| Regie | Matti Geschonneck |
| Kinostart | 04.03.2010 |
BOXHAGENER PLATZ (
) huldigt nicht der Ostalgie, sondern eher ganz allgemein dem Proletariat, stellt Thorsten Funke fest. "Regisseur Matti Geschonneck ist geschickt darin, diese Atmosphäre irgendwo zwischen Schwank und historischer Akkuratesse zu erschaffen. Neben der Geschichte der DDR und – in der von Michael Gwisdek gespielten Figur – des ihr vorausgehenden Straßenkampfes der, so heißt es häufiger, "wahren Kommunisten", werden auch noch andere Zeiteinflüsse wie die Westberliner Studentenrevolte und der niedergeschlagene Prager Frühling hineingewoben."
Nostalgie und Lokalpatriotismus sind die Zutaten für diesen Kiez-Schwank, meint Philipp Bühler. "Der vielfach ausgezeichnete Fernsehregisseur Matti Geschonneck trifft den richtigen Ton, das ist gar keine Frage. Zur flotten Überzeichnung oder gar zur Ostalgie scheint er geradezu unfähig. Interessant ist diese Liebeserklärung an einen Kiez aber vielmehr als schönes Stück vergessener Alltagsgeschichte. Gezeigt werden die frühmittleren Jahre der DDR als jene Zeit, in der es noch "Alt-Nazis" gab wie im Westen und die wuchtigen Vorkriegsmöbel noch nicht durch Plaste und Sperrholz ersetzt waren."
Der Film punktet mit dem, was Kirsten Riesselmann "angesichts des Untertitels "Ein Berliner Heimatfilm" in Angstlust erwartet: Zeitkolorit, Berliner Originale, Berliner Schnauze, die komödiantische Exploitation des Milljöh-Charakters. In dieser Hinsicht hat BOXHAGENER PLATZ (
) tatsächlich einiges zu bieten. ... Aber hauptsächlich: die wirklich trefflich sitzenden Dialoge. Die notorische Meret Becker, die schlecht gelaunt in der Rolle von Holgers Mutter überzeugt. Und natürlich Gudrun Ritter, von der man schlichtweg nicht genug kriegt, wie sie als Otti in Filzpantoffeln männerweise und alltagsklug durch ihr gar nicht so graues DDR-Leben wieselt."
Daniel Kothenschulte ist begeistert. "Die Stimmung von BOXHAGENER PLATZ (
) ist morbid, aber eine schwarze Komödie ist es dennoch nicht. Es ist ein ganz und gar ungewöhnlicher Film über die DDR, fern jeder Ostalgie und dennoch auf eine bestimmte Weise warmherzig, die man früher volkstümlich genannt hätte. Und doch trifft er die Stimmung aus Unfreiheit und sentimentaler Sehnsucht besser als all seine Vorgänger im Genre des deutschen Erinnerungsfilms ... Tatsächlich ist dies ein Film, der sehr geschäftig von der Stagnation erzählt. Und der - ohne die große Orchestrierung von DAS LEBEN DER ANDEREN - von der unterschwelligen Angst erzählt, die hinter dieser Lähmung stand. Ein wahrlich staatstragendes Gefühl."
Was als Ostberliner Milieustudie anfängt, entwickelt sich bald zum Abgesang auf die Arbeiterklasse, stellt Christian Buß fest. "Statt einem peppigen Erinnerungs-Musical wird hier eher eine Elegie aufs Sterben des Proletariats geboten. Hier bäumen sich noch einmal alte Spartakisten auf; hier erheben sich dahinsiechende Malocher von ihrem Totenbetten, um letzte Schlachten zu schlagen. Nützt natürlich alles nichts. Das Sagen haben auch am Boxhagener Platz längst die adretten Beamten der Staatssicherheit, die den lautstark auftretenden Kiezkumpels mit ausgesuchter, gelegentlich auch schmerzvoll praktizierter Höflichkeit ihren Platz im neuen Sozialismus zuweisen."
Katharina Dockhorn spricht mit Regisseur Matti Geschonneck.
Hier darf gelacht werden, stellt Christina Tilmann fest. "Zwischen Grab und Grenze, Spielplatz und Stasi entwickelt sich eine vermeintliche Krimi-Geschichte, die bald zum Zeitkrimi wird. Studentenproteste in WestBerlin, Prager Frühling, das allgemeine Gefühl der Auflösung, das dann doch noch einmal, für zwanzig Jahre, unterdrückt und in Schach gehalten wird: Mit den Augen eines Zwölfjährigen wird das ganz wunderbar eingefangen. Ein zärtlicher Erinnerungsfilm, es geht nicht um Ostalgie, es geht um vergangene Jugendzeit."
Datenblatt zum Film.
Überblick zum Film auf moviepilot.de
Linksammlung zum Film.
Ricarda Nowak berichtet von den Dreharbeiten.
Jana Haase war bei den Dreharbeiten.