| Regie | Maximilian Erlenwein |
| Kinostart | 25.03.2010 |
Großartig inszeniertes Kino mit nur kleinen Ungereimtheiten, urteilt Nino Klingler über SCHWERKRAFT (
). "Der größte Triumph ist allerdings seine Schauspielführung: Fabian Hinrichs und Jürgen Vogel, aber auch die Nebendarsteller harmonieren perfekt miteinander und mit den Bildern. Schwerkraft ebnet damit einen Weg, den das deutsche Kino allzu selten begeht: Eigenständiges, professionell durchdachtes Erzählen, dass sich weder in formaler noch inhaltlicher Hinsicht vor irgendwem verstecken muss. Besseres, weiter reichendes Entertainment findet man hierzulande nicht."
Fabian Hinrichs brilliert als Möchtegern-Gangster, schreibt Philipp Bühler. "Behende oszilliert SCHWERKRAFT (
) zwischen Studenten-Ulk und großem Kino, Genre und gesellschaftlicher Bestandsaufnahme. Dass die Balance gelingt, liegt auch an der Besetzung. Verliebte Heckenschützen, Pädophile, Hooligans - für seine junge Karriere hat Fabian Hinrichs schon eine beängstigende Reihe von Austickern gespielt. Er ist einer, dem man den Bruch mit der Gesellschaft abnimmt."
Andreas Resch ist begeistert über SCHWERKRAFT (
). "Was Maximilian Erlenweins Abschlussfilm an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin zu einem solch großartigen Erlebnis macht, ist, dass hier beinahe jede Szene als kleine, in sich geschlossene dramatische Einheit funktioniert, ohne dass das Ganze in eine Aneinanderreihung von originellen Einfällen zerbröseln würde. Immer wieder schlagen scheinbar harmlose Situationen ins Groteske um, etwa wenn Feinermann seine ausländische Haushaltshilfe, die nicht wirklich gut deutsch spricht, auf einen Espresso einlädt und ihr dabei vom Selbstmord in der Bank erzählt."
Anarchie, schreit Martin Schwickert. "Ganz dicht liegen hier männliche Allmachts- und Abenteuerfantasien neben den Symptomen von Vereinsamung und fundamentaler Verunsicherung. Im Gewand eines Kumpelfilmes erzählt SCHWERKRAFT (
) von der Krise der Generation 30 plus, die nach einem geradlinigen Karriereverlauf ins Schleudern gerät. Dabei entwickelt Maximilian Erlenweins Tragikomödie anarchistischen Charme und psychologischen Tiefgang, auch wenn hier das Männerfreundschaftsgehabe gelegentlich übersteuert wird."
Martin Hatzius lobt die Darsteller. "Wie Fabian Hinrichs Feinermanns Schizophrenie – jede der drei Seelen in seiner Brust ist krank: die des Bankangestellten, die des Verbrechers, die des Liebenden – verkörperlicht, ist sensationell. Unglaublich überzeugend auch Jürgen Vogel als Vince: ein knallharter, glatzköpfiger, tätowierter Typ, dessen im Inneren versenkter Aufrichtigkeit das Leben keinen Raum geben will. Schließlich Nora von Waldstätten als Nadine: eine isländische Fee. Ihr betörend betrübter Blick scheint immer schon zu wissen, dass das Objekt seiner Sehnsucht in dieser Welt nicht zu finden ist."
Ulrich Sonnenschein hat nur wenig zu bemängeln. "Vielleicht hat man Jürgen Vogel, jetzt auch noch ein Bewohner der Schillerstraße, in letzter Zeit etwas zu häufig gesehen, doch in dieser Rolle des schweigsamen, finsteren Kleinkriminellen ist er einzigartig. Er spielt Fabian Hinrichs allerdings nicht an die Wand, sondern eher gekonnt die Bälle zu, so dass beide zusammen ein wunderbar homogenes und zugleich rätselhaft ungleiches Paar abgeben. Vor allem dadurch, dass Maximilian Erlenwein dem Druck widersteht, alle Einzelheiten seiner Geschichte auszuerzählen, behält sein dunkles Debüt seine Kraft."
