| Regie | Karen Harley |
| Lucy Walker | |
| Joao Jardim | |
| Kinostart | 26.05.2011 |
Ciprian David stellt einen Vergleich zwischen WASTE LAND und den Kunstwerken her. "Mit dem Film passiert dasselbe wie mit den Bildern: Einiges wird plastisch, manches geht verloren, anderes wird mithilfe von Musik oder Dramaturgie verfremdet, so dass sich dem Zuschauer schließlich nur ein flaches Abbild dessen anbietet, was transportiert werden könnte, ein Verkehrsschild, ein transformierter Gegenstand."
Arg parteiisch ist die Sache manchmal für Nino Klingler. Der Filmemacher "sympathisiert so stark mit allen Beteiligten, dass Widrigkeiten stets recht schnell Platz machen für Glückstränen und Momente menschlichen Kontakts. Die Bilder der Mülldeponien, analog gedreht, beeindrucken in ihrer fast ehrwürdigen Rauheit und durch kurze, flüchtige, intime Großaufnahmen von Gesichtern. Ansonsten funktioniert hier alles recht klassisch: Interviews, gestellte Szenen, Observation. Das Ergebnis ist Feelgood-Kino der unerwarteten Sorte, fein geschliffen durch Mobys Elektrosoundtrack. Lucy Walker will uns die Laune nicht vermiesen, sondern Hoffnung ziehen aus einem äußerst unwahrscheinlichen Setting."
José García sah ein vielschichtiges Filmwerk. "Über die Beobachtung der Kunst bei der Arbeit hinaus bietet Waste Land ein Porträt von Menschen am Rand der Gesellschaft, die jedoch nicht als gebrochene Gestalten dargestellt werden. Ihre Würde behalten sie etwa dadurch, dass die „Pflücker“ niemals von „Müll“ oder „Abfall“, sondern stets von „recyclebaren Stoffen“ reden."
Silvia Hallensleben sieht es so: "Die Wirklichkeit dürfte auch hier dunkler und widersprüchlicher aussehen als ihr dokumentarisches Abbild. Doch das stört nicht wirklich, weil Walkers Helden und Heldinnen stärker sind als solche Tricks und die kluge Montage die großen Themen Armut, globale Ungerechtigkeit, Müll und gemeinschaftliche Selbstorganisation so leicht und zwanglos zusammenführt."
Wilfried Hippen sah in Tiao die schillerndste Persönlichkeit auf der Müllkippe. "Der leidenschaftliche junge Mann hat das Charisma eines Arbeiterführers und nicht umsonst fotografiert Muniz ihn in einer Nachahmung des berühmten Gemäldes als den ermordeten Marat in der Badewanne."
Philipp Bühler tut sich etwas schwer mit dem "Hauptakteur". "Muniz' schwer erträgliche Begeisterung für das eigene Werk und die "Transformation" des Lebens durch die Kunst wird ungefiltert wiedergegeben. Oder ist das alles nur gespielt? Am besten betrachtet man den Film als eine fulminante Trickserei, den "Großen Müll-Schwindel" des Vik Muniz."
WASTE LAND versagt laut Tamar Baumgarten-Noort darin, seiner starken Geschichte eine ihr angemessene Bilderwelt entgegen zu setzen. "Stattdessen wird eine Museumsplakette so lange eingeblendet, bis der langsamste Leser seinen Inhalt verstanden hat, eine Arbeiterin befragt, ob dieses Projekt ihr Leben verändert habe, bis die Tränen kullern, und der Künstler trägt allzuoft ein sehr zufriedenes Lächeln. Kein Wunder, daß der Zuschauer vom Sozialprojekt geblendet wird: Filmemacherin und Kamera sind es auch."
"WASTE LAND stellt unsere Vorurteile über Menschen am Rande der Gesellschaft in Frage. Der Film portraitiert seine Protagonisten als Menschen mit Würde und öffnet auf diese Weise das Herz des Zuschauers. Veränderungen sind möglich - mit Mut und Kreativität."
Datenblatt zum Film.