jede einzelne Szene und strahlt eine unbesiegbare Dominanz aus."
"Wegen des limitierten Budgets sind aber der Action aber auch Grenzen gesetzt. Das ganz grosse Feuerwerk-Spektakel à la Michael Bay darf man nicht erwarten. Die Superhelden in KICK-ASS (
) sind gewöhnlichere Handwerker, und ein Teil der Kampfszenen kicken das Ass nicht ganz so, wie es der Titel verspricht. Nicolas Cage macht seine Sache als einziger Hollywood-Star im Cast gut und wird trotz grossen Namens nicht in den Vordergrund gedrängt."
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