Auch wenn DIE ZWEI LEBEN DES DANIEL SHORE (
) scheitert, ist er für Nino Klingler doch ein bemerkenswerter Film. "Das verdankt er seinem äußerst selbstbewussten, einzigartigen Stil. Auch die Schauspieler leisten Großartiges. Nikolai Kinski gelingt es, mit minimalen Dialogen und ohne nennenswerte Mimik einen Charakter in Schockstarre angesichts des Unverständlichen zu verkörpern. Sean Gullette als mysteriöser Bösewicht atmet noch immer den Wahnsinn seines Mathematikers aus PI (1998). So verlässt man den Film mit einem sehr speziellen Gemisch an Emotionen, etwas ratlos ob der opaken Geschichte, ein bisschen wütend aufgrund der schwer entwirrbaren Thematik, aber auch fasziniert von Michael Drehers Radikalität und Eigenständigkeit. Ein ungeschliffener Diamant, ein vielversprechendes Debüt."
Für Birgit Glombitza gelingt die Wiederbelebung des Tanger-Mythos nicht vollständig. "Dass sich der Film im zweiten Teil für den großen Hokuspokus eines Spukfilms entscheidet, in dem sich endlose Flure und zickige Türen im Stil von Kubricks Shining wichtig machen, obwohl dem Haus selbst keinerlei abgründige Magie oder blutige Vorgeschichte anhaftet, mag einer Fingerübung im Genrewechsel geschuldet sein. Wirklich kafkaesk oder besser und verruchter: burroughsesk – und das sind die Attribute, auf die der ganze Film unverkennbar hinaus will – ist das aber noch nicht."
Carlos Gerstenhauer ist von Nikolai Kinski als Daniel Shore begeistert. "Die Figur des Daniel Shore ist Nikolai Kinski auf den Leib geschrieben. Es gelingt ihm, die fein zerstreuten Teile von Michael Drehers Film zu einem schlüssigen Bild zu verbinden. Die zwei Leben seiner Figur Daniel Shore werden durch ihn am Ende zu einem. Zusammen mit Kinski blickt der Zuschauer in eine verletzte Seele und vergisst irgendwann, was Traum und was Wirklichkeit ist. Das macht Michael Drehers DIE ZWEI LEBEN DES DANIEL SHORE (
) zu einem Spielfilmdebüt, wie es im kommerzialisierten deutschen Kino in letzter Zeit viel zu selten zu sehen war. Ein Debüt, das statt auf Kalkül ganz auf Emotionen setzt."
Das Verwirrspiel in DIE ZWEI LEBEN DES DANIEL SHORE (
) geht für Knut Elstermann nicht auf. "Sein Langfilm DIE ZWEI LEBEN DES DANIEL SHORE (
) ist dagegen eine ermüdende Stilübung, die durchaus das große visuelle Talent und die Risikofreude des Regisseurs bestätigt. Doch wird auf dieser langen Strecke schließlich alles zum Dekor - auch das Schicksal des missbrauchten Kindes erscheint nur noch als erzählerisches Beiwerk, ebenso wie die unheimlichen Bewohner, die vergilbten Zimmer und die düsteren Korridore im dem irgendwie verwunschenen Haus."
Für Sebastian Handke war DIE ZWEI LEBEN DES DANIEL SHORE (
) ein starkes Debüt von Michael Dreher, wenn auch "keineswegs perfekt. Das Ineinanderschieben der beiden Erzählzeiten geht nicht immer ganz auf, gelegentlich droht die Spannung wegzubrechen. Schwerer wiegt, dass der Schluss ein wenig verpufft. Dennoch: DIE ZWEI LEBEN DES DANIEL SHORE (
) ist ein beeindruckendes Debüt. Hier macht sich ein junger Filmemacher auf den Weg, der tatsächlich mit Bildern zu arbeiten versteht."
Für Alexander Scholz sind "intertextuelle Hinweise, beispielsweise auf Hitchcocks Fenster zum Hof, fehl am Platz, weil hier mehr zitiert als kontextualisiert wird. Ärgerlich sind sie, weil Dreher selbst über eine so exakte Filmsprache verfügt, daß jeder Verweis anorganisch wirkt. Ein Ergebnis seiner ungeduldigen Herangehensweise ist, daß der Eindruck entsteht, die Inszenierung könne ihren Gegenstand zwar pointieren, aber nicht über ihn hinausweisen. Den Beweis des Gegenteils kann Dreher in seinem nächsten Film antreten. Denn die Bürde des (über-)ambitionierten Debütfilms hat er nun hinter sich gelassen."
Dass der Film interessant ist, liegt für Esther Buss "vor allem an Drehers eigenwilligem Stil. Für sich genommen ist die Atmosphäre der beiden Settings nämlich stimmig und dicht, wenn auch der marokkanische Teil mitunter in die Falle des Nebulös-Exotistischen tappt. Auch den Darstellern schaut man gerne zu, vor allem Nikolai Kinski, der wenig macht, aber viel erzählt und jede Form des gequälten Pathos vermeidet. Er spielt Daniel Shore als einen Schock gefrorenen Mann, dem die Wirklichkeit immer mehr entgleitet und der zuletzt in eine Art Starre verfällt. Dafür haben sich die Bilder in seinem Kopf in Bewegung gesetzt, sie besitzen ihn."
Rüdiger Suchsland ist von DIE ZWEI LEBEN DES DANIEL SHORE (
) angetan. " DIE ZWEI LEBEN DES DANIEL SHORE (
) ist ein mutiger Film. Eine in starken Bildern und im Hin und Her zwischen Gestern und Heute erzählte Schuld-und-Sühne-Geschichte; ein suchender Film, der mit Offenheiten spielt, nicht auf alles eine Antwort geben möchte; ein Werk, das – formal anregend wie filmisch spannend -, das große Talent seines Regisseurs belegt, auch wenn ihm, vor allem zum Schluss, trotzdem nicht alles gelingt. Aber das, was ihm gelingt, ist spannend genug."
Viel zu selten war ein derartiges Kinodebüt, wie das von Michael Dreher mit DIE ZWEI LEBEN DES DANIEL SHORE (
) im deutschen Kino zuletzt zu sehen, urteilt Carlos Gerstenhauer. "Die Figur des Daniel Shore ist Nikolai Kinski auf den Leib geschrieben. Es gelingt ihm, die fein zerstreuten Teile von Michael Drehers Film zu einem schlüssigen Bild zu verbinden. Die zwei Leben seiner Figur Daniel Shore werden durch ihn am Ende zu einem. Zusammen mit Nikolai Kinski blickt der Zuschauer in eine verletzte Seele und vergisst irgendwann, was Traum und was Wirklichkeit ist."
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