| Regie | Benoît Delépine |
| Gustave de Kervern | |
| Kinostart | 24.09.2009 |
Eine Fabrik irgendwo in der französischen Provinz. Nach einem Sozialplan sind die Arbeiterinnen auf der Hut. Heute werden sie vom Direktor zusammengerufen. Eine kleine Überraschung erwartet sie: Neue Arbeitskleidung mit eingesticktem Namen - ein Geschenk, das alle beruhigt. Die Hoffnung kehrt zurück. Am nächsten Morgen die Ernüchterung: Die Fabrik ist leergeräumt, die Direktion getürmt...
Laut Andreas B. Krüger brilliert der Film "mit einem bezugsreichen Humor – Lumière, Stanley Kubrick oder wieder Aki Kaurismäki –, obwohl die offene (Selbst-)Referenzialität manchmal etwas hölzern daherkommt. Mit einigen Gags und Zitaten scheint der Film Grenzverletzung nur zum Selbstzweck zu betreiben, denn nicht alle Querverweise sind so doppelbödig wie die Szene, in der Produzent Mathieu Kassovitz einen Gastauftritt als verständnisvoller Biohof- und Landhotelbesitzer absolviert und damit auch sein eigenes Image persifliert. Und gerade diese Momente machen besonders viel Spaß."
Fritz Göttler lobt diese Rache des Proletariats. "Der Film macht sich, ohne Rücksicht auf Korrektheit, lustig über die Schrecken der Gesellschaft, über soziale und menschliche Demontage, Einsamkeit, Krankheit und Tod. Von der sozialen Gerechtigkeit, mit der alles beginnt, geht es schnell weiter zur Frage nach dem individuellen Glück und der Anarchie als Selbstverwirklichung."
Die grandiose Anarcho-Komödie feuert laut Maike Schultz Lachsalven auf Profitgeier ab. "Wie wenig greifbar die Täter in diesem globalisierten System sind, zeigt die schier endlose Odyssee der Verfolger. Egal, wen Louise und Michel auch ins Visier nehmen, der wahre Verantwortliche sitzt immer auf einem anderen Chefsessel, wurde bereits von den Aktionären abgewählt oder entpuppt sich gar als Briefkastenfirma im Steuerparadies Jersey. Die erste Idee zu dieser genialen Tour de Force - die man unbedingt bis nach dem Abspann verfolgen sollte - hatten die Regisseure bereits 2003, als Lehman Brothers noch als sichere Anlagebank galt."
Cristina Nord ist durchaus angetan. "Kindlicher Übermut, anarchischer Eigensinn, Deadpan-Komik und ein Hang zum Hackepeter bilden die Grundpfeiler dieser schwarzen Komödie, die die Kehrseite neoliberalen Wirtschaftens in groben Strichen zeichnet und als Gegenwehr Handfeuerwaffen vorschlägt. ... Oft siedeln Gustave Kervern und Benoît Delépine die Gipfelpunkte ihrer Szenen im Off an. Morde geschehen, während die Kamera einem im Kreis fahrenden Rasenmäher zuschaut. Und manchmal kommt die Komik einfach aus der Dehnung - etwa dann, wenn ein Hotelrezeptionist zwei Minuten braucht, um seinen Gästen den Türcode mitzuteilen."
Rache ist cool, findet Philipp Lichterbeck. "Bonnie und Clyde waren sexy und tragisch, die Natural Born Killers stilsicher und hirnlos. Michel und Louise sind transsexuell, ungepflegt und ohne Hoffnung. Und das zärtlichste Killerpärchen der Filmgeschichte. Denn ihr Antrieb ist nicht die Sucht nach Aufmerksamkeit und Ruhm, sondern das Verlangen nach Gerechtigkeit. Und die Angst vorm nackten Elend ... Den Regisseuren Gustave Kervern und Benoît Delépine ist etwas höchst Seltenes gelungen: Sie überdrehen ein ernstes Thema so vollkommen, dass sein Kern wieder sichtbar wird. Alles ist so unwahrscheinlich und auch die kleinste Nebenrolle so schrullig gestaltet, dass man dem Film alles abnimmt."
