| Regie | Thomas Arslan |
| Kinostart | 07.10.2010 |
Nino Klingler ist begeistert. "Alles zusammen genommen ist Thomas Arslans neuester Film nichts weniger als eine beeindruckende Lehrstunde in filmischer Inszenierung. Seine nackte Ausstellung der Genrecodes, bis auf ihre Essenz entschlackt, lässt den Zuschauer erkennen, dass Filmbilder durch Konventionalisierung sprachlichen Zeichenstrukturen sehr, sehr nahe kommen können. Man schaut IM SCHATTEN (
) daher unfassbar bewusst, ist weniger "in der Story", weil diese ja quasi nicht existiert, als, wörtlich, "im Film"."
Christian Schröder ist überaus angetan. IM SCHATTEN (
) "besteht aus lauter Standardsituationen des Genres. Trotzdem entsteht daraus eine ganz neue Geschichte, die immer wieder überraschende Haken schlägt. Trojan ist ein Kämpfer, ein Berufsverbrecher, der sich keinem Chef unterordnet. Misel Maticevic – der Rotlicht-Pate in Dominik Grafs Fernsehserie "Im Angesicht des Verbrechens" – spielt ihn als eiskalten Engel in der Tradition von Alain Delon und Steve McQueen."
Kühl wie Glas ist IM SCHATTEN (
) für Christina Bylow. "All die abgehalfterten Figuren der Halbwelt zwischen Illegalität und sauberem äußeren Schein sind Verwandte des zwielichtigen Ensembles aus dem Film Noir - und dennoch unverkennbar Thomas Arslans Geschöpfe. Karoline Eichhorn als Strafverteidigerin und Trojans Geliebte mit Nebengeschäften; ein behäbiger Hanns Zischler als Drahtzieher in einem Geschäft, an dem die Krise ebenfalls nicht spurlos vorbeigegangen ist."
Daniel Kothenschulte ist begeistert: Der Film funktioniert auf allen Ebenen, als Thriller wie als Kunstfilm und als Städteporträt. Und das ist eine ganze Menge. "Indem Thomas Arslan reelle Orte aus dem gegenwärtigen Berlin zu Bedeutungsträgern des Genrekinos macht, schärft er den Blick für die urbane Ästhetik. Und verleiht vermeintlichen Unorten eine berückende Schönheit. Sich in den Orten umzusehen, ist hier fast wichtiger, als dem Geschehen zu folgen. Die Figuren machen es uns vor. Ständig beobachten sie einander."
"Uncharismatisch legt Misel Matisevic seine Hauptfigur an; auch Uwe Bohm als Polizist, der sich wie ein Mafiaboss aufführt, und Karoline Eichhorn als Anwältin mit krimineller Energie spielen Alltagsverbrecher ohne Glamour. Selbst die Autos, die in IM SCHATTEN (
) viel benutzt werden, sind allesamt ziemlich unverdächtig. Ein Perspektiven-Experiment, das dem Film Noir-Plot von IM SCHATTEN (
) Spannung und Tiefgang verleiht."
Wie Oliver Baumgarten in IM SCHATTEN (
) sehen konnte, macht Verbrechen viel Arbeit. Dies ist "ein waschechter Genrefilm, dessen Coolness und zunehmende Härte ihren Ursprung zwar im internationalen Kino haben, dort aber nicht ansatzweise so lapidare Züge verliehen bekommen wie hier. Ein bemerkenswerter Film also, der seinen Start im Kino verdient hat – ins Fernsehen kommt er schließlich früh genug, wo er womöglich im Schatten der Krimiformate als düster und langatmig verkannt werden wird."
Ciprian David lobt "die künstlerische Essenz des Films. Denn genauso wie die Fensterscheibe in der ersten Einstellung für das Kameraauge Lichtreflexionen entfaltet, die dem kulturell geprägten Auge des Menschen entfliehen würden, so gelingt es Thomas Arslan seinen Film mit feinen Tönen zu bereichern. So werden kleine Details, wie Trojans wunderbar gespielte körperliche Bewegung, seine Gesten, seine Platzierung im Raum, wie die minutenlange Autoverfolgung, oder wie die wenigen Sekunden vor dem Angriff auf den Geldtransport, nicht zuletzt aber auch die manipulierten Objekte zu Bedeutungsträgern, zu integralen Bausteinen eines Kunstwerks."
