| Regie | Paul Greengrass |
| Kinostart | 18.03.2010 |
Jana Papenbroock misstraut der Wahrheitssuche. Da der Film "augenscheinlich nichts anderes bezweckt, als alles Heikle der Komplexität historischer Ereignisse auf Egoshooterniveau zu einer verklärt-verherrlichenden Lust und Erregung am vermeintlich sinn- und ordnungsstiftenden Macht- und Herrscherrausch herunterzubrechen. In ästhetischer Parallelität spiegelt der Film die Hybris amerikanischer Kriegspolitik: Zu feige und eingebildet, sein Unwissen einzugestehen, ballert man umso lauter um sich, in der Hoffnung, dass keiner merkt, was längst evident ist: Sie wissen nicht, was sie tun."
Thomas Groh sah einen Ballerfilm mit Anspruch. "Schlussendlich wirkt GREEN ZONE (
) vor allem kalkuliert. Als kostenintensiver Blockbuster ist er auch eine immense Investition, zu deren Amortisation der Binnenmarkt schon länger kaum mehr in der Lage ist. Die unbekümmerte "Gung-ho"-Mentalität einstiger US-Actionboliden lässt sich auf dem internationalen Markt indessen nur noch schwierig - oder, wie im ungebrochenen Achselschweißkino eines Michael Bay, über den Transfer in die vermeintlich unpolitische Oberfläche - absetzen."
Julian Hanich muss zugeben: "Manchmal macht GREEN ZONE (
) ein bisschen viel Brimborium um das abgekartete Spiel mit den angeblichen Massenvernichtungswaffen. Zumal das Täuschungsmanöver heute niemanden mehr überrascht. Selbst der damalige US-Außenminister Colin Powell, Anfang 2003 vor dem UN-Sicherheitsrat noch demonstrativ von den Geheim-Arsenalen des Bösen überzeugt, hat später eingeräumt: Die Informationen der Nachrichtendienste waren "bewusst irreführend"."
Michael Kohler kann dem Film nicht viel abgewinnen. "Die "Green Zone" betritt ihr von Matt Damon gespielter Held lediglich ein einziges Mal, ansonsten treibt er sich an vorderster Front herum und damit genau dort, wo Paul Greengrass am schönsten mit seiner zum Markenzeichen gewordenen nervösen Kamera wackeln kann. Im Grunde ist es ein klassischer Fall von Hollywood-Idiotie: Da kauft ein Studio für viel Geld die Rechte an einem mit Erfahrungen gesättigten Sachbuch ein und stellt ein paar Drehbuchsitzungen später fest, dass es daraus doch lieber einen am Reißbrett entworfenen Action-Kriegsfilm machen würde."
Lukas Foerster nimmt den kontrollierenden, katalogisierenden Blick wahr. "Filme wie GREEN ZONE (
) geben den Weltbezug des Kinos nicht auf, aber sie tendieren dazu, ihn als ein reines Subjekt-Objekt-Verhältnis zu denken. Es gibt nur noch den unmittelbaren Körperreiz vor und den Ordnungsblick der Kontrollgesellschaft jenseits des Sozialen, aber nichts dazwischen. Diese Filme interessieren sich - zumindest ihrer Tendenz nach - nicht mehr für eine Vermittlung zwischen Individuum und Gesellschaft oder allgemeiner: für das demokratische Potential des Kinos."
Einen hochmoralischen Film mit einem bedenklich simplen Verhältnis zur Wahrheit, sah Christian Buß. "Inzwischen sind sich die meisten Experten darüber einig, dass es einer der größten Fehler der Amerikaner gewesen ist, die irakischen Militärs komplett zu entmachten, statt sie in den Wiederaufbau einzubinden. Dieser Argumentationslinie folgt Paul Greengrass in seinem Film nun tatsächlich bis an die Schmerzgrenze: Als Charakter, so viel erscheint sicher, ist Saddams Ex-Scherge untragbar - als strategischer Partner hätte er jedoch verhindern können, dass Bagdad in Blut und Chaos versinkt."
Das Actionkino in Gestalt von Paul Greengrass soll den Bann des kommerziellen Misserfolgs brechen, der bisher alle Filme über den Irak-Krieg verfolgt, behauptet Florian Keller.
