| Regie | Mamoru Hosoda |
| Kinostart | 12.08.2010 |
"Aus europäischer Sicht wirkt die Internetwelt „OZ“ – wo der klassische Zeichentrick mit imposanten 3D-Animationen erweitert wird – natürlich noch fantastischer. Dennoch darf man SUMMER WARS (
) zu den eher zugänglichen Animes zählen. Es ist ein wohl überlegter Film mit faszinierender Optik sowie pathetischer aber schöner Musik, der Spannung erzeugen, zum Lachen bringen und berühren kann und sich den Kitsch immerhin bis ganz zum Schluss aufhebt. Dieses facettenreiche Filmerlebnis hat es jedenfalls verdient, neben TOY STORY 3 (
) in der Nominierten-Liste des Oscars in der Kategorie "Bester Animationsfilm 2010" aufzutauchen."
Dietmar Kammerer hat erfahren, "wie spektakulär schön es aussehen könnte, wenn das Alltagsleben der Menschen tatsächlich einmal im Internet aufginge. Das heißt im Film kurz "Oz" und ist noch bonbonfarbener und aufregender als das zauberhafte Land hinter dem Regenbogen. Hier ist alles möglich, wenn es nur knallig bunt und niedlich daherkommt. ... Und weil jeder Avatar so aussehen darf, wie sein Nutzer oder seine Nutzerin das für richtig hält - ob Mensch, Tier, Comicfigur oder kulleräugiges Dingsda -, sind der Verspieltheit keine Grenzen gesetzt."
Michael Schulz nennt SUMMER WARS (
) einen Film für die Generation Facebook. Er ist "temporeich und spannend erzählt, setzt sich also durchaus kritisch mit der virtuellen Lebenswelt auseinander. Wenn zwischen den Kämpfen in OZ und dem idyllischen Landgut der Familie hin und her geschnitten wird, erscheint die natürliche Landschaft eindeutig lebenswerter als jede aus Bits und Bytes nachgebaute Welt. Diese Einstellung spiegelt sich auch in der Machart des Films wider. Computeranimationen à la Pixars TOY STORY 3 (
) gibt es nicht. Vielmehr sind die handgezeichneten Figuren und Hintergründe ein Liebesbeweis an den Zeichentrickfilm des ganz und gar analogen Zeitalters."
Ekkehard Knörer stellt fest: SUMMER WARS (
) ist der "Reißbrett-Entwurf auf hohem Niveau der Diskursarchitektur einer sehr gegenwärtigen querelle des anciens et modernes. Man sieht an SUMMER WARS (
), wie selbstverständlich die japanische Anime-Kultur, anders als Pixar und Disney am anderen Ufer des Pazifik, komplexe, an Erwachsene gerichtete Geschichten erzählt. Dass das Versöhnungsprojekt möglicherweise nicht auf jeder Ebene auf der Höhe seiner eigenen Ansprüche ist, macht es dabei eher noch zusätzlich interessant."
Einen neuen König des Anime-Films entdeckt Rüdiger Suchsland. "Gemessen am visuellen Wagemut und an den Verrücktheiten, die man von Animationsfilmen aus Japan in den letzten Jahren schon gewohnt war, stellt SUMMER WARS (
) trotzdem etwas Neues und höchst Besonderes dar. Denn unter der Oberfläche ist dies ein Stück Zeitdiagnose, eine bemerkenswerte, einfallsreiche, kluge Reflexion unserer Gegenwart, die sich nicht in billige Auswege flüchtet."
Es ist für Dorothee Tackmann "nicht einfach, die vielen explosiv-aggressiven Figuren auseinanderzuhalten. Permanente helle Untertitel und das Springen zwischen den Erzählebenen erschweren es, beim ersten Zuschauen alles zu erfassen, der Film mit der Schnelligkeit eines Videospiels eignet sich möglicherweise besser für DVD, seine spielerische Kritik zielt ja auf alle Nerds, die ungern ihren Computer allein lassen. Dreimal wurde SUMMER WARS (
) als bester Animationsfilm ausgezeichnet: auf dem Internationalen Filmfestival in Sitges, von den japanischen Mainiche Film Awards und von der Japanese Academy."
