| Regie | Detlev Buck |
| Kinostart | 21.01.2010 |
Bens Backpackertour nach Asien mit Freund und Mitbewohner Ed ist seine erste Reise in die weite globalisierte Welt. Die Begegnung mit Sreykeo entführt ihn in die Wirklichkeit von Phnom Penh. Sreykeo ist lebenslustig, offen und aufgeschlossen, dabei macht sie Ben nichts vor. Dann erfährt Ben von Sreykeo, dass ihr chronischer Husten nicht von einer Mandelentzündung herrührt, sondern ihr Körper durch eine HIV-Infektion geschwächt wird. Ben macht einen Test und ist erleichtert: negativ. Trotzdem fällt er in ein tiefes Loch: Was soll er tun?
Tobias Haupts bezeichnet SAME SAME BUT DIFFERENT (
) als einen ruhigen, technisch brillanten Film "über die Liebe und die Opfer, die man bereit ist in ihrem Namen zu erbringen. Doch auch wenn Detlev Bucks Film dabei nie in Kitschgefahr gerät, wird die Motivation der Protagonisten nicht immer verständlich. Wie auch Ben und Sreykeo sich nur auf Englisch unterhalten, hat auch der Zuschauer das Gefühl "irgendwo dazwischen" zu bleiben, ohne wirklich dabei zu sein. Auf diese Weise kann ein Drama nur wenig mitreißen."
Leider kann SAME SAME BUT DIFFERENT (
) die Liebesgeschichte über die kulturellen Unterschiede hinaus nicht plausibel machen, kritisiert Anke Westphal. "Vielleicht ist das zu viel verlangt; vielleicht mag man einfach nur nicht glauben an Bens Naivität. Vielleicht erhält sich aber gerade in diesem Unerklärten die Wucht der Fremdheit. In Phnom Penh läuft Rammstein in der Disco, und über den Slums weht ein Schubert-Lied. Detlev Buck und seine Drehbuchautorin Ruth Toma haben einen autobiografischem Roman von Benjamin Prüfer fürs Kino adaptiert. Detlev Buck wollte schon lange mal einen Film nur über die Liebe drehen, und während der Dreharbeiten wurde ihm dann mehr und mehr bewusst, dass die Liebe zwischen den Menschen mit der Verantwortung wächst - und dass Liebe vor allem Arbeit ist."
Jan Schulz-Ojala "stößt sich der Drang zu sozialer Prägnanz, der sich vor allem in den Bildern aus Kambodscha ausdrückt, an einer gewissen Zuckrigkeit der Liebesgeschichte und am angestrengt satirisch gegengeschnittenen deutschen Milieu, das den Helden Ben umgibt. Seien es die Rucksacktypen, seien es seine Freunde, Kollegen oder der Bruder in Hamburg: Anders als der sensible, leidgeprüfte Ich-Erzähler werden sie ganz überwiegend als Deppen gezeichnet."
Katja Lüthge ist enttäuscht. "So legitim auf der einen Seite die literarische Fokussierung der Betroffenen auf ihre reibungsreiche Zweisamkeit ist, so unehrlich und unangenehm wirkt in SAME SAME BUT DIFFERENT (
) auf der anderen Seite das Vermauscheln jeder Andeutung vom Ausmaß der Ausbeutung und Brutalität, die Prostitution gerade auch in Kambodscha bedeutet: Ein Land, in dem sich HIV und Aids laut Kinderhilfswerk Unicef rasant ausbreiten, ohne dass medizinische Hilfe finanzierbar wäre."
In Pnom Penh zeigte sich das Publikum wenig interessiert an der Liebesgeschichte, weiß Tilman Baumgärtel zu berichten. "Nach der Premiere ist keiner der Studenten aus der Crew sonderlich begeistert. Vor allem die Tatsache, dass die Hauptrolle von einer Thailänderin gespielt wird, die die Landessprache Khmer nicht einmal ansatzweise beherrscht, verärgert alle. Irritiert ist man von einer Szene mit einem alten Mann im Lendenschurz, der dem deutschen Rucksacktouristen den Weg weist: "Solche Leute gibt es kaum noch.""
Die Kraft des Films entsteht vor allem daraus, dass er äußerst sparsam erzählt und fast nichts erklärt, meint Wolfgang Höbel. "Stattdessen unterlegt Detlev Buck seinen Film mit einer drängenden, wehmutssatten Musik, man hört Songs von Konstantin Gropper, Noir Désir, Cat Power und einmal sogar Franz Schuberts "Leise flehen meine Lieder". Der Regisseur scheint zu ahnen, dass sich die Sehnsucht seiner beiden Liebenden auf etwas richtet, das die Kamera niemals einfangen kann. Möglicherweise ist es das Glück, sich entschieden zu haben, wo der eigene Platz ist in einer mit oft unerträglicher Leichtigkeit gesegneten Welt."
