| Regie | Scott Cooper |
| Kinostart | 04.03.2010 |
Thorsten Funke sah in CRAZY HEART (
) ein eindrucksvolles Portrait eines alternden Countrysängers, auch wenn der Film nach Schema F erzählt. "Dass man solche Geschichten (einschließlich der obligatorischen großen Krise kurz vor Schluss) schon sehr oft gesehen hat, ist schade, weil es deutlich zeigt, wie tausendfach erprobte erzählerische Standards aus individuellen Schicksalen die immer gleichen Bausteine machen. Es ist eben im Film doch nicht jeder auf seine eigene Art unglücklich. Dem Vergnügen an Crazy Heart schadet das aber kaum."
Bert Rebhandl hat sich vom Hauptdarsteller nicht überzeugen lassen. "Wie Scott Cooper diesen Absturz inszeniert, das zeugt von großem filmischen Verstand, und es hilft ihm auch ein wenig über das Problem von CRAZY HEART (
) hinweg: Jeff Bridges, der Hauptdarsteller, ist nämlich viel zu gut in Form für diese Rolle. Dass er auf dem Zahnfleisch ginge, nimmt man ihm trotz fettiger Haare nicht so recht ab. Er scheint es selbst zu wissen, denn er spielt den kaputten Typen mit allerlei Manierismen, mit einem Wort: Er übertreibt. Nur an manchen Stellen gelingt es, Jeff Bridges wirklich alt aussehen zu lassen."
Birgit Glombitza sieht, "wie gut Jeff Bridges sich darauf versteht, sein Spiel aus der reinen Reaktion oder der abgebrochenen Geste zu entwickeln. All die habituellen Umständlichkeiten, mit denen er auf einem Barhocker Platz nimmt, oder die seltsame Schleife, die sein Handgelenk macht, wenn er sein Whiskyglas vom Brustkorb auf den Nachttisch befördert. All die unkontrollierten Ausbreitungen seines Körpers, wenn er sich zum Reiern über einen Mülleimer hängt oder die Toilette verfehlt. In jedem Fleck seiner Kleidung spiegeln sich die physischen Effekte seiner Selbstaufgabe wieder."
Der Film lässt kaum ein Klischee aus, angefangen mit der eher schematischen als wirklich glaubwürdigen Charakterzeichnung seiner Protagonisten, kritisiert Christian Schröder. "Blake ist der Prototyp des einsamen Wolfes, der sich vor Nähe fürchtet und in der patenten, lebenslustigen Journalistin seine Lebensretterin entdeckt. Eine Beziehung als Therapie-Ersatz, unterlegt mit der herzzerreißenden Ballade "If I Needed You" vom Country-Songwriter Townes Van Zandt, der sich zu Tode soff. Dass CRAZY HEART (
) dennoch ein herausragender Film geworden ist, liegt am Hauptdarsteller."
Jeff Bridges spielt Bad Blake mit einer Intensität, die beim bloßen Zuschauen bei Katja Lüthge zu Kater und extrem trockenem Mund führt. "Nicht zuletzt mit seinem schwitzenden massigen Körper erinnert Jeff Bridges als Bad Blake an die beeindruckendste männliche Loser-Figur der letzten Jahre, an Mickey Rourke in THE WRESTLER (
). Aber so wenig Jeff Bridges im Gegensatz zu Rourke für seine Rolle tatsächlich aus dem Sumpf gezogen werden musste, so wenig konsequent erzählt CRAZY HEART (
) die Geschichte des Niedergangs zu Ende. Wahrscheinlich ist es eben doch einfach von Vorteil, für den Lebensunterhalt zu singen anstatt sich zu prügeln."
Es gehört einiges dazu, dem wandelnden Klischee eines heruntergekommenen Musikers Glaubwürdigkeit und Grazie zu verleihen, schreibt Andreas Borcholte. "Jeff Bridges gelingt dieses Kunststück vor allem durch das Weglassen übertriebener Gesten. Die Trauer über den Verlust alter Größe, die Scham über die eigene Schwäche, der tägliche Kampf gegen den inneren Schweinehund auf der nächsten kleinen Bar-Bühne im Nirgendwo, das Saufen, Rauchen und der körperliche Verfall - für all das braucht Jeff Bridges kein übertriebenes Method Acting, es reicht ein Blick in seine müden, blassblauen Augen, ein Blick auf seine manchmal schief heruntergezogenen Mundwinkel, seine schlaffe Unterlippe; ein Blick auf seine trotz aller Hünenhaftigkeit zusammengesunkene Statur."
Markus Hablizel ist vin den Schauspielern begeistert. "Jeff Bridges ist brillant in der Rolle des Bad Blake und nicht umsonst für einen Oscar für die beste männliche Hauptrolle nominiert. Maggie Gyllenhaal in der Rolle der jungen Journalistin Jean Craddock wurde für die beste weibliche Nebenrolle mit einer Nominierung belohnt. Doch nicht nur Jeff Bridges ist wie für die Rolle geschnitzt, auch Robert Duvall in der Rolle eines Barbesitzers, Anglers sowie Blakes besten Freundes sitzt perfekt. Man weiß nicht genau wie, aber irgendwie schaffen es die beiden, die in die Jahre gekommene Karre ihres Lebens nicht komplett vor die Wand zu fahren, und wissen insgeheim, dass es nie zu spät ist, es doch noch einmal zu versuchen."
Ohne Jeff Bridges ist CRAZY HEART (
) für Marcus Wessel undenkbar. "Der demnächst höchstwahrscheinlich fünffach Oscar-nominierte Bridges erschuf eine Figur, für die man ihn noch lange in Erinnerung halten wird. Seine vollkommen uneitle, punktgenaue Darstellung geht weit über das hinaus, was gemeinhin unter dem Schauspielbegriff subsumiert wird. Hier lebt jemand ein anderes Leben, an dem wir als Zuschauer zumindest in Ausschnitten teilhaben dürfen. Bad, so wie Bridges ihn portraitiert, wird schon bald zu einem guten Freund, den zu verabschieden sichtlich schwer fällt."
Linksammlung zum Film.
CRAZY HEART - imdb.com
CRAZY HEART - moviepilot.de
CRAZY HEART - filmmag.de
CRAZY HEART - mojoba.de