| Regie | Nicole Holofcener |
| Kinostart | 08.07.2010 |
Jan van Helt sah ein Märchen. "Das klassische "Es war einmal" hat Nicole Holofcener in PLEASE GIVE (
) durch das New York von heute ersetzt. Statt mittelalterlicher Könige und Schneiderlein machen sich hier gut situierte Village-People auf die Wanderschaft, um ihre drängenden, aber im Grunde geringfügigen Aufgaben des täglichen Lebens zu lösen. Und auch auf eine Moral der Geschichte verzichtet die Regisseurin nicht – zum Schluss hin scheint das Glück in der Besinnung auf die eigene Familie zu liegen. Alex findet sich in seiner Rolle als Ehemann und Vater wieder, und Kate debütiert als gute Fee für ihre Tochter Abby. Das Entlein wird damit zwar nicht gleich zum Schwan, doch eine Verwandlung deutet sich an. Wäre PLEASE GIVE (
) ein Märchen, so stünde dort zu lesen: And all was well."
Daniel Kothenschulte "fühlt sich aber auch ins Hollywood der Dreißiger und Vierziger Jahre versetzt, als kluge Dialogarbeit noch alltäglich war und die "sophisticated comedy" ein eigenes Genre. Und es vor interessanten Frauenfiguren nur so wimmelte. Vor allem aber gab es in Filmen wie DINNER UM ACHT oder HOLIDAY ein soziales Bewusstsein, das heute im Hollywood-Mainstream der romantischen Komödien vollkommen verschwunden scheint. So wie die Antiquitätenhändlerin Kate die Design-Ikonen der Vergangenheit anpreist, könnte man fürchten, Qualität würde heute gar nicht mehr gemacht. Für den Bereich des Films immerhin beweist PLEASE GIVE (
) das Gegenteil."
"Zwar ist das von Regisseurin Nicole Holofcener selbst verfasste Drehbuch, was Rhythmus angeht, keineswegs rund. Zwar überzeichnet es einige Figuren, insbesondere die zwei Schwestern Rebecca und Mary in ihrer Naivität beziehungsweise Ichbezogenheit. Dies machen aber die hervorragenden Schauspielerinnen durchaus wieder wett. Darüber hinaus verknüpft PLEASE GIVE (
) diese bewusst raue Oberfläche mit bedenkenswerten Fragen, etwa in der Nebenhandlung mit Alex’ und Kates pubertierender Tochter Abby (Sarah Steele)."
Carsten Happe ist durchaus angetan. In PLEASE GIVE (
) stimmt "die Balance aus entspannter Alltäglichkeit und psychotischen Aussetzern. Daß die Regisseurin und Autorin ihre Figuren, zuvorderst ihr Alter Ego Kate, eben nicht mit Samthandschuhen anpackt, sondern Widersprüchlichkeiten und Irrationales zuläßt sowie ihre Schwächen augenzwinkernd freilegt, steht PLEASE GIVE (
) ausnehmend gut zu Gesicht. Woody Allen hatte schon schlechtere Tage."
Walli Müller sah mit PLEASE GIVE (
) einen "Film mit vielen starken Momenten, dessen Schwäche es ist, dass er gegen Ende ein wenig versandet. Natürlich: Die angesprochenen Widersprüche sind nicht auflösbar, müssen also stehen bleiben. Es gibt kein Patent-Rezept und keine Moral von der Geschicht, aber damit auch keinen Clou und keine Pointe zum Finale. Fazit: Der Film hebt sich durch unkonventionelle Figuren und sehr sehr bissige Dialoge angenehm von der Kino-Massenware ab und animiert dazu, den eigenen Gerechtigkeitssinn zu hinterfragen. Kein MUST-See, aber ein eindeutiges KANN!"
Übebrlick zum Film auf moviepilot.de
Carmen Böker lobt die Regisseurin. Sie "hat wieder eine angenehm struppige Komödie gedreht, die Widersprüche des Daseins bissig behandelt und konstatiert, dass das Gutsein als großer Plan nicht hinhaut, im Kleinen aber zu tröstlichen Ergebnissen führt. PLEASE GIVE (
) (außer Konkurrenz) hat konventionellen Hollywood-Komödien nicht nur die Wahrhaftigkeit seiner Figuren, sondern auch den Verzicht auf wenig alltagstauglichen Romantik-Schmus entgegenzusetzen. Und noch einen Unterschied gibt es: Im Indie-Kino darf eine Affäre auch mal heimlich bleiben und die Delinquenten werden nicht gleich mit der Moralkeule gejagt."
Eine Zeit lang schaut Christian Schröder "diesen Episoden aus dem Leben von einem knappen Dutzend New Yorker gerne zu. Die Dialoge sind ziemlich schlagfertig, es gibt Witze über Sonnenbänke und die Länge männlicher Schamhaare. Aber für eine Komödie ist PLEASE GIVE (
) viel zu gut gemeint. Böse wird der Humor nie, Konflikte werden schnell gelöst, und die letzten Worte lauten doch tatsächlich "Bitte" und "Danke"."
Für Walter Gasperi legt die Regisseurin "das Hauptaugenmerk vielmehr auf einzelne Szenen und differenzierte Figurenzeichnung. Locker zwischen den fünf Protagonisten hin- und herwechselnd entwickelt dieser Balanceakt zwischen Komödie und Drama dabei dank eines lustvoll aufspielenden Schauspieler-Ensembles und starken Dialogen nicht nur viel Witz, sondern auch Warmherzigkeit. Sehr nahe sind einem diese Protagonisten mit ihren allzu menschlichen kleinen Sorgen und Nöten und ihrer Unfähigkeit wirklich glücklich zu sein. Allzu tiefschürfend und schwermütig wird es dabei freilich nie. Dafür bewahrt Nicole Holofceners dritter Kinofilm eine Leichtigkeit und Sanftheit, die ihn sympathisch macht, die Erinnerung an ihn aber auch ziemlich rasch verblassen lässt."
Elvi Plitt stellt fest: "Hier fällt nie ein böses Wort und obwohl sich durch das Zusammenleben mit ihrer arroganten Schwester und der boshaften Oma wahrlich genug Konfliktstoff bieten würde. Am Schluss bleibt einem das Bild einer im Grunde wieder heilen Familie im Gedächtnis, die nun ihre Wohnung ausbauen kann und die der Teenagertochter endlich die langersehnte Designerjeans für über 200 Dollar kauft. Alles kann ewig so weiter gehen - was es ja vermutlich im wahren Leben auch tun würde."
"Es ist nicht die einzige menschliche Undurchschaubarkeit in diesem Film, der in seinen Dialogen treffenden Humor beweist, insgesamt aber zu unausgewogen anmutet. Kates Wesen wird etwa wesentlich genauer ausgeführt als das von Alex, was seiner Affäre keinen soliden Hintergrund gibt. Rebeccas Liebesgeschichte ist nicht mehr als eine Andeutung. Bleibt da die übliche Quintessenz von Nicole Holofceners Filmen: Stadtmenschen, gleich welchen Alters, ticken eben anders."
Datenblatt zum Film.