| Regie | Robert Epstein |
| Jeffrey Friedman | |
| Kinostart | 06.01.2011 |
Jan-Philipp Kohlmann ist irgendwie enttäuscht. ""Bebildern" ist nun leider der richtige Ausdruck, denn die Animationen lassen nicht einen einzigen eigenen Gedanken erkennen, nehmen jede Metapher des Textes wortwörtlich und machen daraus primitiven Gossenkitsch. Das zerstört, gelinde gesagt, den ganzen Film. Aber am Ende geht es doch eh um Howl, das Gedicht, diesen kräftigen Bastard. Und das ist nicht zu zerstören, nicht durch tausend Gossenkitsch-Animationen. Und wer sich dafür interessiert, sollte es einfach lesen, immer und immer wieder, oder hören, wie Ginsberg selbst es gelesen hat."
Aus Allen Ginsbergs leidenschaftlichem Schmerzens- und Lustschrei HOWL (
) wurde laut Birte Lüdeking ein lahm seufzendes Poesie-Pic mit einem hörenswerten Hauptdarsteller James Franco. "Weder sind die einzelnen Handlungsebenen von Epstein und Friedman einnehmend und einfallsreich inszeniert, noch ergeben sie eine Einheit. Das seichte und trockene Dokudrama war ursprünglich als reine Dokumentation geplant und besitzt jede Menge Quellennachweise, aber zu wenig Dramatik. Die bieten alleine Ginsbergs Text und James Francos Vortrag. Also besser auf das Hörbuch zum Film warten, statt ins Kino zu gehen."
Wie Sven von Reden schreibt, werden prominente Darsteller "bei etwas hüftsteifen Inszenierungen von Schuss-Gegenschuss-Einstellungen unterfordert. Die aus den originalen Gerichtsakten entnommenen Sätze, die die Starschauspieler aufsagen müssen, zeigen - wenig überraschend -, dass in echten Gerichtssälen selten so rhetorisch brillant argumentiert wird wie in den courtroom dramas Hollywoods. Die Argumentationen des Staatsanwalts finden hier keinen Punkt, der Anwalt bohrt nicht richtig nach, der Experte verliert den Faden."
Angestaubt wirkt hier nichts, findet Oliver Heilwagen. "Insbesondere beim Prozess: Mag die Strafverfolgung eines Gedichts heute auch absurd erscheinen – der Kampf für die Meinungsfreiheit und gegen Zensur bleibt aktuell. Das macht der Film deutlich: In Ungarn könnten bald wieder Autoren für ihre Zeilen vor Gericht gezerrt werden. Ihnen beizustehen, ist Pflicht jedes Literaturliebhabers – und HOWL (
) wirklich ein brillantes Gedicht!"
Detlef Kuhlbrodt schreibt: "Rob Epsteins und Jeffrey Friedmans Film HOWL (
) mit James Franco in der Rolle von Allen Ginsberg ist eine vielschichtige Annäherung, die irgendwie verspätet wirkt und versucht, ihre Verspätung durch, nun ja, Akkuratesse einzuholen. Wenn man Originalaufnahmen von Allen Ginsberg hört und sie mit dem Vortrag von James Franco vergleicht, kann man Franco dafür rühmen, dass er der Intonation von Ginsberg tatsächlich sehr nahekommt. Diese Nähe kann einem zugleich aber auch wie ein Verrat an den spontaneistischen Idealen der Beatgeneration vorkommen."
HOWL (
) ist auch Jazzpoetik, wie Julian Bauer schreibt. Der Film entgleitet hier leider in eine furchtbar animierte HOWL (
)-Welt, deren ästhetisches Vorbild William Blakes Malereien zu sein scheinen. Doch die Animationen sind glatteste Disney-Oberfläche und auch die Vertonung hat wenig mit der Jazzpoetik gemein. Doch Howl überlebt diese Verseichtung. Das spricht für das Gedicht, das spricht für den Rest des Films."
Jens Balzer findet das Gedicht abscheulich bebildert. "Das wäre, wenn auch ein wenig langweilig, alles ganz gut und schön, hätten die Regisseure nicht zudem mit dem Comiczeichner Eric Drooker versucht, zu den Lyrikpassagen passende Bilder zu finden. Ohne Unterlass schweben nun schlecht animierte 3D-Figuren in Bonbonfarben und mit Lichteffekten aus der CGI-Software-Resterampe in wilden Kopulationsstellungen durch den Beatnik-Himmel; kommt es durch das Kopulieren zu einem Orgasmus, explodieren die Körper zu Sternenstaub. ... Mag über die Beatpoesie auch die Zeit hinweg gegangen sein - diese Art der migräneerzeugenden Bilderverschmutzung seiner eigentlich ja ganz schönen Sprache hat Allen Ginsberg nicht verdient."