Irrsinn und Verunsicherung hat Heike Kühn ausgemacht. "Wahrscheinlichkeit und Wirklichkeit, Recht und Moral rutschen durch eine lustvoll durchlöcherte Handlung. Die Gesichter unbewegt, die unförmigen Körper wie Schilde, an denen politische Korrektheit abprallt, stapfen Yolande Moreau und ihr großartiger Filmpartner Bouli Lanners alias Michel der Rache entgegen. Natürlich hat der Film kein Happy End. Es sei denn, man sieht alles mal ganz anders."
Barbara Schweizerhof ist begeistert. "Man muss diese Art des ausdruckslosen und finsteren Humors genießen können, um an diesem Film Freude zu haben. Wenn das der Fall ist, steht dem Vergnügen nichts im Weg. Die Vergeltungsgeschichte liefert den Vorwand, um eine Serie von makabrem Slapstick über die fatalen Auswirkungen der Rezession in Szene zu setzen. Wobei der Spott sich stets gegen das System richtet. Die belgischen Schauspieler Yolande Moreau und Bouli Lanners, für ihren Mut zur Hässlichkeit bekannt, geben hier ein wunderbar abseitiges Paar ab, das in mörderischer Mission zusammenfindet."
Wenn bei dieser Komödie im Kino die Saalbeleuchtung ausgeht, dann wird es pechschwarz. Denn der Humor kennt hier keine Tabus, stellt Ronja Dittrich fest. "Gags über Behinderte, Krebskranke oder Figuren fernab jeder sozialen Kompatibilität: Dieser Film begräbt jegliche politische Korrektheit mit Hochgenuss. Dabei überschreiten die Regisseure die Grenze des zumutbaren Humors so oft, bis es sie nicht mehr gibt. Grenzverletzungen zum reinen Selbstzweck bleiben jedoch die Ausnahme. Denn im Subtext des Films lauern ernste Themen: Es geht um die Globalisierung, sexuelle Orientierungen und soziale Stigmatisierung."
Die Rollen sind hier laut Marcus Wessel klar verteilt. "Aber erst im Zusammenspiel mit ihrem Schauspielkollegen Bouli Lanners, der den "Profi" Michel als gnadenlos talentfreien Auftragskiller und Möchtegern-Rambo herrlich überzeichnet, entfaltet dieses radikal respektlose Buddy-Movie erst seinen vollen Unterhaltungswert. Gustave Kervern und Benoît Delépine beweisen, dass man sich einer sozialen Frage, die nicht zuletzt in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise hochaktuell ist, nicht mit didaktischer Strenge oder reflexhaften Betroffenheitsgesten nähern muss. Manchmal tun es auch zwei Höllenhunde und ein absurder Plan voller Chaos und Anarchie."
Thomas Engel hat gelacht. "Der Film ist eher gag- und sketchartig als von einer bedeutenden Handlung geprägt. Die einzelnen Erfindungen und Einfälle sind in qualitativ unterschiedlicher Weise schräg-skurril, zynisch-sarkastisch, provokant-tabulos – z.B. die Nachbildung der Zerstörung der beiden Trade-Center-Türme im September 2001 -, am Rande des guten Geschmacks und anarchisch. Das bereitet einiges Vergnügen. Nicht umsonst gab es beim Sundance-Festival eine Auszeichnung."
Linksammlung zum Film.
Konrad Kögler sah einen "sehr eigenwilligen Film voll bitterer und anarchischer Komik, der die Wut von Belegschaften, deren Standorte wegrationalisiert werden, auf unkonventionelle Weise thematisiert. Der Film ist voll skurriler Ideen, schafft es aber trotzdem, einen klaren roten Faden zu behalten."