| Regie | Pernille Fischer Christensen |
| Kinostart | 03.03.2011 |
Der Film versucht dem Zuschauer Bilder des Leidens auf einem visuellen Silbertablett zu reichen, kritisiert Nino Klingler. "Die Dauer der Sterbeszenen, das quälend intensive Schauspiel Jesper Christensens, die Zerrissenheit der Familienmitglieder: Diese ganzen Inhalte stehen in scharfem Kontrast zu den Bildern, der Musik und vor allem der zu Beginn des Filmes entworfenen Zuschauerhaltung. Das Spiel mit Erwartungen ist sicherlich an sich nicht verwerflich, im Gegenteil kann es zu einer häufig notwendigen Sensibilisierung des Zuschauers im Verhältnis zu seiner kulturellen Verfasstheit eingesetzt werden. Allerdings hat man im Falle von Pernille Fischer Christensens Film den Eindruck, dass hier Form nur zu unserer Beeinflussung verwendet wird, dass die Dänin eine lockere Inszenierung als Lockmittel für die Übermittlung ganz anderer Botschaften einsetzt."
Das ist zwar allzu leicht durchschaubar, aber trotzdem sehenswert, wie Jörn Seidel findet. "Lene Maria Christensen (die Namensgleichheit aller Christensens ist zufällig) spielt die Zerrissenheit ihrer Ditte eindrücklich. Mit herausragender Intensität spielt James Bond-Schurke Jesper Christensen das dahinsiechende, herrische Familienoberhaupt. Dabei verharrt die Kamera immer einen Moment lang über das nötige Maß hinaus auf den Gesichtern der Menschen, um noch ein bisschen tiefer einzutauchen in ihre Qualen und ihr Glück – das Saure und das Süße."
Peter Claus lobt den Film. "Die Kameraführung ist dem angenehm leisen Erzählfluss angepasst. Optische Sensationen bleiben aus. Was sich an Reaktionen in den Gesichtern der Protagonisten abspielt, das ist das Entscheidende. Dazu gibt’s handfeste, knappe Dialoge. Die werden von den durchweg exzellenten Schauspielern unprätentiös serviert. Das Ensemble agiert durchgehend ungekünstelte lebenswahr. Schonungslos werden die Figuren mit dem Sterben konfrontiert – und damit das Publikum."
Carmen Böker hat sich nicht überzeugen lassen. Die Regisseurin "stellt nun aber nicht Dittes Konflikt in den Mittelpunkt, der im Abwägen von Pflichtbewusstsein (sie soll die vor 300 Jahren begründete Bäckerei weiterführen) und Selbstverwirklichung besteht. Stattdessen stellt sie das Leiden, Husten und Verfallen des Vaters in den Mittelpunkt, was zusammen mit der sentimentalen Softpopmusik zur Untermalung den Zuschauer ganz unnötig quält."
Julian Hanich sah ein unaufdringlich-eindringliches Melodram, das durch konzentrierte Beobachtung zurückhaltend gespielter Gefühlsreaktionen fesselt. "Ähnlich wie ihre großartige dänische Kollegin Susanne Bier erzeugt Pernille Fischer Christensen dabei eine klug konstruierte Atmosphäre der Intimität: Die Hintergrundgeräusche bleiben weitgehend ausgeblendet; die Schauspieler flüstern ihre Sätze mehr, als sie zu deklamieren; oft gibt es lange Passagen der Stille innerhalb der Dialoge. Doch diese Stille ist immer höchst beredt – gefüllt mit der eloquenten Sprache der Blicke."
Christian Westheide hat sich von dem Leiden nicht berühren lassen. "Vor lauter Zeitlassen und Dialogvermeidung bleiben die Figuren allzu distanziert, laden nicht zur Identifizierung oder Ablehnung ein, sind einfach Leute, die mit dem Tod eines Verwandten klar kommen müssen. Doch der Alte ist in den 90 Minuten nicht auch unser Verwandter geworden oder die Trauernden nicht Personen, mit denen wir wirklich mitfühlen oder bangen, was nun wohl aus dieser Familie wird. Es ist eine fremde (fremdgebliebene) Familie, von der man erzählt bekommt."
Für Lars Olav-Beier zeigt der Film zeigt ein "so ausgelassenes Familienfest, bei dem alle so fröhlich miteinander tanzen, dass wir das Schlimmste befürchten. Und tatsächlich, es folgt prompt Schwarzfilm, und wir sind todsicher, im Hades wieder aufzutauchen. Aber dann zeigt der Film eben nicht, wie eine Familie zerfällt, sondern sich der Tatsache stellen muss, dass ihr Oberhaupt (Jesper Christensen) todkrank ist. A FAMILY ist ein Film über das Sterben, etwas überladen mit Konflikten und unnötig aufgepeppt mit dümmlichen Pop-Songs, doch tief bewegend in den Momenten, in denen er sich auf das Trauern konzentriert."
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