| Regie | Anno Saul |
| Kinostart | 26.11.2009 |
Nachdem er mit einer fatalen Entscheidung den Tod seiner siebenjährigen Tochter Leonie verschuldete, hat der einstmals erfolgreiche Maler David die Kontrolle über sein Leben verloren. Doch eines Tages entdeckt er eine Tür, die ihm die Möglichkeit gibt, noch einmal von vorn zu beginnen. Was als viel versprechende Chance auf den Neuanfang beginnt, entpuppt sich jedoch bald als wahres Schreckensszenario, denn in der Vergangenheit ist nicht alles so, wie es scheint.
Nino Klingler ist enttäuscht. DIE TÜR wird "zu einer eher drögen, weil allzu deutlichen Angelegenheit. Gerade die Überbetonung des Unheimlichen bewirkt dessen Trivialisierung. Den Figuren zuzuschauen, wie sie sich in ihrer verwirrten Welt um Kontrolle bemühen, genügt nicht, um das Unbehagen bis in den Zuschauerraum hinein zu verlängern. Stattdessen bleibt es dem Publikum äußerlich, wird nicht empfunden, sondern konsumiert. Ein Fehler, den Lars von Trier nicht begeht: das Unbehagen ins Innere des Filmes zu verbannen und damit dem Entertainment preiszugeben."
Doris Kuhn hat einiges zu bemängeln, lobt aber den Hauptdarsteller. "Der Held verliert schnell den Spass am Detail, der Zuschauer teilt mit ihm die Schweißausbrüche. Dazu kommt, dass diese Figur von Mads Mikkelsen gespielt wird, dem dänischen Star aus dem vorletzten James Bond-Film. Er legt er eine Mischung aus Verzweiflung und Gewalt so eindringlich in seine Züge, dass man ihm unbedingt folgen will, egal wie sehr sein Handeln in Konflikt mit der umgebenden Idylle gerät. Denn die ungeheure Verführungskraft einer zweite Chance befördert keineswegs nur das Gute im Menschen."
Patrick Heidmann empfiehlt, DIE TÜR nicht unter logischen Gesichtspunkten zu betrachten. "Der Spannung, die sich relativ langsam, aber schließlich durchaus beträchtlich aufbaut, tut das allerdings genauso wenig Abbruch wie das erwartungsgemäß nur spärliche intellektuelle Ausloten der hier konstruierten Schuld- und Wiedergutmachungs-Spirale. Schwerer wiegen da schon die nicht eben seltenen Tempowechsel in Anno Sauls Inszenierung sowie die Tatsache, dass er gerade in der zweiten Filmhälfte immer wieder seiner eigenen Courage nicht zu trauen scheint und - etwa in der Figur des verdächtigen, von Thomas Thieme gespielten Nachbarn - ungeschickt mit Überzeichnungen und Groteskem flirtet."
Unaufwendig, aber ungemein effektvoll nennt Barbara Schweizerhof DIE TÜR. "Spannend ist der Film von Anno Saul nicht nur wegen unverhoffter Wendungen, sondern vor allem aufgrund der emotionalen Achterbahn, auf die man sich als Zuschauer hier einlassen muss. Glaubt man am Anfang noch sehr genau zu wissen, was man fühlt und mit wem, sind am Ende solche Gewissheiten vollkommen zerschlagen. So bringt der Film das Kunststück fertig, auch die komischen Seiten zu zeigen, die die Zeitreise, wenn man sie konsequent durchdenkt, so mit sich bringt, um im nächsten Moment wieder ganz in die Tragödie abzutauchen. Auf irritierende Weise wechseln sich burleske und satirische Momente mit Horrorfilmszenen ab, wobei sich das Ganze mehr und mehr zu einer kraftvollen Metapher verdichtet auf das selbstsüchtige Glück und seine Kehrseite, die Rücksichtslosigkeit, mit der man es durchsetzen will."
Regisseur Anno Saul versucht, das Übersinnliche zu ignorieren und die seelischen Konflikte seiner Protagonisten herauszustellen. Manchmal hat Frank Noack "den Eindruck, die gesamte Handlung spiele im Reich der Toten. Der Wahnwitz der Geschichte ist allgegenwärtig, doch der Stoff hätte einen Regisseur gebraucht, der die Absurditäten auf die Spitze treibt. ... Der Film ist stark im Detail. Ihm fehlt nur jene Qualität, die man im Englischen "suspension of disbelief" nennt. Als Zuschauer hört man nie auf, Fragen nach der Logik zu stellen. Der entscheidende Schwachpunkt ist ausgerechnet die Tür."
Würde Peter Zander mehr "darüber nachdenken, wäre das Ganze schon recht hanebüchen. Die Sehnsucht, dass der Vater im Zeittunnel just zu jenem traumatischen Moment gelangt, den er dann verhindern kann, ist ja noch nachvollziehbar. Dass aber Nachbarn genau in die gleiche Zeit zurückfinden und alle bereitwillig - quasi als Eintrittsbillet in die Parallelwelt - ihr früheres Ich opfern, macht die reizvolle Fantasie dann doch zur müden Fantasy. Ein Nebenaspekt des Films besteht übrigens darin, wie man seiner Umwelt verheimlicht, dass man plötzlich fünf Jahre älter aussieht. Als ob die Schönheitsindustrie da nicht längst drastische Mittel gefunden hätte. Aber das wäre ein anderer Grusel."
Oliver Zimmermann schreibt: "DIE TÜR gefällt durch seine schwermütige Grundstimmung und die ansehnliche Besetzung, die in den Nebenrollen von Heike Makatsch (HILDE (
)) und Thomas Thieme (Effi Briest (
)) ergänzt wird. Der Film bietet über weite Strecken solides Gruselkino mit einem gewissen Anspruch. Ganz am Ende verliert er jedoch ein wenig seine nachdenkliche Linie. Stattdessen gewinnen tumultartige Szenen und allzu bizarre Zufälle die Oberhand, die in dieser ausgeprägten Form nicht nötig gewesen wären."
Michael Meyns wähnte sich "in der Welt der B-Pictures, in der Gewalt wenig Erschreckendes hat, sondern absurder Camp ist. Auch das ist nicht prinzipiell verkehrt, nur ist es wenig hilfreich, wenn man einen ernst zu nehmenden Film drehen will. Immer wieder fehlt hier jedoch das richtige Maß, so dass trotz Mads Mikkelsens redlichem Bemühen – das besonders von Heike Makkatschs und Jessica Schwarz latent hysterischen Darstellungen untergraben wird – wenig mehr bleibt, als interessante Ansätze, die einen souveräneren Genrefilm verdient gehabt hätten."