| Regie | Doris Dörrie |
| Kinostart | 18.02.2010 |
Der Film kann sich für keinen Duktus entscheiden und laviert um seine eigentlichen Intentionen, kritisiert Robert Zimmermann. "Wenn mehrfach der nackte Körper der übergewichtigen Protagonistin, etwa beim Sex oder bei der täglichen Hygiene, detailreich exponiert wird, hat das den Zweck der menschlichen Erdung des Films im Realismus. Wenn eine Ganovenkarikatur (Rolf Zacher) Kathi, der kein anderer Ausweg bleibt, zum Einschleusen illegaler Ausländer anstiftet, ist die Absurdität zu offensichtlich konstruiert. Bei all dem findet der Film keinen Rhythmus, denn das Gleichgewicht von Komik und Tragik geht im endlosen – teilweise pseudodokumentarischen – Erzählfluss unter. So wankt DIE FRISEUSE (
) derart dynamikfrei zwischen Sozialdrama und Komödie, zwischen Realismus und Parodie, dass sich der Zuschauer bald ungeduldig nach der Uhrzeit fragt."
"Doris Dörrie taucht mit DIE FRISEUSE (
) tief in ein reales Berlin ein, fernab der berühmten städtischen Wahrzeichen, und zeichnet eine authentische Tragikomödie, die neben dem Traum einer im doppelten Sinne starken Frau auch von Beziehungskrisen, dem Verständnis von Ästhetik und sogar einem Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen erzählt. Viele ganz verschiedene Themen vereint zu einer herzlichen, Mut machenden Sozialstudie, beinahe ohne dabei konstruiert und überfrachtet zu wirken."
Abini Zöllner sah die Geschichte der Selbstbehauptung. "Nun verkommt die für Berlin typische, ruppige Art in Filmen oft zur Klamotte. Bevorzugt wird das Berlinern dem Prekariat zugeschrieben, was natürlich völliger Blödsinn ist. Hier aber charakterisiert der Dialekt eine enthusiastische Lebenseinstellung. DIE FRISEUSE (
) ist eine gelungene Sozialkomödie, die die Menschen versteht, über die sie erzählt. Der Film ist ein Statement. ... Zum Glück muss Kathi nicht immer stark sein, sie darf auch mal verzweifeln und zusammenbrechen. Genau das unterscheidet eine starke Frau von einer naiven - und genau das rettet den Film. Er ist letztlich ein Plädoyer für den würdevollen Umgang, mit rührenden Momenten."
Autorin Laila Stailer gebührt das Lob für die knackigen Kommentare, die sie Kathi in den Mund legt, sowie für diverse komische Momente, schreibt Arezou Khoschnam. "Es gibt nur eine Kleinigkeit zu bemängeln: Zum Schluss hin hat der Film ein wenig Überlänge. Doch das ist nicht weiter schlimm, denn es wird an keiner Stelle langweilig. DIE FRISEUSE (
) bietet Kino, wie es sein sollte: Ein Ort des Zaubers und des Vergessens, des Sinnierens und Genießens. Um es in Kathis Berlinerisch zu sagen: "Kieken Se den Film!""
Margret Köhler sieht in DIE FRISEUSE aufregende Alltäglichkeiten. "Das Schöne an dieser Real-Komödie: die Heldin jammert nicht über die Gesellschaft, sondern begegnet Problemen mit Offenheit und Selbstironie und erinnert damit an englische Sozial-Komödien wie GANZ ODER GAR NICHT. Dieses Stück Kino tut einfach gut."
Endlich mal kein Hungerhaken, freut sich Julia Binder über Doris Dörrie s Hauptdarstellerin. " DIE FRISEUSE (
) ist ein unglaublich optimistischer Film. Die Story dieser Tragik-Komödie reißt einen nicht unbedingt vom Hocker, aber hier ist auch die Message die zählt: "Lass dich nicht unterkriegen, egal, wie du aussiehst, wie viel du wiegst und was dir so alles passiert".
Der Plot von DIE FRISEUSE (
) ist leider viel zu simpel erzählt, so Günter H. Jekubzik. "Mit frecher Berliner Schnauze, unkaputtbarem Optimismus und Szenen üppiger Nacktheit, die verstören könnten, wenn man sein Menschenbild durch Modemagazine geformt hat. Doch trotz aller Sympathien für die Figur, ist der Humor des Films nicht mal Cindy von Marzahn fürs Feuilleton. Zu simpel, zu platt wird die Lebensgeschichte der schweren Stehauffrau Kathie runtergespult."
"Das anfängliche Mitleid, welches man Kathi entgegenbringt, stellt sich irgendwann ein, weil man ihre Naivität einfach nicht mehr ertragen kann. Einzig ihr unglaublicher Durchhaltewillen sowie ihre aufmunternden Lebensweisheiten sorgen immer mal wieder für kleine Aufheiterungen - doch oftmals kann man dann nur wieder mit dem Kopf schütteln. Wenn die dargestellte Story fiktiv wäre, dann wäre der Film wirklich schlecht. Doch wenn man bedenkt, dass er auf realen Erlebnissen beruht, kann man über manchen schlechten Wink des Drehbuches glatt hinwegsehen. Amüsieren geht bei diesem Film gut, zu viel darüber nachdenken sollte man besser nicht."
Kerstin Decker ist des Lobes voll. "Welche Schauspielerin könnte in einer solchen Rolle bestehen, ohne zur Type zu werden? Gabriela Maria Schmeide! Sie trifft fast jeden Ton, nie überanstrengt, nie überdreht. Und Laila Stielers Drehbuch ist ein Hohelied auf die Kraft, die Unmittelbarkeit und die Wärme der Bestübersehenen dieser Gesellschaft, kurz "Prolls" genannt. Aber – seltsame Dialektik des Lebens und des Kinos – diese Kathi ist gar nicht prollig, kennt man sie näher. Doris Dörries Regie dagegen schon, wenn man Derbheit und Hang zur Völlerei zum Kriterium machen wollte."
Frank Junghänel schreibt eine lange Reportage über Hintergründe von DIE FRISEUSE (
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