Evelyn Vogel ist angetan. "Detlev Buck ist mit SAME SAME BUT DIFFERENT (
) ein anrührend-intensiver Liebesfilm gelungen, in tollen Bildern und ohne falsche Töne. Weder lässt er sich auf übersteigertes Pathos ein, noch versucht er mit schrägem Humor gegen die Emotionalität dieser ungewöhnlichen Liebesgeschichte anzugehen. Darüber hinaus hat er auch ein schönes Sitten- und Genrebild der kambodschanischen Gesellschaft und der westlichen Backpackerszene geschaffen."
Obwohl die bis in die Nebenrollen treffsicher besetzten Figuren überzeugen, herrscht hier eine gewisse dramaturgische Ödnis, kritisiert Cosima Lutz. "Abgesehen von ein paar schönen Detlev Buck-Gags, die nie auf Kosten des Paares gehen, bleibt Detlev Buck respektvoll auf Distanz, sichtlich bemüht, keine verschwitzte Helfersyndromgeschichte mit postkolonialistischem Anstrich zu erzählen. Wie Sreykeo anfangs in Zeitlupe über einen nächtlichen Platz schreitet, fast wie einst Maggie Cheung beim Suppenholen in IN THE MOOD FOR LOVE, da verrät Detlev Buck viel über seine Liebe zu dieser lauteren Geschichte, auf die er sich ganz konzentriert."
Das kann man dumm oder kitschig finden, stellt Birgit Glombitza fest. "Und man kann sich fragen, warum Buck für die Zuspitzungen in seinem Reich der Seligkeit Kambodscha, Prostitution und Aids bemühen muss. Aber eines muss man dem Regisseur lassen, und das ist sein unermüdlicher und beeindruckender Versuch, sich neu zu erfinden. Anders als in KNALLHART versucht er es kameraoptisch dieses Mal auf die sanfte Tour. Mit weichen Bewegungen, sanftem Licht und bunten, verwischten Reflexen, wie man das aus den frühen Filmen Wong Kar-Wais kennt. Man merkt SAME SAME BUT DIFFERENT (
) die Auseinandersetzung mit dem asiatischen Kino an, das Bemühen, für die unterschiedlichen Länder und Kulturen eine eigene Filmsprache zu finden."
Bert Rebhandl entdeckt einige Probleme an SAME SAME BUT DIFFERENT (
). "Das innere Leben muss im Kino immer eine Außenseite haben, Entscheidungen müssen stärker aus einem Kontext heraus getroffen werden, die Verzauberung der Liebe muss sich im Bild erst durchsetzen. Und so zerfällt SAME SAME BUT DIFFERENT (
) sehr schnell in Momentaufnahmen, die immer wieder an den Rand der Karikatur geraten - vor allem die Szenen in Deutschland, wohin Ben zwischendurch mehrmals zurückkehren muss, wirken seltsam entstellt im Gegensatz zu den betont leuchtenden Szenen von einem Landbesuch Bens bei Sreykeos Familie in Kambodscha."
Überblick zum Film auf moviepilot.de
Linksammlung zum Film.
Sebastian Handke entdeckt die Botschaft von SAME SAME BUT DIFFERENT (
): Junge Menschen sind auch heute noch romantisch. Aber sie sind es auf lasche Weise. "Man kann es gut finden, dass Buck die wahre Geschichte nicht mit falschem Drama aufplüscht – das Paar lebt heute in Kambodscha und hat inzwischen ein Kind. Aber ein Film, besonders ein Liebesfilm, wird nicht besser durch die Fehler, die er vermeidet, sondern durch die Risiken, die er sucht. Mit seiner vorsätzlichen Erregungsvermeidung hinterlässt SAME SAME BUT DIFFERENT (
) leider einen blassen Eindruck."
Laut Peter Claus polarisierte SAME SAME BUT DIFFERENT (
) in Locarno.
Einige Zustimmung wird SAME SAME BUT DIFFERENT (
) gewiss sein, meint Günter H. Jekubzik. "Die Klischees der Prostitution in Südostasien sind ein Problem nicht nur für Ben, sondern auch für den Film. Einige Kritiker beschwerten sich, Bens Verhalten sei naiv und unrealistisch. Doch es gibt ein unschlagbares Gegen-Argument: Das Drehbuch wurde von Ruth Toma (zusammen mit Detlev Buck und Michael Ostrowski) nach dem autobiografischen Roman "Wohin du auch gehst" von Benjamin Prüfer entwickelt. Unrealistisch wirkt es vielleicht, aber so ist es passiert."
Laut Michael Sennhauser hat SAME SAME BUT DIFFERENT (
) "einen doppeldeutig angemessenen Titel. Der Film ist wirklich gleich wie viele andere, und doch ein wenig anders. Bloss nicht so viel, dass man sich ihm bedenkenlos ausliefern dürfte. Was nichts daran ändert, dass ich mir diese Geschichte gerne angesehen habe, von ihrer nahe am Ferienprospekt gebauten Exotik bis zu den unbestritten aberwitzigen Szenen mit Kühen, Marken-Unterhosen und Granatwerfern. Kein Meilenstein des deutschen Kinos. Aber ein echter Detlev Buck, trotz allem."