| Regie | Carolin Schmitz |
| Kinostart | 28.07.2011 |
Sascha Keilholz stellt fest: "Die Krankheit kommt aus der Mitte der Gesellschaft, ist mitten unter uns und bleibt doch weitestgehend unsichtbar. Mehr noch: Sie bleibt unerklärbar, egal, was die Protagonisten von sich preisgeben. PORTRAITS DEUTSCHER ALKOHOLIKER wird seinem letztlich sehr klugen Titel und den Idealen der Dokumentation gerecht: Er beobachtet und stellt dar, ohne Erklärungsversuche. Genau deshalb vergeht einem nach diesem Dokumentarfilm die Lust auf ein Glas Wein, weil er uns genauso wenig Erklärungsangebote wie Distanzierungsmöglichkeiten liefert und uns letztlich alle betrifft."
Detlef Kuhlbrodt weiß nicht, was trostloser ist, "die Umgebungen der heimlichen Trinker" oder das heimliche, einsame, meist hastige Trinken". "Diese sauber inszenierte Trostlosigkeit wird noch dadurch verstärkt, dass alles nur in einer Gesellschaftsschicht spielt, der westdeutschen Mittelklasse, dass das Trinken kein Ausbruch, sondern Rückzug ist und gleichzeitig das Mittel, das man nimmt, um in diesem Rahmen funktionieren zu können."
Die Regisseurin will mit diesem Film kein Mitleid erregen, wie Helen Germann feststellt. "Ihr Film erschüttert vielmehr dadurch, dass Menschen offen und reflektiert darüber sprechen, welche Strategien sie entwickeln, um ihre Sucht parallel zum normalen Leben führen zu können. ... Stellenweise ist es schwierig, die Geschichten der Betroffenen den wechselnden Stimmen zuzuordnen. Dennoch entsteht der Eindruck, man habe in kürzester Zeit sechs Leben kennengelernt. Und das mit einer Offenheit und Klarheit, die beeindruckt, selbst wenn man das Kino schon längst verlassen hat."
Ralf Schenk bleibt PORTRAITS DEUTSCHER ALKOHOLIKER nachhaltig im Gedächtnis. "Das Ungewöhnliche an Carolin Schmitz' Dokumentarfilm ist, dass man die Trinker nie sieht, nur hört. Während sie über sich und ihre Krankheit reden, fährt die Kamera an schmucken Reihenhäusern entlang, zeigt moderne Fabrikanlagen, hochautomatisches Gerät, Stempel auf einem Schreibtisch in Reih und Glied. Und freundliche, friedliche Landschaften; ein abgezirkeltes Deutschland, bisweilen futuristisch anmutend und fast menschenleer, ein "sauberes" Land, gäbe es da nicht die Abgründe, Untiefen, das Unwägbare in den Lebensläufen seiner Bewohner."
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