Andreas Weber sah aufgewärmten Kaffee. "Formal wartet der Film nicht mit einer Überraschung auf: Die wacklig geführte Handkamera und der erratische Schnittrhythmus der Bourne-Filme herrschen auch in GREEN ZONE (
) vor. Bei den zahlreichen Nachtszenen wurde auf künstliche Lichtquellen verzichtet, wodurch das digitale Bild merklich grobkörnig wird. Dies ist sicherlich keine Ästhetik der Perfektion, der temporeichen Handlung im unübersichtlichen Kriegsgebiet ist diese Form aber absolut angemessen. Am Wichtigsten jedoch ist, dass der rote Faden der Handlung in der hastigen Inszenierung nicht untergeht – im Gegenteil vermag GREEN ZONE (
) im labyrinthischen Netz zwischen den Geheimdiensten durchaus zu fesseln."
Trotz Routine findet Margret Köhler GREEN ZONE (
) unterhaltend und kompakt erzählt. Es gibt "wunderbar entlarvende Szenen wie in den Innenräumen von Saddams Palast der Republik, wo die irakischen Marionetten für eine Übergangsregierung ausgerufen werden. Richtig unterhaltend sind die Pressekonferenz, in der die Zerschlagung der irakischen Armee bekannt gegeben wird, das Zusammentreffen von Miller und einem hochrangigen Mitglied der Baath-Partei, das bereit gewesen wäre, sich am Aufbau des Landes zu beteiligen oder eines irakischen Zivilisten, der auf bessere Zeiten hofft."
Der Film ist kein "oberflächlicher Kriegsthriller, sondern versucht gleichzeitig auch noch Aufklärung und Verarbeitung zu betreiben. Das führt dazu, dass das Drehbuch von Brian Helgeland (PAYBACK) voller schwerfälliger Dialogszenen ist, in denen der Hintergrund des Kriegs erklärt wird. Für diese einschläfernden Schulstunden sollen dann vermutlich die rasant inszenierten Schiessereien entschädigen. Dazwischen werden noch ganz uneindeutig die Botschaften vermittelt, dass im Irak keine WMD hergestellt wurden und die anschliessende politische Einmischung zu massiven internen Spannungen geführt hat."
Der Film wirft laut David Siems "nicht nur einen Blick hinter die Kulissen der Irakbesatzung, sondern jongliert gekonnt mit den Wahrnehmungsebenen der Zuschauer, die nicht mehr unterscheiden können, wo der Film die Grenzen der Fiktion verlässt. Wo sich Fakten und Dazuerfundenes letztlich verwischen, lässt sich nicht beurteilen oder gar bewerten. Einzig der Eindruck bleibt: Auf so "authentischem" Niveau bewegten sich bislang nur wenige Filme, die den Kriegsschauplatz als Sujet gewählt haben."
Laut Jörg Schiffauer stösst der Regisseur "den Zuschauer anhand seines Protagonisten mit beinahe semi-dokumentarisch inszenierten Bildern mitten in das einem Hexenkessel gleichende Bagdad, wo Miller sich nicht nur mit irakischen Widerstandsgruppen konfrontiert sieht, sondern auch bald zwischen die Fronten divergierender Interessen von Geheimdiensten und Vertretern der US-Regierung gerät. Politische Aufklärungsarbeit wird Paul Greengrass dabei wenig leisten können – die Fakten dürften hinlänglich bekannt sein – doch ist GREEN ZONE (
) ein trefflicher Indikator dafür, wie weit das tief sitzende Misstrauen, das weite Teile der US-amerikanische Bevölkerung mittlerweile gegenüber der eigenen Regierung hegen, bereits in der Populärkultur seinen Niederschlag findet."
"Der Film vermittelt sehr deutlich, was in Nachrichten und offiziellen Berichten meist nicht möglich ist, dass ein Krieg die ganze Bevölkerung betrifft und Schicksale schafft, von denen nie mehr die Rede sein wird, wenn der Krieg zu Ende ist. Ein Spielfilm wie GREEN ZONE (
) leistet hier viel, was in einer Dokumentation nicht möglich wäre, er gibt den Betroffenen ein Gesicht. Auch wenn der Film für manchen mit Wahrheiten spielen mag, tut er das doch verantwortungsbewusst und übermittelt eine klare Botschaft."
Bei aller Vielschichtigkeit ist GREEN ZONE (
) für Michael Meyns "in erster Linie aber ein geradezu gnadenlos rasanter Thriller. In seinem inzwischen typischen Stil aus mobiler Handkamera, schnellem, aber immer präzisem Schnitt und einer pulsierenden, treibenden Musik inszeniert Greengrass Millers Jagd nach der Wahrheit. Was Paul Greengrass hier gelingt ist bemerkenswert: Einerseits ein Hollywoodfilm, der technisch absolut auf der Höhe der Zeit ist, gleichzeitig die Beschäftigung mit einer komplexen Thematik, die zwar bisweilen vereinfacht, aber nicht simplifiziert wird."
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