| Regie | Uli Edel |
| Kinostart | 04.02.2010 |
Erzählt wird die Geschichte, wie aus dem jungen Schulabbrecher und Drogendealer Anis Mohamed Youssef Ferchichi der Musiker Bushido und schließlich ein deutsches Phänomen wird. Es ist aber auch die Geschichte eines heranwachsenden Mannes, der sich seinen Dämonen früher oder später stellen muss.
Julia Encke entdeckt die Meinung des Bernd Eichingers: "Es ist die der totalen Affirmation. Er hat sich Bushido zum Männerfreund gemacht und ist sein Fan. Vielleicht hätte er deshalb einfach einen Konzert- und Musikfilm machen und einem dafür die ganzen Macho-Quatsch-Lektionen ersparen sollen, die der Film so furchtbar ernst nimmt; dieses ganze Gelaber von "Respekt" und "Ehre", das längst zum Genre geworden ist, einem hier allen Ernstes aber als Off-Stimmen-Aufstiegsweisheit verkauft werden soll: Sei krass, fleißig, frauenfeindlich, dann kannst auch du ein deutscher Spießer werden."
Gelungene Momente hat ZEITEN ÄNDERN DICH (
) durchaus, auch einige komische, nicht alle sind beabsichtigt, schreibt Marin Majica. "Dass sich Bushido nicht nur in großen Teilen des Filmes selbst spielt, sondern die Kommentare aus dem Off in dem ihm eigenen HipHop-Singsang spricht, mag man befremdend finden. Der Vergleich der TV-Bilder vom 11. September 2001 mit einem "krassen Endzeit-Videogame" schafft es wohl nicht in den nächsten Aphorismen-Band von Suhrkamp. Doch wer in letzter Zeit nicht bei McDonald's neben einer Gruppe Jugendlicher gesessen hat, darf versichert sein: So reden viele, nicht nur in Berlin-Neukölln."
Andreas Kurtz berichtet von der Premiere in Berlin.
Aus dem Poesiealbum eines Gernegangsters wird hier erzählt, meint Sebastian Handke. "Wenn man aber die Figur eines Filmes zu ihrem eigenen Darsteller macht, kann man gar nicht wollen, dass der Film eine Haltung gewinnt. Das allein wäre nicht mal schlimm, wenn die Sache wenigstens Spaß machen würde. ZEITEN ÄNDERN DICH (
) aber ist von durchschlagender Langeweile. Da ist kein Wille, keine Wut, kein Scheitern und nicht mal Verrat."
Bei der Premiere war Sonja Pohlmann.
Daniel Kothenschulte sah einen Film, der wie kein anderer ist. "Bernd Eichinger, der das Drehbuch schrieb, muss sich dabei der Methode Jean-Pierre Melvilles bedient haben: Taschenbuch gekauft, die wichtigsten Dialogpassagen rausgerissen, auf weißes Papier geklebt, Regieanweisungen dazu geschrieben und dann der Sekretärin zum Abschreiben gegeben. Fertig. Bushido spielt sich selbst. Er ist schlechter als Elvis bei seinem ersten Dreh. Er ist schlechter als Elvis im Kindergarten. Er spielt wie ein Sänger, der kein bisschen spielen kann, aber gern mal für eine Gastrolle besetzt wird. Das Einzigartige aber ist: Stars spielen die Gastrollen im Bushido Film."
Hannah Pilarczyk ist entsetzt: Durch hölzerne Dialoge und schlechtes Casting ist ZEITEN ÄNDERN DICH (
) stellenweise unfreiwillig komisch, meistens langweilig - und komplett Talkshow-tauglich. "Um den Quatsch mit Soße glaubhaft herüberzubringen, braucht es schon den echten Bushido - und der kriegt das in den Spielszenen sogar ordentlich hin. Sobald er jedoch aus dem Off seine eigenen Gedanken und Handlungen erklärt, schmiert der Film ab: Einen ungelenkeren Sprecher hätte man kaum finden können. "Sendung mit der Maus" goes Problemkiez."
Jens-Christian Rabe erklärt, warum man ZEITEN ÄNDERN DICH (
) gesehen haben sollte. "Ein Buchstabe reicht, um aus einer Plattitüde den Slogan für ein geglücktes Umerziehungsprogramm zu machen. Der Stoff mag also den Anschein erwecken, der Outlaw-Logik des klassischen Western zu folgen: Ein Aufrechter gegen den Rest der Welt. Der Zweck heiligt die Mittel. Ihr glaubt mir nicht, aber ich werde es euch schon noch zeigen. Die Textur des Films erzählt jedoch eine andere Geschichte. Wir sehen das sich selbst zähmende Andere, also den sozialpolitischen Glücksfall schlechthin."
Sophie Albers erzählt die Geschichte einer Geldmaschine auf der Jagd nach Anerkennung.