Der Film schafft es unterhaltsam und spannend gleichzeitig zu sein, lobt Magali-Ann Thomas. "Er mischt Liebesfilm mit Gangsterthemen und siedelt dieses Gemisch in dem sterilen Bankenmilieu an. Dabei verliert er sich auch zeitweise in klischeehaften Figuren, die der Story ihren realistischen Anspruch rauben. Schade, aber der Film verträgt auch seine Schwächen. ... Ein Buddymovie mit Jürgen Vogel und Fabian Hinrichs, indem echte Freunde und echte Liebe nach vielen Prüfungen ihren Weg finden. Spannend, mit Tempo und ziemlich respektlos wird die Angepasstheit des Seins an den Pranger gestellt. Junges deutsches Kino für ebensolche Zuschauer."
Für Alexandra Wach überzeugt SCHWERKRAFT (
) "durch frühreifes Handwerk, rabiate Komik und einen Sinn für die Vorzüge eines eigenständigen Soundtracks. Dass sein Porträt eines Anzugträgers auf unkonventioneller Selbstsuche jenseits des unterhaltsamen Schauwerts dennoch kaum berührt, liegt vielleicht an der Abgestandenheit seines Zeitgeistes und der Unwilligkeit, ohne Rückgriff auf Klischees an die Schmerzgrenze zu gehen. Dafür hätte sich seine Buddy-Geschichte aber über den Prolog hinaus an die gesellschaftlichen Problemzonen wagen müssen. Die Arbeit am Genre war Maximilian Erlenwein wichtiger. Man verzeiht es ihm gern."
Als tragisch und unterhaltend zugleich bezeichnet Margret Köhler den Film. "Autor und Regisseur Maximilian Erlenwein erhielt für diesen schwarzhumorigen Genre-Mix aus Drama und Thriller, Buddy-Movie und Love-Story nicht nur den Max-Ophüls-Preis, sondern auch den SR/ZDF-Drehbuchpreis. Die Juroren waren angetan von der "absoluten Stilsicherheit" und entdeckten in den besten Momenten des Films gar Parallelen zu den Coen-Brothers. SCHWERKRAFT (
) zieht den Zuschauer jedenfalls nicht runter, sondern macht trotz aller Tragik Laune."
" SCHWERKRAFT (
) ist ein gelungenes Debüt, wenn auch nicht alles daran perfekt ist. Die beiden Hauptdarsteller geben ein interessantes Team ab und entschuldigen auch die zum Teil etwas dünne Story. Zudem vermag der Film ganz klar auch auf visueller Ebene zu überzeugen."
Datenblatt zum Film.
Nikolaj Nikitin wünscht sich nach dem Regiedebüt von Maximilian Erlenwein noch weitere Filme von ihm. "Das Spiel mit Rollen, Klischees und Figurenkonstellationen macht den Reiz des Regiedebüts SCHWERKRAFT (
) aus, das zudem visuell sehr wohldurchdacht und überzeugend temporeich umgesetzt ist. Die Bilder, vor allem der fulminante Anfang und das zum Glück humorvoll-zynische Ende (statt eines moralisch erhobenen Zeigefingers), bleiben einem lange im Kopf."
Sebastian Gosmann bescheinigt SCHWERKRAFT (
) Raffinesse. "Mit Frederik Feinermann konfrontiert uns Maximilian Erlenwein mit einem der komplexesten und interessantesten Charaktere, die der deutsche Film in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Unverhohlen präsentiert er uns gleich zu Anfang seines Langfilmdebüts einen Stalker beim Ausleben seiner Obsession. Damit verleiht er seinem Protagonisten von vornherein den Status eines Sonderlings und veranlaßt den Zuschauer dazu, Frederiks gesamtes weiteres Handeln immer auch im Lichte dieser pathologischen Disposition zu betrachten."
Überblick zum Film auf moviepilot.de
Regisseur Maximilian Erlenwein gelingt der Balanceakt zwischen Darstellung und Verherrlichung von Gewalt, urteilt Hannah Freeman. "Mittels einfachen Techniken und bemerkenswert guter Umsetzung wird Maximilian Erlenweins Werk nicht nur zu einem spannenden Kinoerlebnis, sondern ist auch ein durchdachter Film über einen Menschen, der an seine Grenzen gekommen ist - und mit vollem Bewusstsein diese Grenzen überquert. Maximilian Erlenwein selbst bemerkte in der Q&A Session nach dem Film, dass die Rechnung bezahlt werden muss und dass es auch nicht seine Absicht war, eine Verherrlichung von Kriminalität zu kreieren. Glücklicherweise ist ihm das gelungen, und kombiniert mit einem ausgesprochen gutem Soundtrack, vielen Nachtaufnahmen und kontrastreichen Nahaufnahmen der Gesichter zählt der Film zu einem der besten Deutschen Produktionen der letzten Jahre."