| Regie | Hans Petter Moland |
| Kinostart | 09.12.2010 |
Leander Ripchinsky sah viel von den Regisseuren Anders Thomas Jensen und Aki Kaurismäki. "Vom Jensen-Universum holt sich Hans Petter Moland die skurrilen, kriminellen Charaktere, deren absurde Begegnungen den Hauptreiz bilden. Und hier wird dem Regisseur die geborgte Langsamkeit Kaurismäkis zum Verhängnis. Die Skurrilität kann nicht ihren endgültigen Witz entfalten. Wo es bei Jensen die Gagdichte wieder wett macht, dass man hier höchst unnatürlichen Menschen zusieht, zieht sich Ein Mann von Welt über weite Strecken wie Kaugummi, das seinen Geschmack verloren hat."
Oliver Kaever ist etwas enttäuscht. "Ganz zum Schluss macht der Regisseur es sich dann endgültig zu leicht und entscheidet sich für ein Ende mit tarantinoeskem Knalleffekt, das die anfängliche Ernsthaftigkeit der Geschichte nach Kräften zu negieren sucht. So schwankt der Film zwischen Tragik, Komik, Groteske und trivialer Genre-Unterhaltung. Und befriedigt so offenbar diffuse Zuschauererwartungen an skandinavische Lakonie: Auf der Berlinale gewann EIN MANN VON WELT (
) in diesem Jahr den Publikumspreis. Trotzdem schade, dass Hans Petter Moland so entschieden effekthaschende Elemente forciert und das Charakter-Drama verkümmern lässt. Die Figur des Ulrik hätte mehr verdient."
Oliver Heilwagen stellt fest: "Norwegen ist das reichste Land der Welt. Dem Regisseur gelingt das Kunststück, den Film aussehen zu lassen, als hätte er ihn in Nordsibirien gedreht. Alle Zimmer sind Dreckslöcher, alle Frauen sagenhaft hässlich, gegessen wird Schlangenfraß, Sex ähnelt Schlägereien. In diesem Jammertal kann Hauptdarsteller Stellan Skarsgard nur brillieren; das wortkarge Drehbuch spendiert ihm auch ein paar gelungene Gags. Doch sie sind so selten wie Bernstein an der Ostsee-Küste."
Dennis Stormer sah mit EIN MANN VON WELT (
) einen Mann auf der Suche nach einem besseren Ego. "Der Hauptdarsteller trägt durch seine bewegungs- und ausdruckslose Mimik die gesamte Handlung mit sich. Eben den gesamten Film im Minimalismus zu gestalten, dann immer wieder völlig auszubrechen, ist als funktionierendes Gesamtkonzept deutlich auszumachen. Die Dramaturgie spielt unter anderem damit, dass in einer Geschichte von grobschlächtigen Gangstern solange alle harmlos wirken, bis der Gebrauch von Gewalt an der Zeit ist; wie diese gezeichnet wird, ist dann unerwartet skrupellos und mehr als übertrieben brutal - etwa, wenn der störende Exfreund danach mit verdreht gebrochenen Armen die Straße herunter läuft und nach Hilfe sucht."
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Schwarzer Humor, der das sein will, geht denkbar anders als dieses kleinbürgerliche, unverhohlen sadistische Derivat, kritisiert Thomas Groh. "Was dabei das Schlimme ist: Der Film ist voller Gewalt - und er interessiert sich nicht die Bohne für sie, jedenfalls nicht weiter als bis zum billigen Lacher nötig. Man merkt hier nochmals nachdrücklich, wie reflektiert etwa der vielgescholtene Quentin Tarantino mit seinen Rachethemen umgeht, welche doppelte Böden er einbaut, welche Reflexionsräume er eröffnet, wenn hier - in stumpfer Logik, dass Gewalt soweit okay geht, wenn sie nur den richtigen trifft - Arme und Nasenbeine gebrochen, Menschen erschossen und in Autopressen zu Klump verarbeitet werden."
Fabelhaft schwarz ist der Film für Carmen Böker. "Die Welt ändert sich immerzu!" beglückt. Und trotz großer Tranigkeit und einer gewissen Schmerbäuchigkeit kann sich Ulrik der Zuneigung einsamer Frauen kaum erwehren. Die Norwegerinnen kommen hier generell sehr umstandslos auf die praktische Umsetzung des Themas Sex, braten den Männern aber vorher gern was auf. Ein paar Fischfrikadellen etwa. An romantischen Abenden gibt es noch Kompott."
Julian Hanich sah eine lakonische Komödie aus Norwegen mit spröden Figuren, kargen Settings und schrägen Humor, der manchmal daneben geht. "Scherze über schlecht einparkende Frauen etwa – die dann auch noch zur Strafe in einer Mülltonne entsorgt werden – gehören selbst in die Tonne getreten. An anderen Stellen ist der Film aber durchaus launig, ja gelegentlich hält er sogar ein paar Lacher bereit. Insgesamt gleicht das Tempo des Films leider gefährlich dem behäbigen Trott seiner Hauptfigur. Leichtfüßig sieht anders aus."
Irgendwie durchwachsen interpretiert Tiziana Zugaro den Film. "Statt großem Drama und Ablehnung scheint der Vater-Sohn-Beziehung ein etwas ungelenker, aber ehrlicher Neuanfang gegönnt. Die hübsche Bürokraft in der Werkstatt ist nur so lange auf Abwehrhaltung, bis Ulrik ihrem gewalttätigen und psychotischen Exmann mal so nebenbei beide Arme bricht. Natürlich wird es dann doch noch kompliziert und turbulent für Ulrik, aber die Dinge entwickeln sich immer wieder aufs neue anders, als man es erwarten würde. Und das ist wunderbar so."
Andreas Borcholte kann dem Film einiges, aber nicht viel abgewinnen. "Regisseur Hans Petter Moland hatte offenbar vor, die skandinavische Variante eines Coen-Brothers-Film zu drehen, was ihm zum Teil mit absurder Komik und trockenen Dialogen sogar gelang. Aber seine sympathische Geschichte über Lust und Leid eines Ex-Knackis hat keinerlei Tiefgang, so dass man sich fragt, was sie im Wettbewerb der Berlinale zu suchen hat. Die größten und herzlichsten Lacher des Festivals konnten Hauptdarsteller Stellan Skarsgard und Regisseur Hans Petter Moland trotzdem für sich verbuchen."
Datenblatt des Films.