| Regie | Sven Taddicken |
| Kinostart | 10.12.2009 |
Was 12 METER OHNE KOPF (
) für Tobias Haupts äußerst sehenswert macht, "sind die Kulissen, die Bauwerke und historischen Schauplätze. Vor allem Hamburg und die kleine Hafenstadt, in der die Piraten Zuflucht suchen, bieten historisch plausible Orte, die ebenso gekoppelt sind an beeindruckende Aufnahmen der Natur; und das sowohl auf hoher See, als auch an Land. Was die Kulissen und die Wahl des Production Designs betrifft, hat man sich an Vorbilder gehalten wie den – weitaus weniger lustigen – Historienfilm LUTHER (2003), der abseits von groß angekündigten und künstlerisch wie kommerziell grandios gescheiterten TV-Filmen steht, die den Stoff von Mythen und Legenden in oftmals kurzer Zeit für das Fernsehen herunter brechen. Die Bauten und Kostüme sind hier also nicht nur leeres Material, um das Bild zu füllen, sondern gehen mit dem Spiel der Darsteller und der Handlung eine Symbiose ein und bilden das stimmige Bild einer echten Piratengeschichte."
Kampfgeschrei und Kabarett hat Christian Schröder ausgemacht.
12 METER OHNE KOPF (
) "will kein historisch korrekter Kostümschinken, sondern ein Pop-Spektakel sein, das den "Likedeelern" bei ihrem anarchischen Spaß am Rebellieren zuschaut. Vorbild waren Genre-Bastarde wie FLUCH DER KARIBIK oder RITTER DER LEIDENSCHAFT, die auf Action und Ironie setzen. Hinnerk Schönemann gibt als Keule den stammelnden Bord-Deppen vom Dienst, Detlev Buck treibt als Waffenhändler seine Knauserigkeit so weit, dass die Piraten ihn buchstäblich zum Teufel schicken. Gedreht wurde auf nachgebauten Koggen auf hoher See, das machte Special Effects überflüssig. Bei Kampfszenen spritzt schon mal Kinoblut auf die Kameralinse."
Für Barbara Schweizerhof sprüht 12 METER OHNE KOPF (
) so sehr vor Ideen, dass sie ihm seine deutsche Herkunft fast nicht glauben kann. Vielleicht mag die Geschichte "zunächst nach billiger Historienklamotte klingen, entpuppt sich aber als das glatte Gegenteil. Zusammen mit seinem Drehbuchautor Matthias Pacht ist Sven Taddicken hier nämlich das Kunststück gelungen, die wichtigsten Zutaten eines Abenteuerfilms alter Schule, Männerfreundschaft, Männerwitze, Männeraction, mit dem musikalischen "Drive" jugendlicher Gegenwartssprache, viel norddeutsch-trockenem Humor und Musik von The Clash, The Thermals und Johnny Cash auf absolut schlüssige Weise zu verbinden."
Kapitalismuskritik trifft Kinderfasching, schreibt Christian Buß. "Zwischen Punkpredigt und Prügelklamotte, zwischen Therapie-Talk und Anarcho-Action verliert sich allerdings über Strecken die Erzähllinie. Der Filmemacher kriegt einfach nicht die Kurve vom Komischen ins Tragische. Nein, als modernes Bildnis des Mannes zwischen Widerstand und Familienwunsch taugt der Film beim besten Willen nicht. Man muss sich 12 METER OHNE KOPF (
) wahrscheinlich anschauen, wie man einen Track der norddeutschen Krawall-Rapper Deichkind anhört - dessen Mitglied Sascha Reimann alias Ferris MC hier übrigens seine wunderschön windschiefe Visage als Steuermann in die Kamera hält: Bitte keinen Sinn in den norddeutschen Nonsens bringen!"
Harald Steinwender sah einen Piratenfilm mit allem, was dazugehört. "Einen deutschen Piratenfilm, das gab es im Kino zuletzt in der Stummfilmzeit. Diesen Missstand haben Regisseur Sven Taddicken und Drehbuchautor Matthias Pacht nun behoben - mit viel authentischem Kolorit, gehörigem Aufwand und sichtlichem Spaß an der Sache. Sie plündern dabei das Genre wie einst Burt Lancasters DER ROTE KOSAR die königliche Marine und warten mit allem auf, was der Piratenfilm verlangt: Seeschlachten und Meutereien, Trinkgelage, schöne Frauen und rohe Kerle, die doch nur große Kindsköpfe sind und sich unter der Totenkopfflagge austoben."
Horst Peter Koll ist begeistert. "Das alles ist in keinem Moment dröges und papierenes Betroffenheitskino deutscher Provenienz, sondern ein höchst vitales Beispiel für lustvolles, amüsantes und unbekümmert mutiges Genre- und Ausstattungskino mit Substanz, das vor allem so gut funktioniert, weil man tatsächlich den Wind und die Wellen zu spüren scheint und eine Art "Spirit" diese Kinofantasie durchweht. Es macht Spaß, den Schauspielern bei ihrer Arbeit zuzusehen und zu verfolgen, wie sie sich austoben, spielerisch einen Weg zwischen Komik und Ernsthaftigkeit bahnen und deutlich Freude haben an diesem legendenbildenden Seemannsgarn, das Sven Taddicken mit kraftvollen Strichen ausspinnt. Am Ende ist man tatsächlich froh, dass es im hohen Norden Deutschlands solch fulminante Sagen wie jene der Vitalienbrüder gibt – wozu braucht man da noch Hollywood?"
Sven Taddicken und Ronald Zehrfeld im Gespräch mit einem Moderator vom Deutschlandradio.
In 12 METER OHNE KOPF (
) wird Störtebecker laut Ralf Dörwang zum Weichei. "Er ist angeschlagen, zum einen durch eine Verletzung, zum anderen durch verlockende Aussichten an Land. Auf Geheiß seiner Geliebten schwenkt der Pirat plötzlich um und macht auf Pazifist. "Er ist kein übermächtiger Hero, sondern ein Mensch, der auch Scheiße gebaut hat", sagt der Störtebeker-Darsteller Ronald Zehrfeld, "der aber zumindest noch so viel Grips in der Birne hatte, dass er reflektieren konnte, was er gemacht hat.""
Thomas Volkmann kann es den Filmemacher "nicht verdenken, dass zu Klängen von The Clash, The Thermals oder als große Überraschung Johnny Cashs "I see a darkness" Partystimmung herrscht. Mit diesem Kniff gelingt es Sven Taddicken auch, seine mittelalterliche Sinn-des-Lebens-Parabel auf gegenwärtige Verhältnisse zu übertragen, auch wenn genau dies gelegentlich bemüht wirkt. Sven Taddicken ist aber ehrlich genug, die manchmal als ungehobelt und abstoßend empfundene Raubeinigkeit und Derbheit einiger Nebenfiguren in Kauf zu nehmen anstelle sie durch Überzeichnung zu verraten. Das ist er Störtebeker, von dem die Legende sagt, er sei nach seiner Hinrichtung noch zwölf Meter ohne Kopf gelaufen, schuldig."
Linksammlung zum Film.