Für Wolfgang Nierlin zeichnet IM SCHATTEN (
) "die zielgerichteten Bewegungen durch eine Stadtlandschaft auf; dabei erfüllt er als Film die Genre-Codes und findet zugleich einen eigenen, spannungsreichen Ton. Sein verlorener, nicht unsympathischer Held, der zwischen allen Fronten agiert, ist zum Scheitern verurteilt. Trojan verkörpert einen modernen, existentialistischen Sisyphos, dessen Arbeit vergeblich ist und dessen ephemerer Profit wie in einer Art Nullsummenspiel sinnlos zerrinnt. Als einsamer Verfolgter bleibt er auf seiner Reise durch die Nacht mit vager Hoffnung in einem negativen Kreislauf unerlöst gefangen."
Philipp Bühler ist überaus angetan. "Stoisch wie Trojan bewegt sich der Film zwischen Einkaufsstraße und Baumarktareal - in dieser Gangsterwelt, realer als die Realität, hat das Verbrechen von vornherein keinen Glanz. So trostlos sind die menschlichen Beziehungen und so kalt die Architekturen, dass Arslan die Bilder nicht weiter einfrieren muss, wie er es sonst gern tut. Für seine Verhältnisse ist es ein fast hektischer Film. Doch es ist auch ein Film, in dem sich, wie in den berühmten französischen Vorbildern, äußere Bewegung und innerer Stillstand gegenseitig bedingen."
Bert Rebhandl sah einen entschleunigten Thriller. "Für Thomas Arslan ist IM SCHATTEN (
) in gewisser Hinsicht eine Abkehr von dem zuletzt verfolgten Prinzip zunehmend reduzierter Geschichten (DER SCHÖNE TAG) und die Rückkehr zu einer an Genrekonstruktionen orientierten Erzählweise. Aber die Interessen bleiben die gleichen: Ihm ist vor allem daran gelegen, eine Stadt zu filmen, durch die sich Menschen bewegen. Alle Vorhaben werden an anonymen Orten besprochen, auf Parkplätzen oder in Hotelzimmern. Nach der Besprechung wird das Vorhaben neu definiert, man trennt sich von Partnern, handelt die Minimalbedingungen aus, wägt die Optionen ab."
Mit IM SCHATTEN (
) hat Thomas Arslan einen Film noir wie aus dem Lehrbuch gedreht, und Michael Kohler "staunt, wie perfekt der Gestus des distanzierten Beobachtens zum Milieu der konspirativen Gangster passt. Dabei liegt die Verbindung so nahe: In einer Welt, in der sich alles ums Sehen und Nicht-Gesehen-werden dreht, ist der unbeteiligt wirkende, aber stets hoch konzentrierte Blick der Berliner Schule in seinem Element. Und weil sich auch das Ensemble um Miel Matievi und den gespenstischen Uwe Bohm keine Blöße gibt, kann man nur hoffen, dass Thomas Arslans Thriller die Grenzen des Kunstfilmghettos auch in kommerzieller Hinsicht überwindet."
Das Brillante an dem Film ist laut Steffen Wagner "der Rhythmus, den Trojan vorgibt. Seine Pläne und Aktionen entfalten eine Dynamik, die nicht mehr aufzuhalten ist. Trojan ist der professionellste Kriminelle seit Jef Costello. Die Mechanik des Verbrechens hat in Im Schatten eine ungeheure Faszination, nicht obwohl, sondern gerade weil sie so alltäglich daher kommt. Der Zuschauer sitzt im Kinosessel und denkt: Genauso kann es funktionieren, aber wird es auch funktionieren? Die Anspannung überträgt sich von der Leinwand. Schließlich geht es um viel, eigentlich um alles - um die Existenzgrundlage und die Freiheit."
IM SCHATTEN (
) erzählt von mittelmäßigen Menschen. Aber der Film ragt weit über jedes Mittelmaß hinaus, lobt Julian Hanich. "Ein Grund: Arslans elliptische Erzählweise, die sich bis in den ausdrucksarmen Schauspielstil hinein verfolgen lässt. Wo viel ausgelassen wird, muss der Zuschauer selbst mit Imaginationsauffüllungen tätig werden. Zum anderen liegt es an einem ästhetischen Prinzip, für das der amerikanische Kunsttheoretiker Michael Fried den Ausdruck „Absorption“ populär gemacht hat: die Darstellung von Figuren, die tief in ihren Handlungen versunken sind – und denen deshalb jede distanzierende Theatralität abgeht."
Lukas Foerster ist begeistert. "IM SCHATTEN (
) nun braucht keine Berlinpostkarten in der Totale, keine Skyline, die den Schauplatz top down definieren, statt dessen entsteht die Stadt bottom up, Einstellung für Einstellung, in der Bewegung Trojans durch sie hindurch. ... Der Heist-Film ist Bewegungsbild par excellence und IM SCHATTEN (
) ist ein Heist-Film par excellence: Wer bewegt sich wann wohin, wie lange braucht er dafür, wie lässt sich Synchronität herstellen, wie synchrone Intervalle."
Datenblatt zum Film.
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