Andreas Resch ist entsetzt: HOWL (
) verkitscht nicht nur den Dichter Allen Ginsberg, sondern auch sein Werk. "Denn es ist schlichtweg langweilig, einem Schauspieler in gefakten Interviews dabei zuzuhören, wie er über die Entstehungsgeschichte von "Howl" redet. Die Gerichtsverhandlung ist da zumindest etwas dramatischer, doch auch hier wird in allzu vorhersehbarer Weise darüber diskutiert, was gute Literatur ausmacht und was nicht. Ebenso sehr stören die vielen missglückten Details. Wenn Ginsberg-Darsteller James Franco "Howl" vorträgt, tut er dies in einer Monotonie, die befürchten lässt, er könne jeden Moment einschlafen. Zudem ist der Vortrag mit computeranimierten Videoclips unterlegt, die mitunter reinster Kitsch sind."
Dieser Film ist ein Spiel. Ohne so richtig ein Spielfilm zu sein, wie Peter von Becker schreibt. "Alles ist Fiktion, aber nichts ist erfunden. Bis auf den Versuch, lauter wunderbar irrlichterndeWorte und Verse zu verfilmen. ... Plötzlich entzünden sich die Worte, wird die Sprache zur Flammenschrift und die poetische Vision zum Animationsfilm mit molochartigen nächtlichen Häuserschluchten, lodernden Maschinen und entbrannten Sexgliederpaaren, mit halluzinierten orgiastischen Menschenpuppen. Sie sind, neben dem Solisten James Franco, das Lebendigste in diesem nur viele wunderbare Worte bewegenden Film."
Egon Günther kann das Ordinäre hören. "Es ist, ich entschuldige mich, keusch gespielt, oder so was. Damit dieser Film eine Handlung wie Kino hat, wurde eine dubiose (Oder gab es die?) gerichtsähnliche Verhandlung anberaumt. Ginsberg im Geiste gegen eine amtliche oder halbamtliche Gerichtsverhandlung angesetzt, die der Ankläger und Befürworter christlich guter Sitten haushoch verliert. Er spielt einen Spießer, das muss man den Regisseuren übelnehmen, es ist dramaturgisch fragwürdig, es ist zu parteiisch. Der Verteidiger Ginsbergs ist ein hochgewachsener toll gekleideter und ein enorm schöner männlicher Mann. Er schafft es, dass Ginsberg als moralisches Wesen sehr gut wegkommt. Er kommt besser weg."
Ekkehard Knörer sagt es unumwunden: "HOWL (
) ist natürlich totaler Quatsch, aber er hat ein, zwei Attraktionen. Quatsch ist er, weil nicht mehr als ein hochgepimpter Fernseh-Schulfilm, kleines ABC der Beat Generation, hipsterköpfiger Breloer. Ursprünglich als Doku gedacht, nun aber mit Spielszenen, die soviel Leben versprühen wie tote Katzen auf den Blechdächern von New York. Illustrationen für Bildstutzige: Der Dichter spricht und sein Gedicht kommt vor Gericht. Erklärungen für Literaturstutzige: Poesie lässt sich nicht in Prosa übersetzen, darum ist es Poesie. Szenenapplaus im Berlinale-Palast (echt!). Dazwischen, auch mal Schwarzweiß, die Liebe, die Fünfziger, aber alles mitgeschnitten aus Interviews und Protokollen. Quellenfetischismus, Geschichtsdummheit. "
"Diese filmische Collage über ein literarisches Werk, seine Publikation und früheste Rezeption ist dabei leicht und mit viel Esprit geraten – es ist ein unglaublich lustvolles Rezitieren, Reden und Streiten über Literatur. Und wenn sich konservative Literaturprofessoren, die als Zeugen vor Gericht geladen sind, in ihre altmodischen Ansichten von «guter» und «schlechter», bzw. wertvoller contra wertloser Literatur verstricken, möchte man gleichzeitig laut lachen (was in der Vorführung auch herzhaft getan wurde) und sich gleichzeitig sich mit Lust und Verve mit in die Diskussion stürzen."
Andreas Borcholte sah ein flammendes Plädoyer gegen die Zensur des Andersdenkenden. "Manch einem Berliner Tageszeitungskollegen war diese kämpferische Collage zwar zu kitschig, aber in Wahrheit funktioniert Epsteins Film wunderbar als aufregender cineastischer Genremix und als sympathische Erinnerung an einen wichtigen Moment der Verteidigung der künstlerischen Freiheit."
Für Christian Westheide ist HOWL (
) "kein Spielfilm, sondern eine Art Dokufiction, die den Versuch unternimmt, die damalige Zeit durch die Texte zu erfassen und die Fackel dieser romantisch-abenteuerlichen, damals jedenfalls experimentellen und dabei sehr amerikanischen Literatur an die nächste Generation weiterzureichen."
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