ZEITEN ÄNDERN DICH (
) ist Bushidos Untergang, prophezeit Harald Peters. "An diesem Film, der erklären soll, wie Bushido wurde, was er ist, ist nur wenig gut geraten. Die Machart, die Darsteller, die Dramaturgie, die Ausstattung, die Regie. Das Drehbuch stammt von Bernd Eichinger höchstpersönlich, bei dem anscheinend jede Qualitätskontrolle versagt hat. ... ZEITEN ÄNDERN DICH (
) ist so facettenreich missraten, dass einem davon ganz schwindelig wird. Ein Drama ohne Spannung, aber dafür mit Witzen, die allerdings nicht als Witze gemeint waren."
Erich Kocina sah ein plattes Familiendrama mit pathetischem Ende à la Disney. "Der pathetische Todesstoß kommt noch. Am Ende nämlich. Da trällert Karel Gott vor Tausenden Hip-Hop-Fans vor dem Brandenburger Tor die "Biene Maja", während Bushidos Mutter den verstoßenen Vater wieder in die Arme nimmt. Und Bushido schließt mit der Exfreundin und dem verfeindeten Exkollegen im Publikum per Blickkontakt auch noch seinen Frieden. Besser hätte es Disney auch nicht gekonnt. Und die wichtigste Botschaft, die die jugendlichen Hip-Hop-Fans nach dem Film in ihren Köpfen tragen: Seid lieb zu euren Eltern!"
Der Film ist laut Rüdiger Suchsland ohne Eier, schwul. ""Respekt!" kann man aber nicht sagen, denn dazu ist dieser Film einfach auf allen Ebenen zu enttäuschend. Einfach ein höchst banales Filmchen, seicht, völlig ohne Dramaturgie, langweilig. Aber vor allem feige. Denn das Enttäuschendste an ZEITEN ÄNDERN DICH (
) ist, dass all die Dinge, die an Bushido im guten Sinne provozieren, die ihn im schlechten Sinn zum Bürgerschreck und zu einer äußerst fragwürdigen öffentlichen Figur machen, hier einfach mal gar nicht vorkommen."
Gregor Wossilus sah weichgespültes Klischee-Kino. Bushido wird "in eine rührselige "Vom Tellerwäscher zum Millionär"-Story ohne Ecken und Kanten verpackt. Doch sind es gerade diese Ecken und Kanten, die Bushido und seine Geschichte überhaupt erst interessant machen: Die Rauheit der Straße, die Bushido formte, seine bewussten Schritte in die Kriminalität, der Kontakt zur teilweise gewalttätigen Sprayer - und Hip Hop-Szene, Bushidos Faszination für Rap als Ausdrucksform. Und dann ist da natürlich Bushidos offensichtliches Talent, mit seinen Reimen einer jungen Generation aus der Seele zu sprechen. Doch eine facettenreiche Sichtweise auf ein deutsches Hip Hop-Phänomen wie Bushido ist nicht die Sache von Uli Edel und Bernd Eichinger."
Laut Marius Zekri haben es die "Macher geschafft aus Bushidos Geschichte keine Freakshow zu machen. Denn wenn Musiker vor der Kamera stehen, dilettieren sie sich meistens durch eine schlechte Geschichte die noch schlechter erzählt und gefilmt ist. Die Grabbeltische in den Elektronikmärkten sind voll von solchen Filmen. Glücklicherweise ist das in ZEITEN ÄNDERN DICH (
) nicht der Fall. Es ist ein Film für Fans, die 90 Minuten lang, die Geschichte ihres Idols sehen wollen – und genau das kriegen sie auch."
Übersicht zum Film mit Bewertungen, Kommentaren und News.
Für Andreas Kurtz ist ZEITEN ÄNDERN DICH (
) wunschgemäß besetzt."In der Verfilmung des bisherigen Lebens von Anis Mohamed Youssef Ferchichi, besser bekannt als der Rapper Bushido, darf
), bei dem Uli Edel Regie führt, ein gewichtiges Wort mitzureden."
Johanna Adorjáns Kritik an ZEITEN ÄNDERN DICH (
) ist vernichtend. "Und so hat dieses Filmvorhaben etwas entschieden Ekliges. Hier geht es um gar nichts mehr außer um Geld. Nacktes, blödes, mit Mist verdientes Geld. Es ist ein Projekt von Millionär zu Millionär, Erfolg bewundert Erfolg, ein Alpha-Mann sieht sich womöglich in einem Jüngeren selbst. Bushido steht für nichts, außer es geschafft zu haben - womit, ist offenbar vollkommen egal. Dass Jugendliche so etwas cool finden - geschenkt. Dass aber ein Filmproduzent wie Bernd Eichinger gerade dabei ist, sich in den Windschatten eines viel kleineren Mannes zu ducken, um auf dessen Erfolgswelle mitzusurfen, ist irgendwie erschütternd. Geht es der neuen Constantin wirklich so schlecht?"