| Regie | Matthias Glasner |
| Kinostart | 19.11.2009 |
Robert Zimmermann fühlte sich verunsichert. "Am Ende mutet es nahezu zynisch an, wenn Matthias Glasner in seinen komplex konstruierten Personenporträts Schmerz, Leid und emotionales Elend quasi zu der titelgebenden These THIS IS LOVE (
) verdichtet. Hier muss man dem Regisseur und Autor dringend die Ehrlichkeit seiner These unterstellen, um ihn nicht etwa eines manieristischen Ansatzes zu verdächtigen. Matthias Glasners Film entlässt den Zuschauer verstört und mit einer Gemengelage aus Mitleid, Irritation und offenen Fragen. Aber gerade diese nahezu wertungsfreie Perspektive macht THIS IS LOVE (
) am Ende zu einem starken, wenn auch schwer erträglichen Film."
Alles scheint verschleiert, schreibt Bert Rebhandl. "Die Prämisse, dass das Leben nur im Delirium auszuhalten ist, wird der ganze Film nie so richtig los. Denn auch Matthias Glasner erzählt durch einen Schleier hindurch: Er hat alles herausgefiltert, was auf Alltäglichkeit, auf Halt, auf Zurechtkommen hindeuten würde, und lässt durch die häufig milchig verwischten Bilder alles auf Verhängnis, auf Last, auf Unerträglichkeit deuten."
Jan Schulz-Ojala sah einen Gegenentwurf zum "Tatort"-Prinzip. "Fantastisch fotografiert (Sonja Rom) und ausgezeichnet besetzt, vor allem Corinna Harfouch imponiert in der Rolle der dauertaumelnden Trinkerin, funktioniert THIS IS LOVE (
) über weite Strecken als radikale menschliche Nachtseitenstudie. Geradezu buddhistische – und notwendig komplementäre – Ruhe verkörpert darin die elfjährige Berlinerin Lisa Nguyen als sanfter Unschuldsgeist, mal grell geschminkt, mal ganz Kind. Im letzten, eigentlich versöhnlichen Bild aber, Matthias Glasner hat es mit den letzten Bildern, mutet der Film aus brachialer Liebe zu seiner tragischen Hauptfigur der kleinen Jenjira ein Verhalten zu, das sich gegen den Lebenswillen selbst richtet."
Alles ist falsch an diesem scheinheilig-distanzierten Exkurs über das, was der Titel ironisch "Liebe" nennt, kritisiert Daniel Kothenschulte. "Dieses hochgezüchtete Melodram über die ach so tragische Seite der Pädophilie gehört zum Grausigsten, was sich mit Steuer- und Gebührengeldern kaufen lässt. Denkbar ungelenk erzählt in seiner Parallelstruktur und den larmoyanten Monologen aus dem Off, zugeklebt mit einer primitiven Orchestermusik mit viel Pathos aber keinem Einfall. Der einsame Finger auf dem Piano muss der Zeigefinger des Regisseurs sein. Nein, Bekenntnisse gibt es nicht von Glasner. Nur Mitleid heischende Tragik weit jenseits der Grenze zur Lächerlichkeit."
Laut Andrea Hünniger hat der Regisseur kein Interesse an Ordnung oder Klischees. "Kann man das, was zwischen einem erwachsenen Mann und einer zwölfjährigen Ex-Prostituierten geschieht, überhaupt Liebe nennen? Wenn ja, dann ist es eine Liebe jenseits der Schmerzgrenze und jenseits dessen, worauf sich eine Gesellschaft als Norm geeinigt hat. Natürlich gäbe es tausend andere, moralisch abgesicherte Möglichkeiten, eine solche Geschichte zu erzählen. Dann würde der Film aber nur von unserer Angst vor solchen Empfindungen erzählen und nicht von den Empfindungen selbst."
Daniel Bickermann ist begeistert. "Daß THIS IS LOVE (
) trotz all dieser Finsternis nie defätistisch oder theoretisch wirkt, sondern zu einem virtuosen, schonungslosen und beeindruckenden Meisterwerk wird, verdankt Matthias Glasner allen anderen Gewerken, die an seinem neuen Film beteiligt sind. Neben der überzeugenden Kameraarbeit von Sonja Rom und dem brillanten Sounddesign von Björn Wiese sind das vor allem die sensationellen Schauspieler, die ihren Figuren selbst in den Momenten größter Grausamkeit noch eine zutiefst menschliche Note verleihen."
Margret Koehler sah ein eindringliches Seelenporträt. "Matthias Glasner erzählt von zwei Außenseitern ohne Netz und doppelten Boden im freien Fall. Matthias Glasner demonstriert, welches Leid und welche Schmerzen Liebe oder das, was man dafür hält, dem Menschen zufügen kann und begibt sich auf eine gefährliche Gratwanderung. Während Maggie die Gefühlskarten offen auf den Tisch knallt und seelische Blöße nicht verbirgt, verschweigt Chris schamhaft sein Geheimnis und öffnet sich erst im letzten Moment. Beide Protagonisten sind keine Sympathieträger, sondern ambivalente Figuren, Opfer ihrer selbst. Das macht die Annäherung an die Personen schwer, wie auch die elliptische, verwirrende Struktur der Geschichte."
Alexandra Wach ist enttäuscht. "der Einstellung kontrastreich zur Handlung Geborgenheit simulieren und doch nur, vom ausgestellten Zynismus gehemmt, an der Oberfläche der Gefühle kratzen. Die elliptische Struktur, die das Geschehen aus zwei Erzählperspektiven in Rückblenden und Voice-Over-Monologen vorantreibt, erweist sich als mindestens ebenso schwerfälliges Konstrukt, und auch die Dialoge, die mitunter eine bemerkenswerte Schärfe erreichen, drehen sich irgendwann im Kreis. Was bleibt, ist das Staunen über so viel ungebrochene Zufriedenheit mit einer verweigerten Haltung und die erst stumm und dann heftig lodernde Aura einer mit inneren Dämonen kämpfenden Corinna Harfouch, die in dieser Dunkelkammer malerischer Tristesse den einzigen Lichtblick bietet."
Laut Birgit Glombitza macht sich der Film "selbst etwas vor, obwohl er doch vorher all die Warenwege und Lieferbedingun-gen der Mädchenkörper aufgezeigt hat. Wie kann Jenjira, die nichts anderes kennt als ihren physischen Tauschwert, sich da auf eine andere Art »bedanken«, als das zu geben, was sie immer gibt. Für ein bisschen Schutz, für ein vorläufiges Zuhause. Und wie kann Matthias Glasner diese Abhängigkeit auch nur für eine illusionistische Kinosekunde lang mit Liebe verwechseln? Es ist dieser Irrtum, der den Film am Ende so unerträglich tragisch macht."
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Rüdiger Suchsland ist komplett enttäuscht. "Einmal mehr fällt hier also ein deutscher Film auf das Vorurteil herein, Kino sei Sentiment, nicht Reflexion, einmal mehr sieht man Empfindungskino ohne Gedanken. Dass man dem dann zugestehen muss, dass es stylish aussieht, ist kein Kompliment, sondern verstärkt angesichts des Themas nur noch den Irrweg."
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