| Regie | Woody Allen |
| Kinostart | 03.12.2009 |
Einen so hemmungslos optimistischen Film im Mantel des Allenschen Pessimismus mag klischeehaft finden, wer unbedingt will, stellt Thorsten Funke fest. "So werden verschiedene Lebensentwürfe aufeinander losgelassen und, das ist das Schöne an WHATEVER WORKS (
), sie dürfen sich gegenseitig durchdringen. Da werden Seiten gewechselt, Begabungen entdeckt und von einem Schnitt zum nächsten Konventionen gebrochen (die der Monogamie, die der Heterosexualität, die der Nicht-Angemessenheit von Beziehungen zwischen Alt und Jung). Bis, wie in einer Boulevardkomödie, jeder seinen Teil über das Leben gelernt hat. Dann feiern alle zusammen bei Yellnikoff Silvester, und während er noch ein letztes Mal zum Erstaunen seiner Gäste mit dem Publikum spricht, dieses Mal milde statt meckernd, entwickelt sich eine der schönsten Schlussszenen, die in den vergangenen Jahren auf einer Kinoleinwand zu sehen waren."
Woody Allen plädiert in WHATEVER WORKS (
) für Toleranz - und sexuelle Befreiung, schreibt Anke Westphal. "Woody Allen gönnt hier jedem mindestens ein wenig Glück. Natürlich sind Klischees das Fundament dieses Films: Mann und Frau, alt und jung, Geist und Körper, Norden und Süden, Metropole und Land. Aber mit diesem Fundament wird intelligent und ironisch umgegangen - etwa wenn Melodys Mutter plötzlich als "brillante Primitive" Karriere in der New Yorker Kunstszene macht. Es ist eben so, wie Boris einmal ganz richtig sagt: "Manchmal ist ein Klischee die beste Art, Dinge auf den Punkt zu bringen.""
Barbara Schweizerhof empfiehlt, die Begeisterung zu dämpfen, dann lässt sich auch das Suboptimale an Woody Allens Komödie WHATEVER WORKS (
) genießen. "Trotz der professionellen Nonchalance, mit der er gedreht ist und mit der erst gar nicht versucht wird zu verbergen, dass das Drehbuch jahrzehntealt ist. ... Aber wie das so ist, im Leben wie im Kino, manchmal kann man gerade das Suboptimale, das am Meisterwerk Vorbeischrappende, das Glück im Unglück viel besser goutieren als den großen Wurf. Entspannt von hohen Erwartungen lassen sich die kleinen Perlen dieses Films entdecken."
Der Regisseur zelebriert laut Jan Schulz-Ojala die Harmonie. "In der mühelos erklommenen Mitte des Geschehens, in dem ein Gleichgewicht der Kräfte und folglich nahezu schwereloser dramaturgischer Stillstand herrschen, hat WHATEVER WORKS (
) seine schönsten Momente: vor allem in den Augenblicken, als in Boris' grundeinsamen, mit eisernen Meinungen allseits abgepanzerten Charakter mitunter das Lichtlein neuer Erfahrung dringt. Wäre das nicht genug der Beweiskraft für die Titel-Verheißung gewesen, der der deutsche Verleih ein peinsam illustratives "Liebe sich, wer kann" angefügt hat?"
WHATEVER WORKS (
) erinnert Katja Lütge trotz einiger zeitgenössischer Neuerungen tatsächlich an vergangene Zeiten von Woody Allens Schaffen. "Nicht zuletzt der Juden- und Holocaustwitz erlebt hier seine komische Renaissance, wenn etwa der grimmige Held des Films fahrigen Kindern einen Aufenthalt im Konzentrationslager anempfiehlt. Und während Woody Allen immer älter wird, werden die von ihm in Szene gesetzten Darstellerinnen offensichtlich immer jünger. Hatte ihm in Vicky Cristina Barcelona (
) zuverlässig Scarlett Johansson als Muse gedient, ist es in WHATEVER WORKS (
) nun eine hinreißende Evan Rachel Wood, an der nicht einmal die im 80er-Retrolook gestalteten Kostüme ältlich wirken. Der Vorwurf, der "alte Sack" würde nur noch Altherrenträume realisieren, ist also naheliegend."
Thilo Wydra sah einen "ein unterhaltsamer Film über das Alter, über Einsamkeit. Vor allem aber geht es darum, seine Chancen zu sehen und zu nutzen, wirklich so zu leben, wie man möchte, nicht, wie man muss. Insbesondere an den sich wandelnden Figuren der beiden Elternteile von Melody setzt Woody Allen dies thematisch um: Aus der verbitterten Haus- und Ehefrau und Mutter Marietta wird eine New Yorker Künstlerin, die mit zwei Männern zusammenlebt. Und Melodys Vater John bekennt sich endlich zu seiner homosexuellen Neigung und zieht mit einem Mann zusammen."
Thomas Volkmann entdeckt die Quintessenz des Films. "Glück, so scheint Woody Allen hier sagen zu wollen, ist, wenn man den Dingen seinen Lauf lässt und nicht allzu sehr herum lamentiert. Dass er manchmal arg heftig austeilt, der Künstlerszene und Intellektuellenkreisen eins auswischt, Yellnikoff seinen Schachschülern auch schon mal ein Spielbrett über den Kopf ziehen lässt und diese zu Erziehungszwecken in ein Konzentrationslager schicken mag, so möchte das manchmal etwas arg wüst erscheinen. Dass Woody Allen in einer bestechend guten Form ist, lässt sich nicht bestreiten."
Thomas Engel ist begeistert. "Woody Allen hat viel Gutes geschaffen. Aber selten lief er zu solcher Hochform auf: Intelligenz, Ironie, Sarkasmus, Philosophie und Weltschmerz, ein Dialoghöhepunkt nach dem andern. Das alles verkörpert durch die Figur des Boris. Dann aber auch das Unschuldige, das Normale, das Abwartende, das Suchende, das Romantische, die Liebe – im Charakter der Melody vereint. Das Außergewöhnliche, das Unerwartete, das Verrückte ist ebenfalls vertreten, und zwar durch Marietta."
Übersicht zum Film mit Bewertungen, Kommentaren und News.
Florian Lieb lobt "Evan Rachel Woods. Die in den vergangenen Jahren eher wegen ihrer Liaison mit Skandal-Rocker Marilyn Manson in den Schlagzeilen vertretene Schauspielerin konnte zu Beginn des Jahres bereits in THE WRESTLER (
) überzeugen. Hier widmet Woody Allen ihr weitaus mehr Aufmerksamkeit, womit die junge Schauspielerin nicht nur gekonnt, sondern sogar exzellent umgeht. Wo Larry Davids Spiel verkrampft und gezwungen wirkt, setzt ihm Woody Allen einfach nur erstklassige Schauspielkunst entgegen. Insofern setzt Woody Allen dann auch in seinem neuen Streifen die Tradition einer starken Hauptdarstellerin fort."
"WHATEVER WORKS (
) ist eine formal bescheidene, inhaltlich aber mit unübertrefflichem Humor vollgestopfte Komödie." schreibt Thomas Hunziker und vergibt 'fast' volle Kritiker-Punktzahl.
WHATEVER WORKS - imdb.com
WHATEVER WORKS - filmmag.de
WHATEVER WORKS - mojoba.de