| Regie | Zhang Yimou |
| Kinostart | 2009 |
Marion Pietrzok schließt sich der Meinung der Coen-Brüder an, die A WOMAN, A GUN AND A NOODLE SHOP lobten. "Die Komödie – mit sehr wenig Personal und fast noch weniger Dialogen – ist selbstverständlich kein Historiendrama. Sie ist die universelle, augenzwinkernde Feststellung, dass unser Leben unablässig von Absurdität beherrscht ist: So sehr wir auch glauben, gerade das Richtige zu tun, es ist das Falsche."
Andreas Borcholte ist begeistert von der schreibunten und grandios überdrehten Halunken-Komödie. "Die federleichte ästhetische Fingerübung des zuletzt zu monumentaler Opulenz neigenden chinesischen Regie-Meisters lässt keinen noch so vorhersehbaren Gag aus und schreckt auch vor derben Clownerien und der akrobatischen Anfertigung eines Nudelteigs nicht zurück. Ein kleiner Film, aber ein großer Spaß."
Diedrich Diedrichsen sah eine Kostümgroteske, die in ihrer Künstlichkeit badet. "Man kann dessen Plot zwar mit ein paar archäologischen Handgriffe freilegen, aber während der groteske Überschuss bei den gelungeneren Coen-Filmen immer dadurch zustande kommt, dass es einen komischen Kontrast zwischen plausiblen Menschen und den unplausiblen Situationen gibt, in die sie geraten, ist diese Kostümgroteske nach allen Seiten gleich mittelbizarr. Das Styling ist zwar makellos, aber nun müsste noch etwas passieren mit diesen Klamotten."
Nadine Lange hat sich amüsiert. "Als komische Elemente reichen Zhang Yimou ein bisschen Stolper-Slapstick und ein ulkiges Nebenrollen-Pärchen. Er braucht nicht mal Musik, um A WOMAN, A GUN AND A NOODLE SHOP zu einem wunderbaren Gute-Laune-Film zu machen – von dem es im übrigen noch eine zweite, längere Version mit Extra-Späßen für ein chinesisches Publikum gibt."
"Zhang Yimou hat die Handlung ins historische Nordchina der Kaiserzeit verlegt. In üppigen Bildern und einer bestechend eleganten Inszenierung voller Witz erzählt er die Geschichte des Besitzers eines Nudelimbisses, der einem Profikiller den Auftrag gibt, seine untreue Ehefrau und deren Geliebten umzubringen. Auf überraschende Weise setzt sich auch dieser Film mit dem bisher in dem Berlinale-Wettbewerb dominierenden Thema auseinander: dem Wert der Familie."
Als postmodernisiert bezeichnet Lukas Foerster den Film. "Cross & Double-Cross, wer weiß was, wer beobachtet wen, wer begräbt wen und wer verschläft fast das gesamte Blutbad im Reisweinrausch. Durch welches Fenster gelangt man in welches Zimmer und gegen welchen Kessel stößt man dabei lieber nicht. Immer wieder lauert der Polizist im Keller, immer wieder lauscht der tumbe Riese an der Tür. Zhang Yimou ist ein begnadeter Techniker, das wusste man schon immer und das bestätigt er hier ein weiteres Mal. Erträglicher als der protoimperialistische Prunk, dem sich der Regisseur in seinem letzten Film vor der Olympia-Auftragsarbeit DER FLUCH DER GOLDENEN BLUME (
) befleißigte, ist A WOMAN, A GUN AND A NOODLE SHOP allemal."
Tiziana Zugaro entdeckt "einen erstaunlichen Sinn fürs Skurrile: die Herstellung einer Nudelsuppe gerät zur Akrobatennummer, ein cooler und bis in die Pfeilspitzen korrupter Polizist in Ritterrüstung, der niemals die Miene verzieht, gibt den prototypischen Western-Antihelden: er klirrt mit der Rüstung statt mit den Sporen und hat am Schluss noch einen staubtrockenen Witz auf den Lippen. Die Handlung ist turbulent, es wird betrogen, gemeuchelt und gemordet, immer wieder entsteht neues Chaos, das alle Beteiligten verzweifelt wieder in Ordnung zu bringen versuchen. Am Ende hat sich die alte Ordnung vollständig aufgelöst – und man achte darauf, wer zum Schluss die Pistole in der Hand hält."
Datenblatt zum Film.