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Jochen Werner lobt die Art der Inszenierung. "Das stetige Umschalten zwischen dem opulenten, detailverliebten Design der immer stärker zersprengten Welt von OZ und der impressionistisch gezeichneten Naturkulisse im paradiesisch anmutenden Nagano wirkt zwar zunächst ein wenig verschroben, aber auch stets glasklar und völlig unangestrengt. Beide Ebenen der Erzählung – ergänzt noch durch mindestens eine weitere in Form eines im TV übertragenen Baseballspiels, dessen Kameras seltsam personalisiert scheinen – fließen immer wieder nahtlos ineinander, bis sie schließlich ganz organisch als unterschiedliche Ebenen einer erzählten Welt erscheinen."
Als quirliger Familienunterhaltungsfilm, der SUMMER WARS (
) sein will und - laut Thomas Groh - "auch ist, ist er immer dann am schönsten, wenn er gerade mit dem Spannungsverhältnis zwischen peripherer Provinz und strahlend urbanistischem Webwelt-Zentrum hantiert. ... Etwas schade ist es deshalb, dass SUMMER WARS (
) sich zum Ende doch eine Spur zu sehr im Anime-Exzess verliert. Das Schachspiel mit dem Tod wird zum Kartenspiel unter digitalästhetisch hochgerüsteten Bedingungen, die Accounts zu Seelen, die es dem Gegner mit List abzuluchsen gilt. In diesen Momenten zerplatzt der Film und erliegt seiner eigenen hysterischen Kirrigkeit vollends."
Rüdiger Suchsland ist begeistert. "Vor allem aber ist dies visuell eine Reise in neue Dimension: Mamoru Hosoda entfaltet einen Wirbelsturm aus Zeichen, bietet ein paar bisher ungesehene Anime-Bilder und lässt den Zuschauer dabei begreifen, was die Existenz virtueller Parallelwelten wirklich bedeutet, vor allem wenn sich die eine Welt mit der anderen vermischt. In dieser Hinsicht ist SUMMER WARS (
) der bessere AVATAR (
), und im Gegensatz zu James Camerons etwas banalem Welterfolg ontologisch tatsächlich auf der Höhe seines Themas."
Nino Klingler ist trotzallem angetan. "Bei aller Wildheit gelingen Mamoru Hosoda dabei immer wieder Momente, in denen sich das Aufeinanderprallen der Generationen und ihrer Lebensphilosophien brutal konkretisiert, etwas wenn Großmutter den düsteren Wabisuke, Programmierer des gefährlichen Virus, mit einer naginata, der traditionellen Hellebarde für Frauen, bedroht. Die Szenen im OZ-Netzwerk nerven mit ihren schaubildartigen Visualisierungen zwar manchmal (da war GHOST IN THE SHELL eleganter); und der diffuse Nationalstolz, der die japanische Familie zu Weltenrettern stilisiert, stimmt etwas ratlos. Aber für Animefreunde gibt es auf der Berlinale trotzdem keinen Weg um Mamoru Hosodas kleines Meisterwerk herum."
Eindrucksvoll ist laut Björn Lahrmann "Mamoru Hosodas Kontrolle über sein romanhaftes Ensemble, in dem jede Figur ihren festen Platz hat, wunderbar auf den Punkt gebracht in einem lateralen Tracking Shot, der auf Sitzhöhe an den einzelnen Mitgliedern des Jinnouchi-Clans vorüberführt. Oz dagegen, das in seiner abstrakten Dimensionslosigkeit zugleich flach und unendlich tief wirkt, weiß Mamoru Hosoda für einige entfesselte Actionsequenzen urbar zu machen. Nach dem fantastischen DAS MÄDCHEN, DAS DURCH DIE ZEIT SPRANG ist ihm somit ein weiterer, zeitgemäß hybrider Spaß gelungen, der bei aller formalen wie narrativen Komplexität vollkommen mühelos vorbeirauscht."
"SUMMER WARS (
) hat alles richtig gemacht, was er richtig machen kann. Gute Geschichte, grossartige Animationen, nachvollziehbares sowie schlüssig umgesetztes Szenario und sympathische Charaktere. Zudem hat es mit Kenji einen tollpatschigen aber auch menschlichen Anker, mit dem man auch gerne auf das Abenteuer geht. Wer sich also nicht von der Manga-Natur abschrecken lässt und wieder einmal eine wilde Achterbahnfahrt mit viel Witz und Spannung erleben will, der ist hier genau richtig."