| Regie | Erik Poppe |
| Kinostart | 18.03.2010 |
Dass der Film so gut ankommt, erklärt Birte Lüdeking "mit der Katharsis, die der Zuschauer gemeinsam mit den Hauptfiguren durchlaufen kann. Leider wirkt die bei der zuvor aufgeworfenen Themenkomplexität, nachdem Thomas’ und Agnes’ Perspektiven zusammengeführt wurden und uns noch ein gewaltiger Offenbarungshammer getroffen hat, in den letzten Minuten wie eine allzu wundersame Heilung im Schnellverfahren. "Es geht um Akzeptanz und Abbitte, weniger um Vergebung", heißt es in einer früheren Szene. Schade, dass sich TROUBLED WATER (
) nicht daran hält und mit einer einzigen Geste eine Wunde schließt, die doch gerade noch so pflegebedürftig erschien."
TROUBLED WATER (
) zieht alle Register der Seele, meint Christina Bylow. "Eine klare Erzählstruktur schafft Übersicht, wo es eigentlich keine gibt. Im Strudel heftiger Gefühle von Trauer, Wut, Verzweiflung und Verleugnung. Ohne ein Ensemble fantastischer Schauspieler hätte dieser Film ins Unerträgliche kippen können. So aber ist er eine grandiose Studie geworden über das Weiterleben nach dem Schlimmsten: dem Tod eines Kindes. Hat es der mutmaßliche Mörder leichter als die Mutter, die sich mitschuldig fühlt, weil sie ihr Kind einen Augenblick unbeaufsichtigt ließ?"
Angelika Nguyen lobt den Hauptdarsteller. "Der junge norwegische Schauspieler Pal Sverre Valheim Hagen spielt Jan Thomas extrem intensiv und trägt mit seiner Darstellung entscheidend zur geradezu soghaften Wirkung des Films bei. Dafür wurde er mit dem norwegischen Filmpreis ausgezeichnet. Beeindruckend als Widerpart auch Trine Dyrholm als Mutter Agnes. Regisseur Erik Poppe hat mit TROUBLED WATER (
) einen modernen Film über ein altes Thema geschaffen. Ein Film über Schuld und Sühne, Hass und Vergebung, ein Film über die Liebe."
Thomas Groh ist begeistert. Der Film ist "von großer Klarheit und Präzision: Seinen Diptychon-Charakter hätten andere Regisseure mit großer Geste zum Kunst markierenden Spektakel erhoben. Bei Erik Poppe entspricht er lediglich der stets angeratenen Methode, immer auch die andere Seite einer Sache zu hören. Um drehbuchgewitzt aus dem Zylinder gezogene Karnickel geht es ihm nicht, im Gegenteil: Meist ist der nächste Schritt und dessen Bezug zum bereits Gesehenen deutlich abzusehen. Diesem einfachen Geschehenlassen verdankt TROUBLED WATER (
) ein Gutteil seines Gelingens."
Christian Lailach ist begeistert. Der Regisseur "nutzt ein eigentlich bekanntes Mittel, zeigt das Geschehen aus zwei Perspektiven, erhöht um verschiedene Vergangenheitsebenen. Wider Erwarten bleibt dabei alles durchschaubar, ist genaugenommen auch gar keine allzu große Leistung. Viel grandioser sind all die kleinen dramaturgischen Türchen, die plötzlich geöffnet werden und der Geschichte neue Möglichkeiten bieten, wobei keine, wirklich keine das berücksichtigt, was in den letzten Minuten geschieht."
"Bildschön fotografiert, von subtiler Magie und geheimnisvoll spannend ist TROUBLED WATER (
); auch spielt der in Norwegen als heisser Nachwuchsstar gefeierte Pal Sverre Valheim Hagen Thomas mit sensationeller Sensibilität. Nach Sühne und Vergebung fragt Erik Poppe in seinem Film und danach, wie sich das Leben im düsteren Schatten der Vergangenheit anfühlt. Er tut dies derart geschickt und direkt, dass man sich als Zuschauer der in dieser Frage steckenden Ungeheuerlichkeit keine Sekunde entziehen kann. Und das macht TROUBLED WATER (
) zum ungefähr aufwühlendsten Film seit DEAD MAN WALKING."
Der Film setzt einigen Mängeln Glanzmomente entgegen. "Nebst der kompetenten Inszenierung und den starken Leistungen sämtlicher Darsteller ragen vor allem jene Szenen heraus, in denen Jan an der Orgel spielt. In dieser teils improvisierten, sehr dynamischen und überaus schönen Musik werden seine Emotionen auf ganz intuitive Weise erfahrbar. Fairerweise muss man sagen, dass TROUBLED WATER (
) keine leichte Geschichte erzählt und dabei immerhin teilweise eine ziemlich intensive Wirkung zu entfalten vermag. Insgesamt fischt der Film aber in eher trübem Gewässer, ohne etwas wirklich Besonderes zutage zu fördern."
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In Rückblenden tastet sich die verschachtelte Erzählung langsam vorwärts und begeistert David Siems "mit der aufwühlenden Performance ihrer Schauspieler, die mit wenig Gestik und Mimik trotzdem Momente voller Intensität zustande bringen. Mit dem karthatischen und mitunter quälendem dänischem Dogma-Kino hat Erik Poppes Seelendrama, trotz ähnlicher Thematik, weder auf ästhetischer noch auf moralischer Ebene viel gemeinsam. Wo Regisseure wie Lars von Trier oder Thomas Vinterberg die Tragödie lediglich sezieren, weist Erik Poppe den Weg für Lösungen auf."
Linksammlung zum Film.
"Es ist so ein verstörender, tiefgründiger Film über Verbrechen, Neuanfang, Gott, Vergebung und Mutterinstinkt, der aber formal etwas umständlich geworden ist. Man darf aber hoffen, dass die Filme von Poppe in naher Zukunft ihr Entwicklungspotential weiter ausschöpfen werden, da er immer tiefer unter der Oberfläche kratzen wird."
Christoph Egger lobt die raqffinierte "Erzähldramaturgie, die dem Betrachter den Boden unter den Füssen wegzuziehen beginnt. Zunehmend sehen wir uns ausserstande, Geschehnisse, die wir bereits zu kennen meinten, unter veränderter Perspektive auf der Zeitachse noch richtig einzuordnen. Allerdings führt die Zersplitterung und Fragmentierung des Geschehens nicht zu einer völlig neuen Lesart der Vorgänge. Jedenfalls mehr als eine Stilübung und keineswegs L'art pour l'art, vermag der Film die Infragestellung unserer Wahrnehmung doch nicht bis zur Erschütterung aller Gewissheiten voranzutreiben, wenn er sich einfallsreich der Ergründung der "Wahrheit" verschreibt."