| Regie | Angela Schanelec |
| Kinostart | 04.11.2010 |
Das ambivalente Verhältnis, das Angela Schanelecs Werk zur Realitätsabbildung pflegt, findet sich darin verändert wieder, wie Frédéric Jaeger schreibt. "Zum einen erlaubt die Regisseurin, die mit zwei Kameras im echten Flughafen bei vollem Betrieb gedreht hat, die Entfaltung einer Dynamik durch die Montage anschließender Bilder, wie sie es bisher weitgehend vermied. Zum anderen erstreckt sich die Dynamik auch auf die Dialoge, von denen die französischen in ihrer lockeren Alltäglichkeit ihrem bisherigen Schreibstil fast entgegengesetzt sind. Nur in den deutschen Dialogen findet sich die eigentümliche Mischung aus gekünsteltem Sprachduktus und banalen Wortwechseln wieder, die man von Angela Schanelec gewohnt ist."
Felix von Boehm und Julian von Lucius sprechen mit Angela Schanelec über ihren neuen Film ORLY (
) und den Einfluss von Räumen auf ihr Kino.
Natalie Lettenewitsch stellt fest: "Was am Ende geschieht, den Eintritt »unvorhergesehener Umstände«, kann man als Einbruch politischer Überwachungsrealität in den geschlossenen Raum verstehen. Der Anlaß ist bei Angela Schanelec nicht entscheidend, es geht ihr um die Reduktion an sich, und die verfehlt nicht ihre Wirkung. Wenn der Lärm sich schließlich legt und der leisen, sonoren Off-Stimme des Briefverfassers weicht, wenn der Raum sich leert und dabei seine Sterilität offenbart, ist er doch noch angefüllt mit Zartheit und Wehmut, mit Schönheit und Traurigkeit. Und mit Hoffnung, denn auch der Weg zurück kann ein Neuanfang sein."
Wolfgang Nierlin lobt Regisseurin Angela Schanelec: "Ihre Bilder wahren eine diskrete Distanz, die zum Einen dem Sujet innewohnt, zum Anderen dem Film seinen Atem, dem Spiel seinen Raum schenkt. Nicht zuletzt darin erweist sich ORLY (
) als ein Film, der die Aufmerksamkeit auf das Detail lenkt und seine Schönheit in der bewussten Konzentration auf das scheinbar Beiläufige findet."
Christina Tilmann sah einen "Abschiedsfilm, in vielerlei Hinsicht. Angela Schanelecs Partner, der Theaterregisseur Jürgen Gosch, ist 2008 verstorben, und wer mag, kann in der magischen Stimme von Josse de Pauw ein spätes Echo entdecken. Aber auch ohne die persönliche Ebene ist ORLY (
) ein Film, der von Verlust und Trauer, und einem zaghaften Neubeginn erzählt. Einer, der Beruhigung findet, im alltäglichen Strom des gedankenlosen Treibens, und dann schockartig ein Ereignis einbrechen lässt, das alles verändert. Für Momente steht die Zeit still – gerade auf einem Festival."
Christina Bylow ist begeistert. "Das alles ergibt keinen Beziehungsreigen, nichts wird hier zusammengeführt zu einem plausiblen Ende. Angela Schanelec komponiert ihren Film wie eine vielstimmige langsame Fuge. Immer wieder nimmt einer das Thema des anderen auf, variiert es, spiegelt es. Die "Berliner Schule", zu deren Protagonisten Angela Schanelec ebenso zählt wie Thomas Arslan, bezieht sich mit ihrem Kino der Langsamkeit und Stille auf Vorbilder der Nouvelle Vague. Mit ORLY (
) ist dieses Kino in seinem Referenzraum angekommen, der längst verlassen ist. Wie der Film die Leere mit Spannung auflädt, sollte man sich ansehen."
Lukas Foerster sah bloße Situationen. "Wie in den vorherigen Filmen der Regisseurin sind die Dialoge kaum funktional, selten geradlinig und nehmen des Öfteren sonderbare Abzweigungen. Außerdem scheint eine Differenz zu bestehen zwischen denen in französischer und denen in deutscher Sprache. Letzteren haftet etwas von der Theatralität an, die man von Angela Schanelec kennt, ersteren fast überhaupt nicht. Aber alle Dialoge sind in jedem Moment eingelassen in den ausschließlich am Set aufgenommenen O-Ton des Flughafens. Genau wie die Bilder einige fast willkürlich erscheinende Figuren aus dem Menschengewimmel filtern, isoliert die Tonspur eine Handvoll fein gedrechselter Dialoge aus den Soundscapes Orlys."
Datenblatt zum Film.
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